"Studio Tan" übersetzt man am besten mit "Studiobräune", allerdings ist es kaum zu empfehlen, diese Platte im Bräunungscenter um die Ecke zur Schaffung einer behaglichen Kundenathmosphäre aufzulegen, ein dauerhaftes Ausbleiben der Kundschaft könnte die Folge sein, und denjenigen, die dann doch bleiben, sollte man vielleicht eher mit Vorsicht begegnen... Aber im Ernst, ich halte dieses Album für eines von Zappa`s besten überhaupt. Aufgenommen wurde es um 1973 mit Mitgliedern von Zappa`s damaliger Band (z.B. George Duke an den Keyboards) und enthält vier Stücke, in denen Zappa seine Kunst der Collagenartigen Verschachtelung und ironischen Spitzzüngigkeit zur absoluten Perfektion gebracht hat. Nebenbei scheint es, als habe er niemals zuvor so viel Können aus seinen Musikern herausgekitzelt wie hier. Die Platte explodiert förmlich vor Ideen und Kabinettstückchen, und das ohne dabei langweilig oder aufgesetzt zu wirken. Was bei späteren Projekten gequält und kalkuliert klingt, entspringt hier der reinen Spielfreude. Oder einem gesunden Durchgeknalltsein, je nach Standpunkt. Das längste Stück, "Greggary Peccary" betitelt, ist eine musikalisch knallig illustrierte Erzählung über einen jungen, aufstrebenden Intellektuellen, der in einem Trendforschungsinstitut arbeitet und eines Tages den Kalender erfindet, was ihm einige Zeitgenossen arg übel nehmen, da sie sich ja jetzt ihrer eigenen Vergänglichkeit bewußt werden - im dem Jugendwahn verfallenen Amerika eine Todsünde! Seitenhiebe auf den Jugendwahn gibt es auch in der Surf-Song-Parodie "Lemme Take You To The Beach", die sich wie mit 78 Umdrehungen abgespielt anhört. Die beiden letzten Stücke sind hervorragende Instrumentalnummern, die teilweise schon in den Sechzigern geschrieben und auf Jean-Luc Ponty's LP "King Kong" (1970) erstmals zu hören waren, aber noch einmal völlig anders arrangiert und neu eingespielt wurden, und die zeigen, mit welcher Ernsthaftigkeit und zugleich mit welch warmherzigem Humor Zappa in seiner musikalischen Welt gelebt hat. Klanglich war die alte Vinylausgabe überragend, die heutige CD ist immerhin so gut wie eine CD eben sein kann ! Bleibt noch der Hinweis auf das exquisite Cover von Gary Panter, das die Stimmung der Platte kongenial wiedergibt. Nicht unbedingt partytauglich, aber ein absoluter Genuß für Freunde von wirklich ausgefallener Popmusik!