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Sturmwind auf Jamaika
 
 
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Sturmwind auf Jamaika [Gebundene Ausgabe]

Richard Hughes
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Steidl (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3882436328
  • ISBN-13: 978-3882436327
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.135.556 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Preis der Passage

Richard Hughes: «Ein Sturmwind auf Jamaica»

«Ein Sturmwind auf Jamaica» handelt vom «Unbehagen in der Kultur». Die Geschichte spielt um 1860 und führt von der Wildnis Jamaicas in das Zentrum der zivilisierten Gesellschaft, nämlich in die frühen Glaspaläste und Anwaltskanzleien Londons. Berichtet wird von Abenteuern, die in einer ziemlich entzauberten Welt nur mehr wenig glanzvoll erscheinen können. Im Mittelpunkt stehen die Erlebnisse und Wandlungen eines jungen Mädchens während einer Odyssee über den Atlantik – und die Ratlosigkeit eines namenlosen Erzählers, der vergeblich versucht, dieses Kind zu verstehen.

Der Roman gilt als Klassiker und machte den Autor Richard Hughes bekannt. Er erschien 1929, wurde bald ins Deutsche übertragen und liegt nun bei Steidl in einer Übersetzung von Annemarie Seidel aus dem Jahre 1950 wieder vor. Der Erzähler, vom Geist des 19. Jahrhunderts erkennbar geprägt, aber auch von Fatalismus und Zweifeln an seiner eigenen Kultur geplagt, schildert anfänglich die Verhältnisse in einer verlotterten Kolonie. Die Güter, die sich auf Jamaica in der Hand von weissen oder kreolischen Pflanzern befinden, sind heruntergekommen. Sklavenaufstände haben die Ordnung zerrüttet, die einstigen Herren sind oft lebensuntüchtig, die Schwarzen lassen alles verfallen. Es gibt keine energischen Kolonisatoren, am Zuckerrohr und an den alten Mühlen liegt niemandem mehr. Nur für die Kinder der weissen Pflanzer ist die Insel ein Paradies, ein gewaltiger Spielplatz mit Tieren und Teichen. in denen Knaben und Mädchen gemeinsam nackt baden, ohne dass jemand nach der Schicklichkeit fragt. Wohlanständigkeit wird an diesem Ort locker gehandhabt – daran ändert auch eine frömmelnde Mutter nichts.

Gefährliches Spiel

Die Natur aber ist zwiespältig; sie ist nicht nur Freiraum, sondern auch Gefahr. Als wieder einmal ein Hurrikan die Häuser und Scheunen zerstört und die Besitzungen verwüstet, beschliessen deshalb zwei Familien, ihre Kinder, die zwischen vier und dreizehn Jahre alt sind, übers Meer nach London in Sicherheit zu bringen. Die sieben Knaben und Mädchen, unter ihnen auch die zehnjährige Emily Bas Thornton, verlassen Jamaica auf einem Segelschiff und fallen nach wenigen Tagen in die Hände von Piraten. Während sich die Nachrichten von ihrem angeblichen Tod beiderseits des Ozeans verbreiten, dümpeln die Kinder in Wahrheit auf dem Schoner der Freibeuter wochenlang in der Karibik. Die Piraten sind nämlich nur mehr ein melancholischer Abklatsch einstiger Heroen. Das Gewerbe floriert nicht mehr, amerikanische und englische Kriegsschiffe haben ihre Schlupflöcher ausgeräuchert, die neumodischen Dampfschiffe fahren ihnen davon, ihre Beute überlisten sie mit Hilfe bizarrer Verkleidungen. «Pro forma» sind sie zwar noch mit ein paar Gewehren bewaffnet, aber sie bringen niemanden mehr um.

Die Kinder, die gar nicht richtig verstanden haben, warum sie von dem einen auf das andere Schiff gewechselt sind, arrangieren sich mit den Männern. Der Kahn wird zum Abenteuerspielplatz, zum Freiraum für Phantastereien aller Art, ähnlich wie die tropische Landschaft Jamaicas; man freundet sich gewissermassen an und lebt in den Tag hinein – bis Emily den gefangenen Kapitän eines holländischen Seglers, den sie bewachen soll, in einem unseligen Augenblick höchster Panik ersticht. Die Zeit der Spiele ist damit vorbei, die Piraten schaffen sich die Kinder vom Hals, indem sie sie unter einem Vorwand einem vorbeikommenden Dampfer übergeben – und werden wenig später trotzdem gefangen, da sie die Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung bei der englischen Marine unterschätzt haben. Sie werden, genau wie die Kinder, nach England gebracht, dort vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt – auf Grund der unklaren und bruchstückhaften Aussagen von Emily, aus denen die Schuld der Piraten am Tode des Gefangenen hervorzugehen scheint.

Zurichtung für die Zivilisation

Hat die Zehnjährige Schuld auf sich geladen? Weiss sie, was sie tut, oder ist sie bloss die Marionette eines gerissenen Anwaltes? Ein bedauernswertes, traumatisiertes Opfer, ein Wesen, das der Natur und den Tieren in manchem noch näher steht als der kühlen Rationalität eines erwachsenen Europäers? Das sind die Fragen, denen der Erzähler nachgeht und anhand deren er die gesamte Geschichte für den Leser strukturiert. Sein Bericht ist betont nüchtern, seine psychologischen Theorien und Schlussfolgerungen sind problematisch – aber im Kern ahnt er das Drama, das sich abspielt und von dem er selbst ein Teil ist. Emily, so scheint es, wandelt sich vom Kind, das nur dem Augenblick lebt, zu einer kleinen plappernden Lady, die sich ihrer selbst bewusst zu werden beginnt, die Unliebsames verdrängt und daraufhin mal hysterisch und dann wieder kalkulierend reagiert. Sie versteht nicht, was sich abspielt, aber sie passt sich jeder neuen Umgebung an und lässt alles Vorangegangene bedenkenlos hinter sich. In wenigen Wochen vollzieht sich in ihr und an ihr die Zurichtung für die europäische Zivilisation.

Emily verlässt den Stand der Naturhaftigkeit und erlangt denjenigen der fortgeschrittenen Kultiviertheit – der Preis dafür sind die Toten, die hysterischen Anwandlungen und das tiefe Unwohlsein, das sich Schritt für Schritt vom Erzähler auf den Leser überträgt. Die gute Gesellschaft hat am Ende ein monströses Aussehen – und jeder Weg zurück ist verschlossen. Die Erinnerung an das, was vorher war, ist ausgelöscht, und das ferne Jamaica wird zur netten Anekdote, zu etwas, worüber kleine Mädchen plaudern, wenn sie sich interessant machen wollen. Das Fremde liegt von da an nicht mehr jenseits des Horizonts, sondern tief verkapselt im Inneren der Menschen.

Michael Schmitt

Kurzbeschreibung

Richard Hughes gelang in seinem Roman eine Darstellung kindlicher Grausamkeit und das Psychogramm eines zehnjährigen Mädchens, die bis heute nichts von ihrer beklemmenden Faszination eingebüßt haben. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen sieben Kinder englischer Plantagenbesitzer, die vor der Unbill der Natur von Jamaika nach England gebracht werden sollen. Ein verheerender Hurrikan war über die Insel gezogen, die Eltern stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin. Noch in der Karibik wird allerdings das Schiff, das die jungen Passagiere in die Heimat bringen soll, von Piraten gekapert. Ohne es zu wollen, sehen diese sich im Besitz der Kinder, die bald mehr und mehr Gewalt über ihre eher unbeholfenen denn blutrünstigen Kidnapper gewinnen...

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Abenteuer 18. Oktober 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem man beinahe die Temperatur eines Sturms spüren konnte. Die wilde Unabhängigkeit der Kinder, das Abenteuer ihrer Unbehaustheit, das ist eine literarische Kostbarkeit.
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