Dieses Buch, verfasst von der Guru-Gang des Subjektorientierten Prozessmanagements um Dr. Albert Fleischmann herum, will nicht nur die Verbreitung dieses Verfahrens fördern, sondern trägt schlicht dem Umstand Rechnung, dass dieser Ansatz, in Forschung und Lehre längst etabliert, auch den Sprung in die verwirklichte Realität geschafft hat.
Es ist ein sehr lesbares, verständliches Werk, das sich mit der Darstellung intellektuellen Hochmuts sehr zurückhält und die Praxis eindeutig in den Vordergrund stellt. Es ein Kochbuch - "man nehme ..." - zu nennen, wäre zu trivial, aber die benötigten Schritte und vorhandenen Möglichkeiten werden beispielhaft erklärt - ohne den deutschen "erhobenen Zeigefinger".
Die Strukturierung geht von feuilletonistischer Allgemeindarstellung der Möglichkeiten und Vorzüge - für Manager, "Governors" in der vorliegenden Terminologie - bis hin zu sehr detaillierten, formalen Aspekten - für Experten - des Vorgehens und einer möglichen Lösung und erfüllt damit alle Anforderungen, um Entscheidungen plausibel vorzubereiten und zu treffen und eine Vorstellung davon zu haben, was auf einen zukommt.
Die folgenden Fakten waren für mich die interessantesten:
- Bezug auf die natürliche Sprache und deren Konstrukte
- Rückgewinnung des Verhältnisses Kunde ' Lieferant
- Erweiterung der Prozessdefinition um die Reduktion
- Gegenüberstellung der verschiedenen Verfahren
- Gestaltung
Bezug auf die natürliche Sprache und deren Konstrukte
Die deutsche Sprache kann jeder Deutsche. (OK, selbst wenn man im Süden manchmal zu anderen Einsichten kommt ... Aber ich will Bismarck nicht in den Rücken fallen.)
Mit dieser schlichten Feststellung und deren zentraler Stellung im vorliegenden Konzept werden mehr Hürden, Grenzen eingerissen und mehr Befürchtungen zerstreut als je zuvor.
Die Abwehrhaltung, Obstruktion der Fachabteilungen ergab sich - bis heute - fast zwangsläufig aus der Inkompatibilität des Gesprochenen: Hier prosahafte Darstellung der Probleme, dort formale, unverständliche Darstellung der Lösung, hier die vermutete intellektuelle Dürre, dort der behauptete Überfluss.
Aus diesen zwei Polen erwuchsen die schönsten wechselseitigen Abneigungen.
Mit dem subjektorientierten Prozessmanagement ist damit Schluss! Die zuvor so geschmähte Fachabteilung erhält ihre Stellung und Würde zurück: Ihre Darstellung der Probleme ist der Lösung gleichwertig.
Rückgewinnung des Verhältnisses Kunde 'Lieferant
Eng mit dem vorhergehenden Punkt verbunden und - Kritik! - nicht ausreichend deutlich, d.h. unter Wert dargestellt, ist die Tatsache, dass die heutige Welt Kopf steht: Die IT - der Lieferant - dominiert eindeutig die Fachabteilung - den Kunden. Äußerungen wie "Die sollen froh sein, überhaupt etwas zu bekommen ..." oder "Es ging nicht anders ..." belegen das zur Genüge und immer noch und immer wieder.
Dem wird im subjektorientierten Prozessmanagement der verdiente Exitus bereitet: Der Kunde - die Fachabteilung - bestimmt wieder eindeutig, was gemacht werden muss und was das Ergebnis mit all seinen Facetten - Attributen - sein soll. Die neuen Prozesse sind nach seinen Vorstellungen ausgerichtet und bilden seine lebendige, gelebte Welt ab und nicht die der Daten, Funktionen und Algorithmen. Die IT ist eindeutig der Lieferant und hat sich nach den Wünschen des Kunden zu strecken. Wenn diese aufgrund bestehender Einschränkungen nicht möglich sind, kann der Kunde immer noch entscheiden, wie er verfahren will. Der Unterschied zu früher: Er weiß im Voraus, was er bekommt und wird nicht im nachhinein vor vollendete Tatsachen gestellt.
Erweiterung der Prozessdefinition um die Reduktion
Diese Möglichkeit ist neu, absolut frappierend, unmittelbar einsichtig und aufgrund ihrer geniehaften Einfachheit schlicht schön.
Gegenüberstellung der verschiedenen Verfahren
Die diesem Kapitel beigefügte Grafik sollte in jedem Büro hängen, das sich mit dieser Thematik beschäftigt. Ihre nahezu monumentale Wucht und simple Einprägsamkeit ist erstaunlich.
Gestaltung
Zum Schluss eine Bemerkung zur optischen Darstellung des Buches: Zahlreiche Grafiken, frei gezeichnet, lockern die Informationsfülle auf und machen das Buch anstrengungsfrei lesbar. Die Verwendung der Kursive für die Kapitel-Einleitungen ist sehr anschaulich, wenngleich eine bessere Lesbarkeit durch "bold" oder einen größeren Schrifttyp erreicht werden sollte: Es ist immer eine gute Beleuchtung und manchmal eine Lupe vonnöten.
Aber insgesamt: Eine sehr gute, überdurchschnittliche gelungene und lesbare Gestaltung.