Kurz zu meiner Vorgeschichte: ich arbeite seit den neunziger Jahren mit PCs (angefangen mit DOS 3.3), aber erst seit einem Jahr mit Linux. Dabei habe ich eine ganze Reihe Distributionen ausprobiert und speziell mit SUSE 10.3 als Einsteiger viele Probleme gehabt. Oft lief nicht einmal die Installation bis zum Ende durch und bestimmte Rechner weigerten sich mit SUSE 10.3 sogar, die 32Bit-Version zu akzeptieren. Selbst SUSE 11 bekam ich nicht stabil zum Laufen. Deshalb nutze ich seit einiger Zeit PCLinuxOS, das diese Probleme trotz älterem Kernel nicht hatte.
Da auch SUSE 11 bei mir ein ähnliches Verhalten zeigte, knüpfte ich an die Version 11.1 keine großen Erwartungen. Umso angenehmer war ich überrascht, als ich eine völlig problemlose Installation (mit KDE 4.1) schaffte. Seitdem habe ich schon viele Stunden das System erforscht und bin von der Handhabung begeistert. Besonders die Systembedienung über YAST bündelt endlich alle Einstellungen in einem Menü, sogar die Softwareinstallation. Sehr übersichtlich! Auch das Startmenü ist deutlich besser geworden. Die Einträge sind nach "Favoriten", "Programme", "Rechner" und "Verlauf" gegliedert. Findet man den passenden Eintrag nicht, hilft ein Suchfenster weiter.
Nachteilig ist allerdings, dass Novell seit dieser Version jegliche "proprietäre" (also nicht quelloffene) Software aus der Installation verbannt hat. Für die eigentlich unabdingbaren Codecs zum Abspielen und Aufnehmen von Multimedia-Dateien ist ebenso eine Nachinstallation über das Internet notwendig wie für Grafiktreiber mit 3D-Unterstützung (ATI/nVidia). Hierzu ist zunächst ein Auswählen passender Paketquellen im Internet nötig -SUSE kennt diese zwar, hat sie aber standardmäßig nicht aktiviert. Auch ist der Zugriff auf NTFS-Partitionen nur lesend möglich. Erst die nicht jedem geläufige Nacharbeit an der fstab-Datei sorgt für den (in anderen Distributionen selbstverständlichen!) Schreibzugriff. Warum? Der Linux-Neueinsteiger braucht darum bei der Installation unbedingt Unterstützung, kann dann aber ebenso problemlos damit arbeiten wie mit Windows. Mehr noch, die unvoreingenommenen Neueinsteiger, denen ich die Möglichkeiten von KDE 4.13 und das dicke Softwarepaket von SUSE vorführte, waren so begeistert, dass sie mehr als einmal fragten, warum so wenige Leute Linux nutzen. Was KDE ist? Eine von mehreren Benutzeroberflächen, die man bei der Installation oder auch später noch auswählen kann. Zur Wahl stehen außerdem Gnome 2.24.1, das bewährte KDE 3.5.10 und das schlanke XFCE.
Wer noch nie mit Linux zu tun hatte, wird sich wundern, nur eine einzige Software-DVD zu bekommen (die hier beschriebene Kaufversion enthält weitere Software auf einer CD-ROM). Nach der Installation steht dennoch ein vollständiges System mit dem zu MS Office kompatiblen Open Office 3.0, mit Grafikprogrammen wie Gimp und Brennprogrammen wie K3b zur Verfügung. Benötigt man weitere Programme, lädt man diese über den Paketmanager aus Yast kostenlos aus dem Internet nach. Schränke voller Software-CDs sind in der Linux-Welt unbekannt.
Bisher hatte ich die Installation nur testweise auf einem Zweitrechner durchgeführt. Die guten Erfahrungen haben mich allerdings überzeugt, auch auf meinem Haupt-PC SUSE 11.1 einzurichten. Anderen Distributionen hat SUSE die umfangreiche mitgelieferte und im Netz verfügbare Software voraus, es ist durchgängig deutsch (das ist bei kleineren Distributionen nicht selbstverständlich) und der im Internet verfügbare Wissensschatz hierzu ist unübertroffen.
openSUSE 11.1 ist aus meiner Sicht empfehlenswert sowohl für Um- als auch Neueinsteiger, wobei Letztere wie gesagt Hilfestellung bei der Einrichtung benötigen. Die Bedienung gelingt Windows-Umsteigern weitgehend intuitiv. Wer noch keine Computerkenntnisse hat, benötigt ebenso viel Einarbeitungszeit wie für Windows-PCs, lernt dafür aber ein sehr sicheres und ausbaufähiges System kennen. Die Hardwareanforderungen liegen deutlich unter MS Vista (flüssiges Arbeiten bei mir mit Pentium IV, 512 MB RAM und einer GeForce4MX-Grafik!), obwohl KDE 4.13 als Oberfläche eher aufwändiger gestylt ist als Vista. Dabei genügt für das gesamte System mit viel Software eine 20 GB-Partition auf der Festplatte. Wer möchte, installiert es im Übrigen auch parallel zu Windows oder anderen Betriebssystemen und wählt beim Start das jeweils benötigte Betriebssystem aus.