Die Kurzfassung: Lesen sie dieses Buch nicht! Vom Kauf ganz zu schweigen. Selbst der flüchtige Blick auf den Buchrücken in der Bibliothek ihres Vertrauens ist ein verschwendeter Moment, den sie bis ans Ende ihres Lebens bereuen werden.
Langfassung: Einer mein Literaturlehrer sagte dereinst, es gäbe keine schlechte Literatur. Doch muss ich entschuldigend hinzufügen: er hatte 'Sturm' damals noch nicht gelesen. Wolfgang Hohlbein hat seine besten Tage hinter sich. Das allein ist nicht weiter schlimm, aber mit 'Sturm' liefert er eines der gruseligsten Werke deutscher Literaturgeschichte ab. Gruselig nicht wegen der nichtexistenten Handlung, sondern weil man sich noch Jahre später fragt: 'Warum habe ich meine Zeit mit diesem Unsinnswerk vergeudet?'
Der Hauptcharakter ist gleichzeitig auch die unwichtigste Person in diesem knapp 700 Seiten schweren Ungetüm. Er stolpert mehr oder weniger durch die Geschichte und nimmt quasi keinerlei Einfluss auf deren Verlauf. Dabei verstrickt Wolfgang Hohlbein seine Figuren in eine Welt zwischen moderner Kriegsführung, brutalen Geheimdiensten und mystischen Mächten. In abgehackten Einzelhandlungen, die weder Anfang noch Ende haben, geschehen Dinge die sich der Leser bis zum Schluss (und darüber hinaus) nicht erklären kann.
Da man die Handlungsfetzen nur aus der Sicht des völlig passiven Hauptcharakters erfährt, fehlt jeglicher Spannungsbogen. Vielmehr fragt man sich warum in den unsinnigsten Situationen statt spannungstreibender Beschreibungen nur monotone und vor allem belanglose Dialoge eingefügt werden. Hohlbein konnte sich offenbar nicht entscheiden welchem Hintergrund er den Vorrang einräumen sollte: dem mystischen Afrika-Szenario oder den mühsamen technischen Erklärungsversuchen. So versuchte er beides und ist zweifach gescheitert.
Hin und wieder kalbt ein dünner Spross der Spannung, der aber sofort brüsk von der idiotisch agierenden Hauptfigur zertreten wird. Auch ich bin hin und her gerissen. Gebe ich dem Buch zwei Sterne für die wenigen gut ausgearbeiteten Passagen, die deutlich zeigen, was aus Sturm hätte werden können, wenn der Autor sich Zeit genommen hätte eine ordentliche Handlung zu konstruieren? Oder doch eher einen Stern, um die Bedeutungslosigkeit des Werkes zu verdeutlichen?!
Da mich 'Sturm' wie kein zweites Buch in meinem Leben traumatisiert hat, bleibe ich bei einem einzelnen Anstandsstern. Doch werde ich es meiner Schwester nicht nachtragen mir dieses unglaublich schwerfällige Stück Literatur geschenkt zu haben. Vielmehr weiß ich jetzt, dass auch weitaus fähigere und erfahrenere Autoren als ich mitunter Werke verfassen die eigentlich auf ewig unveröffentlicht hätten bleiben sollen.
Eines noch: Auf dem Einband findet sich eine Drei-Wort-Rezension der Zeitschrift TV Movie: 'Absoluter Gänsehaut-Thrill!' Ich weiß nicht was der entsprechende Kritiker da gelesen haben könnte, aber 'Sturm' war es definitiv nicht.