Sturmhöhe, Emily Brontes einziger Roman, stieß bei seiner Veröffentlichung im 19. Jahrhundert auf Begeisterung und Empörung. Ein Buch, daß mit den gängigen Konventionen des viktorianischen Romanes bricht, der düster, unheilschwanger und bedrückend daherkommt, noch dazu geschrieben von einer Frau? Damals eine Sensation, ist der Roman heute längst fester Bestandteil der Weltliteratur.
Wer hierbei an altbackene, verstaubte Schreibe denkt, liegt völlig daneben. In seiner Struktur ist der Roman überaus modern aufgebaut, zeitlich setzt die Geschichte kurz vor dem Ende ein, dann erfährt der Leser rückblickend durch die Erzählung damals beteiligter Mägde oder Diener mehr, und Stück für Stück setzen sich die Mosaiksteinchen zusammen zu einer langen, bewegenden Geschichte über das Haus in den "Wuthering Heights" und seinen Bewohnern. Besonders raffiniert sind die fortwährenden Wechsel der Erzählerperspektive, immer wieder unterbrochen durch Sprünge zurück in die Gegenwart - eine Technik, die ihrer Zeit weit voraus war.
Bronte gelingt es den Leser von der ersten Seite an in die Geschichte hineinzuziehen, wie in einem Sog wird man mitgerissen in all die dunklen Ereignisse vergangener Zeiten. Brontes Stil ist wortgewaltig, präzise, zuweilen schlicht wunderschön. Besonders hervorzuheben sind ihre Beschreibungen der Natur, der Moorlandschaften, der Wälder und der rauen Sturmhöhe. Was in anderen Büchern oft langweilt, ist hier ein wahres Lesevergnügen und wichtig für die düstere und schaurige Atmosphäre, die das gesamte Werk durchzieht.
Dreh- und Angelpunkt ist Heathcliff, ein Findling, der in einem fremden Haus Obdach findet und in seiner Kindheit vieles zu erdulden hat. Alle Misshandlungen und Demütigungen nimmt er stillschweigend hin, in seinem Inneren aber gedeihen erste böse Gedanken, Hass keimt auf. Erträglich ist ihm dieses Dasein nur aufgrund der Freundschaft zu Cathy, seiner Stiefschwester. Mit ihr streift er herum durchs Moor, sie hat immer ein offenes Ohr für ihn, wird schließlich zum Objekt seiner Begierde. Als auch sie sich von ihm abwendet, reißt Heathcliff aus, und soll erst Jahre später zurückkehren. Allein, er ist boshaft und finster geworden, und fortan schickt er sich an, sich und alle um sich herum in den Abgrund zu reißen.
Seine dämonische Präsenz durchzieht das ganze Werk, und auch die anderen Figuren sind oft alles andere als liebenswürdig. Schaurig und unheimlich ist die Welt mit der uns Bronte konfrontiert, vielseitig die Charaktere, die man liebt und hasst. Es wird zerstört, wird zugrunde gerichtet, wird gelitten. Mitunter scheint die Apokalypse nahe.
Wer bereit ist, sich hierauf einzulassen, den erwartet ein sehr intensives, sprachgewaltiges, atemberaubendes Stück Literatur. Brontes einziger Roman ist eine Offenbarung.