Unter der Oberfläche des scheinbar ruhig gewordenen, schwül-tropischen, kolumbianischen Bergdorfes, brodelt aufgestauter Haß und Mißgunst. Unter dem Regiment des einst mit Waffengewalt an die Macht gekommenen Bürgermeisters, der als Günstling des Regimes in das Dorf kam um es zu unterwerfen und es nun mit einer Polizeitruppe aus ehemaligen Verbrechern beherrscht, kriecht und siecht das Leben schwül und bedrückend in engen Bahnen vor sich hin.
Schmähschriften, die plötzlich allmorgendlich an immer mehr Türen der Bessergestellen angeschlagen vorgefunden werden, bringen zusehends Unruhe in die Gemeinde, künden diese doch von den moralischen Verfehlungen derer im Dorf, die ein gutes Auskommen haben. Auch wenn diese nur zu Papier bringen, was ohnehin geredet wird, steigt Besorgnis und Unruhe und es gibt schon bald einen Toten. Das immer lauter werdende Gerede stört den Gemeindepfarrer in seiner Scheinvorstellung einer moralisch vorbildlichen Gemeinde und mehr und mehr auch den Bürgermeister in der Ausübung seiner wohltätigen Geschäfte, die selbstredend letztendlich nur sein eigenes Wohlergehen im Augen haben. Das ganze Dorf scheint sich in den Strudel der Oberflächlichkeiten hineinziehen zu lassen, viele Familien verlassen gar das Dorf, während sich die wahre Tragödie immer deutlicher abzuzeichnen beginnt ....
Márquez entwirft in einer einfachen aber starken Sprache, ein vielschichtiges und geschickt verwobenes Bild der Korruption, des Machtmißbrauchs, der Unterdrückung, des Opportunismus und der Blindheit der Kirche.