Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Lektüre dieser hoch intelligenten und gallebitteren Satire aus der Feder des Regisseurs und Fernsehmoderators Michael Moore macht klar, wie sehr "Nine Eleven" -- da war das Manuskript schon fertig -- inzwischen den Blick auf die Verhältnisse in den USA verstellt hat. So ist etwa die fragwürdige Machtergreifung des bei den Präsidentenwahlen stimmenzahlmäßig unterlegenen Kandidaten der Republikaner kaum mehr Thema. Sehr wohl bei Michael Moore, der Bush Junior mit betont unfairen Schlägen unter die Gürtellinie als trotteligen Unsympathen und Ignoranten vorführt, der sich bereitwillig zum Hanswurst einer reanimierten Altfalken-Riege aus Ronald Reagans und Daddy Bushs Zeiten macht.
Wer sind diese feinen, patriotischen Säulen der Bush-Junta? Mit dieser Frage leitet der Autor sein Who's who der US-Regierung ein und fährt fort: "Sie repräsentieren die bescheidenen und selbstlosen Funktionäre der amerikanischen Wirtschaft. Ich habe sie aufgeführt, damit die Truppen der UNO und NATO sie leichter zusammentreiben können, wenn sie endlich kommen, um Ordnung und Demokratie wieder herzustellen."
Moore nimmt nicht nur die politischen Missstände im Land mit ätzendem Sarkasmus aufs Korn, sondern auch Rassismus, Wirtschaftskollaps, Umweltkrise, Arbeitslosigkeit, das marode Gesundheitssystem, den bedrohten Weltfrieden und so fort. Dabei zieht er derart lustvoll über dümmlich-naive Landsleute her und den American Way of Life durch den Kakao, dass es -- wenn auch nicht für jeden -- eine wahre Freude ist. Antiamerikanismus made in USA, ein ungewöhnlicher Brüller! --Roland Detsch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Stupid White Men von Michael Moore. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Manche behaupten, alles habe am Abend des 7. November 2000 begonnen, als Jeb Bush seinem Bruder George Junior ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk machte - den Staat Florida.
Für andere, denen zehn Jahre lang das Glück an der Börse hold war, kam der Wendepunkt, als der Dow Jones die schlimmsten Kursverluste der letzten 20 Jahre erlitt.
Für die meisten jedoch war der Spaß an jenem Abend zu Ende, als wir erfuhren, daß Pluto kein Planet ist und das Leben, wie wir es kannten, mit einem Mal so fern und befremdlich war wie der Ausdruck in den Augen des neuen "Präsidenten".
Doch im Grunde spielt es keine Rolle, welchen Augenblick man wählt, an dem alles vor unseren Augen zusammenbrach. Was zählt ist, daß wir als Amerikaner alle eines wissen: Die fetten Jahre sind vorbei. Das amerikanische Jahrhundert? Vorbei. Willkommen im Alptraum des 21. Jahrhunderts!
- - Ein Mann, den niemand gewählt hat, sitzt im Weißen Haus.
- - Kalifornien hat nicht genug Strom, um Saft auszupressen oder seine Todeskandidaten hinzurichten.
- - Wenn man ans andere Ende der Stadt will, ist es billiger, sich als FedEx-Paket aufzugeben, als selbst hinzufahren.
- - Rußland und China haben ein neues Bündnis geschlossen - nachdem wir gerade den letzten Atombunker demontiert haben.
- - Aus den Dot.com-Unternehmen sind Not.com-Unternehmen geworden, und der NASDAQ ist eine so sichere Geldanlage wie ein Pokerspiel in einem Hinterzimmer in Reno.
- - In den vergangenen zwei Jahren gab es die schlimmsten Entlassungswellen, seit die Reagan- Renaissance das Land verwüstet hat.
- - Man hat eine größere Chance, die Innenministerin von Florida Katherine Harris oder Tom DeLay zu treffen, den Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, als in Detroit an einem sonnigen Tag seinen Anschlußflug bei Northwest Airlines zu erwischen.
Was sagen Sie da? Sie wollen im "Kundendienst" mit einem richtigen Menschen sprechen? Ha Ha Ha!
Drücken Sie die vier und verabschieden Sie sich von allen Aufgaben für den Rest des Tages.
Ach, und was haben Sie doch für ein Glück! Sie haben zwei Jobs, und ihre Frau auch, und dann haben Sie noch den kleinen Jimmy, der bei McDonald's arbeitet, damit Sie sich das neue Haus in der baumbestandenen Straße mit den sauber gepflegten Rasenflächen und den properen weißen Holzzäunen leisten können. Schauen Sie doch, da springt Bello und begrüßt Opa, der gerade in die Einfahrt biegt! - und nächsten Monat werden Sie die letzte Rate von Ihrem Studienkredit abzahlen, aber dann ... PLÖTZLICH gibt Ihre Firma bekannt, daß sie nach Mexiko ziehen wird - ohne Sie! Der Arbeitgeber Ihrer Frau hat beschlossen, daß sie nicht mehr gebraucht wird, weil der neue Berater für "Humanressourcen" meint, ein Mitarbeiter könne leicht die Arbeit von drei erledigen, und der kleine Jimmy liegt mit einer unbekannten Krankheit darnieder, die er sich geholt hat, weil er etwas aus der McNugget-Friteuse gegessen hat, und Ihre Krankenversicherung erklärt, sie könne Jimmys Operation nicht bezahlen, aber sie werde ihn gerne ambulant behandeln lassen, wenn Sie bereit sind, zweimal in der Woche nach Tijuana zu fahren, weil dort direkt hinter der Grenze eine neue Klinik für ambulante Patienten gebaut wurde, der Freihandel macht's möglich, und durch den wurde vielleicht oder vielleicht auch nicht das Insekt eingeschleppt, das man in dem angebissenen McNugget von Jimmy gefunden hat - ach, und Entschuldigung, der Gerichtsvollzieher hat angerufen, Sie müssen Ihren neuen Toyota Celica zurückgeben, weil Sie eine Ratenzahlung vergessen haben! Hey, wenn Sie schon nach Tijuana fahren und Jimmy ins Krankenhaus bringen, könnten Sie auch gleich weiterfahren und bei Ihrer alten Firma nach Ihrem Job fragen, denn dort bekommen die ganzen "Teilhaber", wenn sie morgens um Fünf zur Arbeit kommen, gratis einen Burrito zum Frühstück und haben ein eigenes Klohäuschen.
Korrigieren Sie mich, wenn ich träume, aber sahen die Dinge noch vor etwa einem Jahr nicht viel besser aus? Sollten wir nicht die "größte wirtschaftliche Expansion in der Geschichte" erleben? Hatte die Regierung es nicht nach 55 Jahren geschafft, aus den roten Zahlen zu kommen und wies endlich einen Überschuß aus, der so hoch war, daß man damit jede Straße, Brücke und jeden Backenzahn in den USA sanieren könnte? Die Luft- und Gewässerverschmutzung hatte ihren tiefsten Stand seit Jahrzehnten erreicht, die Kriminalitätsrate war so niedrig wie nie zuvor, unerwünschte Schwangerschaften bei Teenagern gingen merklich zurück und mehr Jugendliche denn je erreichten einen Highschool- oder Collegeabschluß. Alte Menschen lebten länger, man konnte für 12 Cent die Minute mit Katmandu telefonieren, und das Internet brachte die Welt (abgesehen von den zwei Milliarden Menschen, die keinen Strom haben) näher zusammen. Palästinenser brachen mit Israelis das Brot, und die Katholiken in Nordirland tranken mit den Protestanten ein Bierchen. Ja, das Leben wurde immer besser - und wir alle spürten es. Die Leute waren freundlicher, Wildfremde auf der Straße sagten einem die Uhrzeit, und bei "Wer wird Millionär" wurden die Fragen einfacher gemacht, damit mehr Teilnehmer gewannen.
Und dann passierte es. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.