(Kinoversion)
Da ich Filme wie "Rushmore" oder "Harold und Maude" mag und mir "Submarine" wie eine Mischung aus beiden erschien und ich zudem viel Gutes über den Film gehört hatte, hoffte ich auf ein lustiges, schräges, liebevolles und ironisches Drama mit komödiantischen Anklängen. Und im Ansatz habe ich das auch bekommen. Vieles sprach für diesen Film: der Regisseur, der eine der Hauptrollen bei "The IT Crowd" spielt, raue Locations und kauzige Bewohner der Drehorte in Wales (Swansea und Barry), eine latent ungewöhnliche Geschichte, die Ansiedlung der Story in den 1980er Jahren und natürlich der für mich fast immer reizvolle "Indie"-Touch solcher Filme. Leider ist es dem Regisseur Richard Ayoade nicht gelungen, eine über die gesamte Laufzeit von 97 Minuten packende Geschichte zu erzählen. Vieles wirkt doch etwas gewollt skurril und sehr den offensichtlichen Vorbildern des Films nachgeeifert, ohne deren Klasse zu erreichen. Dafür, dass Ayoade bereits jahrelang im Fernsehen bei Serien und Dokumentationen Regieerfahrungen sammeln konnte, wirkt sein erster Kinofilm zu ungelenk und unausgegoren, wenngleich "Submarine" natürlich trotzdem kein schlechter und oft auch lustiger Film ist. Im Independentbereich kommt der Film aber über eine durchschnittliche Güte nicht hinaus.
Der 15jährige Oliver Tate (Craig Roberts, "Jane Eyre") steckt in Wales und in der Pubertät fest. Der Junge mit dem seltsamen Haarschnitt ist nicht gerade beliebt auf seiner Schule, fristet aber immerhin ein relativ unbehelligtes Außenseiterdasein, so dass er mehr gemieden denn gemobbt wird. Er hat ein Auge auf die nicht minder seltsame Jordana (Yasmin Paige) geworfen, die sich, ebenfalls mit ein paar charakterlichen Absonderlichkeiten gesegnet, etwas besser in ihr soziales Umfeld eingefügt hat. Und tatsächlich finden diese beiden schrulligen Kids zueinander, was bei Beiden nicht nur für hormonelle Verwirrung sorgt. Darüber hinaus befürchtet Oliver, die Ehe seiner Eltern (noch schräger: Noah Taylor, "Charlie und die Schokoladenfabrik" und Sally Hawkins, "Happy go Lucky") stünde auf der Kippe, da ins Nachbarhaus ein früherer Verehrer von Olivers Mum eingezogen ist. Graham Purvis (Paddy Considine, "Das Bourne Ultimatum") ist ein esoterisch-mystisch angehauchter Scharlatan, der Jill Tate offenbar tatsächlich wieder Avancen macht, wogegen Lloyd Tate als dröger Meeresbiologe nahezu machtlos erscheint. Also versucht Oliver auch noch, die Ehekrise seiner Eltern in den Griff zu bekommen, obwohl er mit Jordanas Launen und seiner eigenen Unsicherheit eigentlich genug zu tun hat.
"Submarine" bietet ein hohes humoristisches Potenzial, leider geht dem Film immer mal wieder die komödiantische Puste aus, wodurch er länger wirkt, als er eigentlich ist. Die gezeigten Skurrilitäten und Ungewöhnlichkeiten reichen nicht aus, um daraus einen wirklich kurzweiligen, stimmigen und vor allem überzeugenden Independent-Film zu machen, der einen wahlweise berührt oder bestens amüsiert, im Idealfall Beides. Man mag diesen komischen Jungen zwar irgendwie, kommt ihm emotional aber nicht wirklich nahe. Auch Jordanas Verhalten wirkt oft eher befremdlich und ruppig, als dass man das noch als eigenwillig-pubertären Charme auslegen könnte, so dass man auch zu ihr keinen wirklichen Zugang findet. Das größte Potenzial für komödiantische Absonderlichkeiten bieten hier noch Olivers Eltern, die ein paar großartige Sätze sagen dürfen, die einen wirklich zum Lachen bringen. Sally Hawkins als spießige, verklemmte Ordnungsfanatikerin, die sich mal wieder etwas Feuer unterm Schlüppi wünscht und Noah Taylor als liebenswerter, aber latent depressiver Biologe mit Zauselbart und Sorgenfalten geben ein herrlich schrulliges Paar ab, auch wenn die Sympathien eindeutig bei Lloyd liegen.
Dagegen wirken Olivers aus dem Off eingesprochene Gedankengänge mancherorts eher bemüht witzig als wirklich komisch. Sogar für einen komischen Kauz wie ihn mutet einiges zu übertrieben durchdacht oder zu erwachsen an, als dass man es ihm wirklich abnehmen würde. Und auch der Part des durchgeknallten New-Age-Gurus Graham wirkt sehr gestelzt und eher unglaubwürdig, man merkt diesem Charakter an, dass er nur geschaffen wurde, um als Initialzündung für Olivers Eherettungsmaßnahmen zu fungieren. Überhaupt sind die Charaktere nicht wirklich sauber ausgearbeitet, man hat hier oft den Eindruck, dass in ihnen nur möglichst viele Seltsamkeiten vereint werden sollten, egal, ob die Glaubwürdigkeit dabei auf der Strecke bleibt. Bis auf Lloyd ist einem eigentlich keiner der Protagonisten wirklich sympathisch, oft bleiben sie einfach zu statisch und auch zu oberflächlich entworfen.
Die walisischen Landschaften sind mal von rauer Schönheit, oft aber auch von kleinbürgerlicher Tristesse, gepaart mit den modischen und innenarchitektonischen Entgleisungen der 80er Jahre ist hier auch optisch nicht viel zu holen. Dafür hat Ayoade einen stimmigen Soundtrack für seinen Film gefunden, der Szenerien oder Emotionen oft gekonnt unterstreicht.
Wie gesagt, "Submarine" ist kein schlechter Film, er lädt zum Schmunzeln ein und kann durchaus mit schrägem Humor und witzigen Charakteren punkten. Er ist eben nur nicht sauber ausgearbeitet und konsequent humorvoll umgesetzt worden. Dort, wo "Harold & Maude" oder auch dem kürzlich angelaufenen "Restless" der Spagat zwischen Emotionalität und Humor grandios gelingt und den Zuschauer auch wirklich erreicht, bleibt "Submarine" unbefriedigend, weil man weder einen echten Zugang zu den Charakteren findet noch der Film witzig genug ist, um nachhaltig zu überzeugen. Irgendwann ist es einfach ein bisschen zuviel Gesabbel und zu wenig Aktion oder Interaktion. Schade, denn man kann deutlich erkennen, was aus diesem Film hätte werden können, wenn der Regisseur etwas versierter und das Drehbuch (oder auch die Buchvorlage, die ich nicht kenne) noch etwas lustiger oder schräger gewesen wären. So ist "Submarine" ein netter kleiner Film, der mal ganz lustig und abseitig ist, oft aber auch sehr redselig und nur halbwegs komisch. Ergo mal durchschnittliche drei von fünf pubertären Gedankengängen, denen man nicht immer folgen kann oder will.