Die Lektüre dieses Werkes ließ sich mich wieder wundern, wie ein Mann wie Ernst Jünger zeitweise mit solch primitiven Ideologien wie dem National-
sozialsozialismus und dem Antisemitismus sympathisieren konnte.
Denn auch dieses Buch von ihm ist- wie alle anderen, die ich bisher gelesen habe- alles andere als primitiv, sondern setzt sich philosophisch mit den letzten Rätseln des Daseins und psychologisch mit den Tiefen des menschlichen Geistes und seinen verschiedenen Verkörperungen in unterschied-
lichen Charakteren auseinander.
Und beides in einer wunderschön reichen, farbenprächtigen Sprache, die in Metaphern aus der Tierwelt, der Anatomie und der Welt der Edelmetalle und -steine funkelt, leuchtet, schillert und hypnotisiert.
Erzählt wird vom jungen Leutnant Sturm, dessen Charakter und Vita viel Ähnlichkeit mit seinem Autor haben. So ist er auch literarisch ambitioniert.
Während er Dienst im Ersten Weltkrieg leistet, verbringt er seine Freizeit neben Umtrünken, Pfeiferauchen und gemütlichen Diskussionen mit seinen Freunden damit, jenen aus seinen Notizheften kurze Texte vorzulesen, welche sich mit dem Leben in den modernen Städten beschäftigen. Drei Stück finden sich davon, der letzte nicht vollständig, in der Erzählung. In den letzten beiden spielt die Sexualität eine große Rolle, allerdings in einer sehr geistvollen, nachdenklichen und von vielen Querverweisen bestimmten Weise, pornographisch werden sie nie.
Unterbrochen werden die Lesungen von zwei Angriffen, beim zweiten,dem auch eine kurze literarische Auseinandersetzung mit dem Kampf vorausgegangen war, verliert Sturm sein Leben.
Dies geschieht für mich etwas zu abrupt, außerdem ist mir der Zusammen-
hang zwischen den Texten im Text und den -wiedermal überaus faszinierend klar und detailiert (und auch sehr aufregend)- geschilderten Kampfszenen überwiegend unklar.
Ansonsten hat mich das Buch aber sehr begeistert.
P.S.: Es erstaunte mich übrigens zu lesen, dass EJ bei Veröffentlichung dieses reifen Werkes gerade mal 28 Jahre alt war.