Wenn man ein Auto kauft und es fährt nicht, bekommt man Ersatz, bei Wanderführern kauft man die Katze im Sack, auch wenn es heißt, dass "die Ausarbeitung ... nach bestem Wissen und Gewissen der Autoren" erfolgte. Egal ob es läuft oder nicht, es gibt keinen Ersatz!
Die Autoren dieser Rezension sind erfahrene Wanderer, wir haben gutes Orientierungsvermögen, gehen auch in entlegeneren Ländern, z.B. im Oman, mit dem Kompass ins Gebirge und haben uns noch nie wirklich verlaufen. Das ist mit diesem Führer anders, obwohl wir in dieser Region leben.
Diese Touren sind so seltsam und irreführend beschrieben, dass der Eindruck entsteht, dass die Autoren mit Karten älterer Editionen und einem Winkelmaß am Küchentisch saßen, Gehzeiten und Markierungen abgeschrieben haben, das Gelände aber selber nie gesehen haben. Erst bei Anwendung im Gelände fällt einem auch auf, dass es keine Detailbeschreibungen gibt, z.B. " auf einem sehr gerölligen und steilen Weg" o.ä. Die Angaben lauten, "Sie folgen dem roten Kreuz" bis zum Horizont und sind dann da. Keine Hilfen für irritierende Abzweigungen. Beispiel Tour 43: Nach dem Uhlbergturm gibt es einige Abzweigungen ohne Wegzeichen, es gibt keinen Bauernhof, an dem man vorbei kommt, der Weg muss seit einiger Zeit umgeleitet sein, was in dieser 1. Auflage aus diesem Jahr 2009 nicht vorkommt. Besonders auffällige Dinge werden nicht benannt. Der Weg führt z.B. an aufwändig in die Stämme geschnitzen Figuren und Gesichtern vorbei. Jeder andere Wanderführer würde das erwähnen. Waren die Autoren gar nicht hier?
Grundsätzlich gilt, was sich beispielhaft bei Tour 1 erleben lässt, dass irritierend Versatzstücke aus der Realität (Hüttennamen oder Wegnamen) vermischt sind mit falschen "Links-Rechts-Geradeaus"-Anweisungen. Die Formulierungen sind uneindeutig und lassen vor Ort notwendige Hinweise aus. Überzählige Abzweigungen werden nicht benannt und lassen den Wanderer ratlos vor einer dreifachen Gabelung stehen, vor allem wenn dann auch noch das Zeichen erst 300m später kommt, oder gar nicht oder einfach am mittleren Baum hängt, sodass sich nicht erkennen lässt, wie es nun gilt. Wir wohnen in der Nähe der Tour 1 und sind schon manchmal am Bärensee spazieren gewesen. Dass wir uns jetzt genau hier rettungslos verlaufen, ist Realsatire.
Wir schätzen die Rother Wanderführer sehr, aber dieser hat uns erstmal den Spaß am Wandern verdorben. Man ist ständig verunsichert, muss zurück laufen und doch die andere Abzweigung ausprobieren, kann die schönen Strecke dann gar nicht mehr genießen, weil man angespannt aufpasst und ständig kontrolliert, bei welchem Halbsatz man gerade sein könnte, oder "sind wir daran vielleicht schon vorbei? Hat er das vorhin damit gemeint?"
Es gibt zwei Optionen: Entweder die Autoren hatten kein besseres Wissen über Sprache oder Gelände oder sie hatten kein Gewissen. Was ist verzeihlicher? Das Geld gibt es jedenfalls nicht zurück!
Lassen Sie diese Katze im Sack und holen Sie sich Wanderführer zur Schwäbischen Alb.