Amerikanische Fantasy, die in Dresden spielt? Natürlich nicht! Die Hauptperson heißt nur so: „Harry Dresden“! Und womit verdient sich dieser ‚Harry Dresden’ seinen Lebensunterhalt? Nun, das steht in Chikago groß an seiner Bürotür:
HARRY DRESDEN – ZAUBERER
Finden verlorener Gegenstände. Parapsychologische Untersuchungen.
Konsultationen. Beratungen. Vernünftige Honorare.
Keine Liebestränke, verzauberte Geldbeutel, Feiern oder andere Veranstaltungen
So, damit ist das klargestellt. Harry Dresden ist ein ECHTER Zauberer. Auch in den *Gelben Seiten“ von Chikago ist er als einziger Zauberer aufgeführt. Allerdings ist seine Kundschaft eher dünn gesät. Wenigstens wird er ab und zu von der Polizei als Berater hinzugezogen, denn die Anzahl von Straftaten mit seltsamen Hintergründen ist am Steigen. Und irgendwie muss er ja seine Miete zahlen. Was er an jenem Mittag zu Gesicht bekommt, als ihn ein dringender Anruf zu einem Tatort ruft, hat aber mit seiner normalen Arbeit wenig zu tun: Zwei Leichen mit herausgerissenen Herzen!
Magie wurde hier eingesetzt, böse, schwarze Magie, das ist klar, aber die dazu benötigte Kraft übersteigt Dresdens Erfahrung. Ebenso das Zusammentreffen mit dem hiesigen Mafia-Boss, der gar nicht daran interessiert ist, dass Dresden sich um den Fall kümmert, und diese Ansicht mit viel Geld oder alternativ einem Baseball-Schläger untermauern will. Aber Harry Dresden hat seine Prinzipien, und wenn er einmal einen Auftrag angenommen hat, dann bleibt er dabei!
Und wie er an die Sache rangeht, das ist genau das, was man in so manchem modernen Fantasy-Roman vermisst. Dresden zieht auch mal, wenn nötig, seinen Zauberstab und bläst Türen auseinander. Er lässt Blitze regnen, wenn ihn ein Dämon angreift, und weiß mit Vampiren zu verhandeln. Er mixt Liebestränke, die echt funktionieren, wenn auch bei der falschen Person zum falschen Zeitpunkt, und er kann Feen eine Falle stellen. Nur mit der modernen Technik hat er es nicht so. Die pflegt regelmäßig ihren Dienst zu versagen, wenn er in die Nähe kommt …
In Summe hat man es hier also mit einer Art von schwarzem Detektiv-Krimi à la Raimond Chandler zu tun, der aber gewaltig aufgepeppt wurde, indem handfeste Hexenkunst darunter gemixt wurde. Die Reihe umfasst bisher sechs Romane, die thematisch aufeinander aufbauen. Das Buch ist als Ich-Erzählung geschrieben, der Leser wird also in Dresdens Gedanken eingeweiht, grübelt mit ihm, leidet mit ihm, und erlebt seine Triumphe mit. Der Stil ist leicht und angenehm zu lesen, auf Slang und Gossensprache wird verzichtet, denn Harry Dresden ist eigentlich ein Gentleman, auch wenn er es bei diesem Fall häufig mit nicht so angenehmen Menschen (und anderen Wesen) zu tun bekommt.
Das Buch ist ein Volltreffer, es ist nur ein Wunder, dass es so lange gedauert hat, bis sich ein Verlag in Deutschland die Rechte gesichert hat.