Gegen das riesige Prestige-Projekt "Stuttgart 21", jenen Bahnhof, der mit Milliardenaufwand in einem sich über viele Jahre erstreckenden Bauprojekt vom Kopfbahnhof zum unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden soll, gibt es seit vielen Monaten massiven Widerstand in der Bevölkerung vor Ort. Als Bürger dieser Republik, der weder Stuttgarter ist, noch Baden-Württemberger, und somit weitab vom Schuss, ist man , wenn man sich nicht alles aus dem Internet zusammensuchen will, doch sehr auf die Informationen über die gängigen Medien angewiesen, insbesondere, was umfassende Darstellungen der Protestler und ihrer Argumente gegen das Projekt anbelangt. Sprüche von Politikern, üble Beleidigungen der Demonstranten, dazu der polizeiliche Prügeleinsatz vom 30. September, der jetzt in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß behandelt wird, plus glatter Unwahrheiten, wie, daß die Demonstranten mit Pflastersteinen geworfen hätten, ein unglaublicher Vorwurf, der erst im Laufe der Nacht zurückgenommen wurde, - das Ergebnis der von Heiner Geißler geleiteten Schlichtungsgespräche werden wir dieser Tage erfahren - so ist dieses Buch sinnvoll und lesenswert für alle, die sich über die andere, nicht bzw. nur sehr eingeschränkt über die gängigen Medien vermittelte, Seite des Widerstands und ihrer Argumente gegen dieses gigantisch teure Projekt informieren wollen.
Die Autoren des Buches, die allesamt der Protestbewegung angehören, streiten in den Kapiteln mit einer großen Menge an Informationen und logischen Argumenten gegen das Projekt, und zerpflücken die Propaganda von Bahn und Landesregierung Stück für Stück. Z. B. hätte das Projekt alle demokratischen Gremien passiert, und der Widerstand käme zu spät - Kunststück, wenn die Volksentscheid-Anträge seit 1996, zwar mit genügend Unterschriften aufwarteten, aber gegen die Gemeinderatsmehrheit keine Chance hatten, und abgeschmettert wurden. Die Behauptung, die Gegner wären erst jetzt gekommen, ist also unwahr. Unglaublich auch, daß mit S21 ein Bahnhof entstehen soll, der offenbar für Nahverkehr und S-Bahn garnicht ausgelegt sein wird, da diese über die notwendige Technik garnicht verfügen werden. Wichtige Unterlagen, die nicht vorgelegt wurden, Gutachten, die man wegschloss, seltsame Kosten- Bedarfs- und Fahrplan-Berechnungen...etc... wenn man bis jetzt das diffuse Gefühl hatte, das Projekt sei irgendwie nicht ganz koscher, begreift man bei der Lektüre des Buches, S21 IST der blanke, viele Milliarden teure, Irrsinn, ein gigantisches und unnötiges Immobilien- und Prestige-Projekt. Sehr interessant ist auch das Kapitel über die Verhinderung von "Frankfurt21". Das Buch leistet Aufklärung im besten Sinne.
Den Worten von Walter Sittler im Vorwort kann ich nur beipflichten (Zitat)"...Bei Grundbedürfnissen wie Reisefreiheit, Energieversorgung, Wasserversorgung usw. stellt sich schon die Frage, ob der Weg der totalen Privatisierung so optimal ist. Dass die Bahn, als 100%ige Tochter des Bundes, wichtige Unterlagen geheim halten kann und die Beschlüsse von Parlamenten bei diesem "Jahrhundertprojekt" daher auf ungefähren oder behaupteten Zahlen beruhen müssen, ist ebenfalls sehr bedenkenswert ... Diese Bewegung in Stuttgart, die schon längst über die Landeshauptstadt hinausreicht, ist gerade nicht rückwärtsgewandt, sondern demonstriert zugleich ein Verantwortungsbewußtsein für die Stadt, das Land, ja die Republik, indem für eine Alternative geworben wird, die billiger, menschenwürdiger und auch noch effektiver ist." Lesenswert!