von Richard Heinberg
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Unser ausgebrannter Planet: Von der Weisheit der Erde und der Torheit der Moderne von Thom Hartmann |
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In diesem Frühjahr ist in Deutschland und England ein Buch erschienen, das sich genau auf diese brüchige Ebene der Alltagswahrnehmung begibt und nach den schon sichtbaren Anzeichen eines Klimawandels fragt. Der junge englische Journalist Mark Lynas hat sich in den vergangenen drei Jahren auf die Suche nach den ersten Folgen des Klimawandels begeben, dabei fünf Kontinente bereist und mit unzähligen Menschen gesprochen.
Sein Buch ist eine gelungene Mischung aus Reiseerzählung und Wissenschaftsreport, leicht zu lesen, aber nicht leicht zu verdauen. Denn Lynas gelingt es, aus einzelnen, kleinen, für sich vielleicht unbedeutenden Beobachtungen ein Bild zu zeichnen, das wie eine Gewitterwolke wirkt, die schwarz und drohend am Himmel hängt - die Anzeichen, die Mark Lynas zusammengetragen hat, lassen kaum einen Zweifel: Der Klimawandel ist da. Und der junge Autor unterbreitet diese Erkenntnis nicht mit Zahlen und Statistiken, sondern schildert Beobachtungen, Erlebnisse, Menschen. Auf dieser Alltagsebene wird Abstraktes plötzlich konkret - und hierin ist Lynas Buch Emmerichs Film wahrscheinlich näher, als die offensichtliche Gegensätzlichkeit ihrer Ansätze vermuten lässt.
Und wie Emmerich ergreift auch Lynas Partei. Er war selbst Umweltaktivist und schrieb mehrere Jahre für die NGO-Seite oneworld.net. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es beispielsweise um die Klimapolitik der USA oder der Verweigererkoalition auf den Klimakonferenzen geht. Doch Lynas wägt Argumente und Belege, argumentiert und vermittelt gar nicht den Eindruck, dass er nur gelten ließe, was ins Korsett der eigenen Überzeugungen passt. Lynas ringt um Interpretation - und liefert nicht "Wahrheit" frei Haus. Lynas hat mit Menschen gesprochen, mit Wissenschaftlern und Politikern, aber auch mit ganz einfachen Menschen: Hirten in der Mongolei, Eskimos in Alaska, Fischern in Tuvalu oder dem alt gedienten Bootsführer, der sein Arbeitsleben auf den Füssen Yorkshires verbracht hat und sich sicher ist: "Die Überschwemmungen sind in letzter Zeit sehr viel schlimmer geworden". Der Grund ist für ihn klar: "Meines Erachtens haben wir entschieden mehr Regen."
Lynas berichtet von den Brennpunkte des Klimawandels: Von den Überschwemmungen in England, den Staubstürmen in China, den schwindenden Gletschern in den Anden, den Hurrikans in den USA. Die beeindruckendsten Reportagen hat er aber aus Alaska und aus der Südsee mitgebracht. Denn hier verdichten sich die Anzeichen zu annähernder Gewissheit. Sein Buch macht klar: Noch ist es nicht zu spät, aber es ist höchste Zeit zu handeln. (c) changeX Online-Magazin für Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der größte Teil der globalen Erwärmung während des vergangenen Jahrhunderts auf menschliche Aktivität zurückzuführen ist, insbesondere die durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas produzierten Treibhausgase ... Unsere Vorhersage für einen zukünftigen Klimawandel ist verheerend ... Wir erwarten allein für das 21. Jahrhundert eine Erwärmung von 1,5 bis 5,8 ° C. (Dr. Robert Watson, Vorsitzender des IPCC). Das Inter-Governmental Panel on Climate Change untersuchte im Auftrag der UNO unter Mitwirkung der weltweit führenden Klimatologen den Klimawandel. Seine Warnungen sind bislang ungehört verhallt.
Mark Lynas hat daher in den letzten zwei Jahren Weltgegenden besucht, in denen die Klimaveränderung bereits angekommen ist. Er hat mit den Menschen vor Ort gesprochen, um zu erfahren, was sich geändert hat und welche Konsequenzen das mit sich brachte.
Mark Lynas recherchierte in den USA, in der Mongolei und auf Pazifik-Inseln. Er hat mit den Inuit Alaskas gesprochen, die nur noch wenige Seehunde jagen können, weil das Eis immer früher aufbricht. Er hat Bauern der Anden Perus besucht, deren Wasserzufuhr aufgrund der Gletscherschmelze in den kommenden Jahrzehnten versiegen wird. Er hat die Tränen afghanischer Hirten erlebt, die sich zu Hunderttausenden um die Provinzstadt Herat scharen, weil ihre traditionellen Weidegründe austrocknen. Beobachtungen aus Mitteleuropa Stichworte: Jahrtausendflut, Jahrtausendsommer, Chaotisierung des Wetters ergänzen seine Reiseberichte in ferne Lande und verdeutlichen, dass wir nicht ausgespart bleiben von Negativfolgen.
Mark Lynas Reiseberichte fügen den Millionen von Klimadaten, den mehr oder minder abstrakt klingenden Warnungen etwas Entscheidendes hinzu: Erfahrungen mit menschlichen Tragödien, die die globale Erwärmung bereits mit sich bringt. Sie lassen uns ahnen, dass Klimawandel auch für Mitteleuropa mehr bringen wird als angenehmere Badetemperaturen.
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