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Stumme Gewalt: Nachdenken über die RAF
 
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Stumme Gewalt: Nachdenken über die RAF (Gebundene Ausgabe)

von Carolin Emcke (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 1 (6. Mai 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100170172
  • ISBN-13: 978-3100170170
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 335.158 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Es schafft einen ganz eigenen Raum um sich herum, dieses Schweigen, in den werden wir eingeschlossen: Täter und Opfer zugleich.
Die Stille verfestigt sich wie eine Eisschicht.
Darin eingefroren, vergeht die Zeit ohne uns.

In ihrem berührenden, so persönlichen wie politischen Text argumentiert Carolin Emcke dafür, endlich das eisige Schweigen zwischen Tätern und Opfern des RAF-Terrors zu brechen. Sie sucht nach einer anderen Form des Schreibens über die RAF und argumentiert für einen gesellschaftlichen Dialog jenseits der Konfrontation.
Carolin Emckes Buch ist ein moralisches Plädoyer gegen Gewalt und für ein historisch differenziertes Nachdenken über die RAF und die politischen und sozialen Fragen unserer Zeit.

Über den Autor

Carolin Emcke, geboren 1967, studierte Philosophie, Politik und Geschichte in London, Frankfurt und Harvard; seit 1998 Redakteurin beim "Spiegel" und als Auslandsredakteurin in vielen Krisengebieten unterwegs. 2003/2004 Visiting Lecturer für Politische Theorie an der Yale University; zahlreiche Veröffentlichungen. Carolin Emcke lebt in BerlinProf. Dr. Dr. h.c. mult. Winfried Hassemer ist Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts und Strafrechtslehrer an der Universität Frankfurt am Main.Wolfgang Kraushaar, Dr. phil., geboren 1948, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Universität Frankfurt am Main. Seit 1987 ist er Mitarbeiter im Bereich "Politik und Gesellschaft der alten und neuen Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ohne Rachegelüste, 4. August 2008
Carolin Emcke ist Journalistin und berichtet häufig aus Kriegsgebieten. In "Stumme Gewalt" schreibt sie über die Ermordung des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch die RAF 1989, mit dem sie eng befreundet war.

Sie empfindet die fehlende Möglichkeit einer Kommunikation mit den Tätern mit als das Schmerzhafteste. Der Essay stellt ihr Erleben dieses Verlustes eines Freundes dar und plädiert dafür, allen Tätern der RAF Amnestie zu gewähren, um ihnen so ein öffentliches Gespräch über ihre Taten zu ermöglichen. Nur so könne den Angehörigen der Opfer geholfen werden. Für die Täter wäre ein solches Gespräch zugleich Strafe und Erleichterung, da auch sie - wie jeder Mensch - einer Narration über ihr Leben bedürften, die ihnen bisher nicht möglich ist.

Anlass, nach 18 Jahren über dieses Thema zu schreiben, war, wie Emke in einem Interview sagte, die Diskussion über eine mögliche Begnadigung von Christian Klar und Birgit Hogefeld 2007. Dass in der öffentlichen Diskussion die Möglichkeit, dass die Täter sich inzwischen geändert haben könnten, nicht vorkam, habe sie als unsittlich empfunden. Das Buch enthält lauter Zweifel der Autorin, formuliert in zahlreichen Fragen. Ist es richtig, sich zu diesem politischen Thema als Betroffene zu äußern, könnte ein Gespräch mit den Tätern tatsächlich zustande kommen, würde es von den Medien demagogisch verzerrt, was, wenn dann Informationen bekannt würden, die uns sehr verstören würden? Die Beweggründe der RAF, die Geschichte ihrer Taten und ihrer vielfach misslungenen Aufklärung, die öffentliche Diskussion und der heutige Verbleib der Täter werden reflektiert. In zwei Nachworten lotet zum einen der ehemalige Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts Winfried Hassemer die Realisierungsmöglichkeiten des vorgeschlagenen Gesprächs-"Forums für Aufklärung" aus und sieht hier durchaus Chancen, und der Politologe Wolfgang Kraushaar rekapituliert die bisherige Aufklärungsarbeit und das heutige Verhalten damaliger RAF-Mitglieder. Er ist skeptischer.

Das Thema des Buchs geht eigentlich über die RAF hinaus. In allgemeinerem Sinne geht es um die Lehren, die aus dem Nationalsozialismus zu ziehen sind, um die Legitimität von Widerstand und das Wesen des Politischen, um die Möglichkeit zum Umgang mit Konflikten und terroristischen Bedrohungen, den "Fetisch" Sicherheit, den Sinn oder Unsinn von Strafe und Rache. Der Autorin geht es darum, die Entstehungsgründe kultureller, ästhetischer oder wirtschaftlicher Konflikte zu erfragen, statt sie unter vordergründigen Erklärung wie z.B. Religionsunterschieden zuzudecken.

Das Buch liest sich an einem Tag und ist überaus spannend und lehrreich.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Widersprüche, 8. August 2008
Caroline Emcke, Journalistin und Patenkind von Alfred Herrhausen, setzt sich in "Stumme Gewalt" für Straffreiheit der RAF-Täter ein. Im Gegenzug sollen sie zur Aufklärung der Taten bereit sein. Sie begründet dies mit dem anhaltenden Leid der Opfer.

Wer Gewalt verbreite, so die Grundprämisse des Buches, müsse sich erklären. Andreas Platthaus, der die Autorin dazu befragt hat, springt ihr in der FAZ vom 31. Mai 2008 bei, indem er eine Pflicht derjenigen sieht, "die das Schicksal anderer in ihre eigene Hand nehmen [...], Rechenschaft über die Folgen ihrer Taten abzulegen - sei es als General, als Politiker, als Terrorist."

Abgesehen von der gewagten Nebeneinanderstellung dieser Gesellschaftsgruppen ist das Argument grundsätzlich falsch oder, wie es eleganter in der englischen Debattenkultur hieße, "the argument is flawed."

Der Staat, der zum Schutz seiner Bürger das Gewaltmonopol beansprucht, worauf auch Winfried Hassemer in dem ausgezeichneten Kommentar im Anhang des Buches hinweist, muß sich nicht erklären. Gerichte begründen ihre Urteile. Sie tun es, damit andere die Plausibilität nachvollziehen können. Kein Richter, der den Gesetzen folgt, muß sich rechtfertigen und würde er ihnen nicht folgen, gäbe es nichts zu rechtfertigen.

Auch kein Politiker, der als Parlamentarier nur seinem Gewissen verpflichtet ist, muß Rechenschaft ablegen. Es wäre höchst undemokratisch, wenn er sich nach einem Gesetzesakt, und seien es die unseeligen Notstandsgesetze, einem jakobinischen Tribunal stellen müßte: "Bürger Abgeordneter, wie hast Du gestimmt und warum?"

Strafverfolgungsorgane arbeiten weisungsgebunden in dem rechtlichen Rahmen, den ihnen die Exekutive bietet. Dank der Gewaltenteilung agieren sie unter den kritischen Augen von Justiz und Parlament, denen sie Rede und Antwort stehen müssen, wenn gefordert. Zugleich sind sie - etwa durch das Dienstrecht - vor willkürlicher Einflußnahme von außen geschützt. In der Öffentlichkeit müssen sie sich für ihr Handeln nicht rechtfertigen, dürfen sogar anonym bleiben, zumal aus ermittlungstaktischen Gründen nicht immer alles sofort umfassend offengelegt werden kann.

Wenn im Fall der späten RAF-Taten mangelnder Aufklärungserfolg festzustellen ist, was man nach 20 Jahren wohl behaupten darf und was Wolfgang Kraushaar in dem zweiten sehr guten Kommentar des Buches dokumentiert, müssen dies parlamentarische Kontrollgremien und zuständige Ministerien des Bundes und der Länder hinter verschlossenen Türen beraten und verbleibende Optionen prüfen, ggf. personelle Konsequenzen ziehen. Dies gilt auch für die Geheimdienste. Nichts davon eignet sich für den von Frau Emcke geforderten öffentlichen Diskurs, die Debatte, das Forum.

Eher abwegig ist die im Buch geförderte Assoziation mit den Wahrheitskommissionen, die nach dem Sturz einer Diktatur oft eingerichtet werden. Hassemer stellt klar, die RAF-Täter waren keine einen Unrechtsstaat stützenden Mauerschützen, sie wollten das "Schweinesystem" kippen. Ihre Gleichstellung mit allen anderen Kriminellen ist essentieller Teil der Aufarbeitung der Vergangenheit.

Dies führt zuletzt hin zum Täter, der sich erst recht nicht offenbaren muß, denn ihm steht als Angeklagter in fortgeschrittenen Rechtssystemen ein Zeugnisverweigerungsrecht zu. Daneben hat er einen Anspruch auf rechtliches Gehör, einen fairen Prozess, es gilt für ihn, wie alle Angeklagten, zunächst die Unschuldsvermutung. Im übrigen haben die Täter bereits sehr laut gesprochen. Claudius Seidl sagt es in der FAS am 18. Mai in seiner Besprechung der Buches am deutlichsten unter Bezug auf "das Gewäsch des Peter-Jürgen Boock und das Gestammel des Christian Klar". Wörtlich: "Was die Täter uns zu sagen hatten, das haben sie gesagt. Mit ihren Waffen. Der Rest war immer Geschwätz."

Somit stehen die Opfer mit der Trauer und dem verzweifelten "Warum?" ziemlich alleine da. Zumal unser Strafrecht - außer der Zulassung der Opfer als Nebenkläger - diese neutralisiert, wie Hassemer es auf S. 161 ausdrückt, und den Staat als ihre Interessenvertreter einsetzt. Dieser Grundsatz gilt ungeachtet des Trends, die Perspektive der Opfer stärker ins Strafrecht aufzunehmen, Stichwort Täter-Opfer-Ausgleich. Davon wiederum völlig getrennt steht das Instrument des Gnadenerweises.

Angesichts der Sinnlosigkeit und Brutalität der Taten der RAF kann aber die Forderung nach einem, wenn nicht schon Aufeinanderzugehen, dann wenigstens Einanderanhören, wie Emcke es fordert, für die Hinterbliebenen verletzend wirken. Platthaus geht darauf ein, verwirft jedoch sogleich die von ihm selbst vorgebrachte Frage, ob denn das Buch nicht vielleicht anmaßend sei, mit dem Hinweis, die Autorin wolle es als ein sehr persönliches, letztendlich utopisches und mit den Hinterbliebenen abgestimmtes Bekenntnis verstanden sehen.

Wo es von der persönlichen Erfahrung mit Alfred Herrhausen und seiner Familie berichtet, ist es berührend und in Teilen geradezu lyrisch. Andererseits liefert es keine neuen recherchierten Erkenntnisse über das hinaus, was man schon aus der Herrhausen-Biographie von Andreas Platthaus und von Andres Veiels "Black Box BRD" kennt. Das war wohl auch nicht das Anliegen, dafür enthält es zu viele Fragen und zu wenige Antworten.

Trotzdem versucht es sich an sozio-philosophische Analytik und wird in diesen Passagen schwer verdaulich. So schreibt Emcke über unsere Wut und unseren Zorn, die wir angeblich der eigenen Schwäche verdanken: "Vor lauter Angst vor der Schutzlosigkeit, die jene offenbart haben, inszenieren wir eine Stärke, deren Mangel erst die Wurzel des Zorns ist." Da fragt man sich als ratloser Leser dann doch, ob es nicht einfacher geht. Ob wir z. B. angesichts der prinzipiellen Schutzlosigkeit vor blindem Terror (den jene verursachen und nicht nur offenbaren) nicht lieber mit Stärke allen Ideologen zornig entgegenzutreten sollten, die junge Täter zu sinnloser Gewalt verführen wollen.

Insofern ist das Buch auch etwas vergangenheitslastig. Ein einziger Anschlag wie der vom 11. März 2004 auf die U-Bahnstation in Madrid mit 191 Toten und 1700 Verletzten stellt alles in den Schatten, was wir in Deutschland mit der RAF erlebt haben, ohne das eine mit dem anderen buchhalterisch aufrechnen zu wollen. Nur, solange die genauen Hintergründe der späten RAF-Taten nicht aufgeklärt sind, wäre momentan,
vielleicht nicht gerade zu Landtagswahlkampfzeiten, eine Auseinandersetzung mit der skrupellosen Gewaltbereitschaft einiger gesellschaftlicher Gruppen der zukunftsgerichtete Teil des Diskurses zur Gewalt. Das wäre die konstruktive Alternative zur abstrakten Dialogforderung des Buches. Dieser Dialog wäre nicht post mortem, käme nicht um den zu hohen Preis einer Amnestie und hätte bekannte Adressaten, anders als das Buch, das Carolin Emcke selbst als "Flaschenpost" bezeichnet.

Fazit: Christian Geyer nennt das Buch in der FAZ vom 9. Mai 2008 "das wohl intelligenteste Buch, das je über die RAF geschrieben wurde," und im selben Satz zugleich das "unerträglichste". Ein Buch, das mit seinen Widersprüchen zum Nachdenken (nicht nur über die RAF) anregt.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wichtiges Signal hin zu mehr Frieden, 5. Juni 2008
Die Wogen über den Artikel "Stumme Gewalt" von Carolon Emcke waren hoch, denn es geht Frau Emcke ja um eine Amnestie für die RAF-Mördern
Was ist das Ziel dieses Gnadenaktes?
Es soll endlich ein Gespräch möglich werden zwischen den Tätern, den ins Elend, in die Trauer und Unsicherheit geworfenen Menschen, weil sie einen wichtigen Lebensgefährten verloren haben, und den von dem Attentat mittelbar betroffenen Menschen, d.h. u.a. Kriminalbeamte.
Dahinter steht die fest Hoffnung, das Reden über schwere Verletzungen Linderung bringt und weiterhilft. Der Mensch ist ein kommunikatives Wesen. Und solche Gespräche wohnt ein Moment der Verfriedlichung und Zivilisierung inne.
Das kann auch in anderen Bereichen gültig gewinnen und zeitigt sie auch schon.
Dieses Wort ist absolut empfehlenswert. Es gibt nichts schlimmeres, als nicht darüber zu reden. Unter dieser "stumme Gewalt" haben die Betroffenen zu leiden. Diese Stummheit muß durchbrochen werden!
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Vor 6 Monaten von Heide Blay veröffentlicht

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