Meine Frau hat Frau Vanessa-Mae Vanakorn Nicholson im Tai-Chi gehört und mir diese Scheibe auf den Tisch gelegt. Das "People Magazin" kürte die Jungstreicherin 1996 zu einer der 50 schönsten Frauen der Welt. Wenn ich das Booklet durchblättere, muss ich einräumen: Sie ist auf manchen Fotos sehr reizvoll anzuschauen - aber bevor ich mir diese CD ein weiteres Mal anhören soll, muss man mir schon mehr als eine Nacht mit einer chinesisch-thailändischen Koproduktion bieten. Und leider geht es hier um die Musik und nicht um eine der unzähligen Siam-Schönheiten.
Die Geschmäcker sind verschieden, und in Szene-Kneipen wird zur Zeit eine Musik goutiert, die an hängen gebliebene Sequenzer erinnert (man entschuldige den Pleonasmus) - geübte Gehöre werden das öd finden. Aber bei Menschen, die nur gelegentlich Musik hören, könnten sich durchaus Anhänger solchen Wischiwaschis finden.
Wer rasch feststellen möchte, ob er "Subject to Change" mögen könnte, sollte sich im Vergleich zu "White Bird" das folgende Original von "It's a beautiful day" anhören:
White Bird Man kann leider schnell feststellen, dass nicht nur die Stimmen auf ganz anderm Niveau liegen - was wohl niemand diskutieren wird - als bei Vanessa-Mae, sondern auch die Violinen sehr viel musikalischer und emotionaler gespielt werden, von dem primitiven Dance-Arrangement des Covers mal abgesehen, aber das ist ja "Programm". Ein zweiter meines Erachtens höchst unglücklicher Coverversuch - ich habe nichts gegen covern, wohl aber gegen verhundsen - ist "Jamais", schlecht kopiert von Francoise Hardys "Le premier bonheur du jour", welches ich in diesem Katalog leider nur in der italienischen Version gefunden habe:
Il Saluto Del Mattino (Italian Version Of " Le Premier Bonheur Du Jour") Durchsichtig die Spekulation, noch ein wenig Sprechgesang und Gestöhne einzubauen, was aber einer erwachsenen Frau wie Jane Birkin in ihrer natürlichen Erotik ganz anders ansteht als der gleichermaßen künstlich und unreif wirkenden Vanessa-Mae:
Je T'Aime Moi Non PlusWer die Platte nicht kennt, sollte sich überwiegend eine "James Last Techno-Dance-Floor" mit etwas steriler und einfältiger Instrumentierung vorstellen und weitgehend ohne echte Instrumente. Tatsächlich: Keine Ahnung, wie gut die Elektronik inzwischen ist - mich würde es nicht überraschen, wenn alles außer Vanessa-Mae selbst elektronisch erzeugt ist; selbst wenn ich mich irre, hört es sich zumindest so an. Ausnahme: eine Gitarre in "Jamais". Innerhalb der Vorgabe "Techno" und "Dance" mit stereotypen und abwechslungsfreien Rhythmen, endlos stampfend - auch in den Discos ist diese Musik inzwischen haded. Vielleicht aber passend in einer 90er-Jahre-Dorfdisco zum Abtanzen nach dem Spielmannszug des Kleintierzüchtervereins.
Auf dieser Scheibe wird nicht nur die E-Violine geschabt, Vanessa-Mae singt auch - oder besser, sie piepst und haucht. Bei dem Latin-Lied "Love Is Only A Game" passt das sogar stimmlich - leider trifft Vanessa-Mae die Töne nicht so gut wie eine Astrud Gilberto, und das Violinen-Gekreische nervt und zerstört den Titel völlig.
Wenig kling lästiger als eine E-Violine, und die Macher dieser Scheibe haben alles getan, das richtig herauszukitzeln. Einen traurigen Höhepunkt der schrillen Kratzerei bietet das Violinensolo auf "Jamais". Klirr (Obertonverzerrungen) bis zum "geht-nicht-mehr". Zudem ist die Violine stets zu laut - aber das synthetische Orchester möchte man natürlich auch nicht so gerne im Vordergrund hören.
Für musikalische Musikfreunde eher weniger geeignet.
jury 2* A0292 5.9.2010e 7 A