"Nüchtern bin ich so schüchtern, aber voll da bin ich toll ...", schrie es aus den Lautsprechern. Zwischen der Bühne, die sich an der Südseite des Festzeltes befand, und einer karreeförmigen Theke, die ähnlich einem Gartenhaus überdacht war, bewegten sich dicht gedrängt junge Leute. Das Lied verebbte und ein feister DJ brüllte ins Mikrophon: "Wo sind die Hände? Ich will die Hände sehn." Als ob sie Marionetten wären, streckten vieledie Arme nach oben.
Diese Aufforderung prallte an Daniel und Anton ab. Sie saßen an einem langen Holztisch und hielten die Griffe gläserner Bierkrüge. Anton starrte ziellos vor sich hin. Daniel sah mit unbewegter Miene umher. Ihm gegenüber saß ein dunkelhaariges Mädchen zwischen zwei Typen. Die drei prosteten ihm zu. Daniel hob seinen Krug, lächelte matt und nahm einen Schluck. Anton veränderte seine Haltung nicht ...
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Zum Inhalt: Nach einem Besuch des Stuttgarter Frühlingsfests wird der achtzehnjährige Anton auf ungewöhnliche Art getötet. Verdächtig ist zunächst sein bester Freund Daniel, der mit ihm im Festzelt war. Daniel sucht vor der Justiz Schutz bei David, einem Rechtsanwalt, der nunmehr vor der Frage steht, ob Anton ein Zufallsopfer ist oder ob es sich um eine Beziehungstat handelt.
Über seinen Mandanten kommt der Rechtsanwalt mit verschiedenen Leuten aus dem Umfeld des Getöteten in Kontakt. Allmählich nimmt der Anwalt ein Netz von Aversionen und erotischen Verstrickungen wahr, in dem die Lösung des Falles verborgen sein könnte.
David erlebt, oft zusammen mit Daniel und dessen Freunden, einen turbulenten Sommer, bis sich im Herbst auf dem Volksfest ein weiterer schwerer Zwischenfall ereignet ...
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Fazit: Es gibt nicht gerade viele Krimis, die in Stuttgart angesiedelt sind - und wenn, dann sind die Hauptfiguren häufig etwas bieder und auch ein bisschen spießig. Diesen Schwabenklischees entsprechen die Personen in Michael Kiesens neuem Krimi "Stuttgart Frühlingsfest" nicht. Vielmehr haben sie sich von der pietistischen Enge gelöst, ja sogar weit entfernt. Dennoch sind Tabubrüche in diesem Roman Ursachen von Konflikten und letztlich von Gewaltakten.
Der Handlungsbogen erstreckt sich vom Frühlingsfest über den CSD und das Sommerfest bis zum Volksfest im Herbst und vermittelt ein völlig anderes Bild von Stuttgart, als man es erwarten würde.
Der etwas andere 'Schwaben-Krimi' - Empfehlenswert !! -
meint -- Reinhard Busse