Sturmwelten" ist der fulminante Auftakt zu Christoph Hardebuschs neuer Fantasy-Trilogie ganz anderer Art. Auf faszinierende Weise verbindet der Autor in seinem Roman bekannte Elemente der Phantastik - Abenteur, Magie, Kämpfe, fremde Welten und Wesen ... - mit historischen und filmischen Vorbildern zu einem ganz eigenen Setting, das Kindheitsträume wieder aufleben lässt: einmal mit Piraten über die Weltmeere zu segeln!
Eine Vielzahl von Ländern und Kulturen, jede mit spezifischen Gepflogenheiten, von den Werten und Normen bis hin zum Sprachduktus, breiten sich vor dem Leser aus und lassen eine bunte, exotische Welt entstehen. Auf der einen Seite ist da Corbane, der mächtige Kontinent des Reiches, mit seinem alles dominierenden Reich Géronay, ein Ort der Kultur und der politischen Intrige; auf der anderen Seite liegt die Sturmwelt, bestehend aus vielen kleinen Inseln mitten im Weltmeer, perfekt für allerlei Abenteurer und Glücksritter - und für die bereits erwähnten Piraten!
Mehrere parallele Handlungsstränge geben Einblick in die verschiedenen Ecken der von Hardebusch erschaffenen Welt. Da gibt es zum einen den jungen Hiscadi Jaquento, der aus unbekannten Gründen aus seiner Heimat fliehen musste und nun versucht, in den Sturmwelten sein Glück zu finden. Anfangs eher wider Willen, schliesst er sich einer Truppe von Piraten an. Schnell findet er Freunde unter den freiheitsliebenden Männern und Frauen, doch sein Ehrgefühl und sein hitziges Temperament bescheren ihm auch einige rachsüchtige Feinde. Ein ganz anderes Leben führt die frisch gebackene Offizierin Roxane, die in der Thaynrischen Marine ihren Dienst zu erfüllen sucht, so gut es unter einem cholerischen Kapitän eben geht. Fachmännisch, aber nie langweilig oder gar belehrend schildert der Autor das Leben an Bord eines Segelschiffes. Der Kurs der beiden kreuzt sich, als ein mysteriöses dunkles Schiff mit noch mysteriöserer Ladung am Horizont auftaucht.
Auf der anderen Seite der Welt, fernab der Sturmwelten, in der Hauptstadt von Géronay, ist der hiscadische Dichter und Dramenschreiber Franigo dabei, sich einen Namen zu machen. Obwohl - oder vielleicht auch gerade weil - lange unklar bleibt, was Franigo mit den anderen Figuren der Geschichte verbindet und was sein Rolle in den Geschehnissen sein wird, schafft es besonders dieser Charakter zu faszinieren. Mit Figur des Franigo kann Christoph Hardebusch sein volles schreiberisches Können unter Beweis stellen. Wortgewandt und voll Witz sinniert der Schreiberling über literarische Formen und Inhalte und das Leben im Allgemeinen und illustriert dem Leser dabei das Leben im vorgeblich zivilisierten Géronay, fernab der Abenteuer, dem Säbelrasseln und Segelsetzen und dem grimmigen Überlebenskampf der anderen Charaktere.
Diesen Überlebenskampf haben vor allem die Sklaven Majagua und Sinao auszufechten. Unter der Knute eines übellaunigen Aufsehers versuchen sie, erneut Kontrolle über ihr Leben zu erringen, und das geht nur in Freiheit! Doch der Weg dahin ist gefährlich und endet nur allzu oft am Galgen. In der Verzweiflung und den unwürdigen Lebensbedingungen der Sklaven zeigt sich eine der düsteren Seiten der Sturmwelt. Lange nicht alles ist hier eitel Sonnenschein. Und das ist gut so. Denn es verleiht der imaginären Welt von Christoh Hardebusch eine Glaubwürdigkeit, die in manch anderem Fantasyroman fehlen mag.
Von der ersten bis zur letzten Seite ein überaus gelungener neuer Roman des Erfolgsautors! Man möchte gleich selbst in die Wanten klettern und die Segel setzen! Macht definitiv Lust auf mehr (Meer)!