Annika Bengtzon, Praktikantin bei einer Tageszeitung, berichtet und recherchiert über einen Mord an einer jungen Frau. Wegen einiger Fehler und Versäumnisse, die ihr bei den Artikeln unterlaufen, wird sie zunächst nicht fest angestellt. Des Mordes verdächtig ist der Außenhandelsminister, aber Annikas Recherchen ergeben etwas anderes.
Dafür, dass das Buch ein Krimi ist, spricht eigentlich nur der Leichenfund am Anfang. Bis zum Ende des Romans ist aber mein Interesse, wer der Mörder ist, ob und wie er gefasst wird, längst verflogen. Der Inhalt handelt nämlich mehr von Annikas Privatleben und ihren Befindlichkeiten als von Ermittlungsarbeit. Trotzdem fragt man sich, wer Annika ist: Ein dummes kindisches Gör, das zu nah am Wasser gebaut hat, oder eine starke selbstbewußte Frau, die allen Nackenschlägen zum Trotz versucht, ihren Weg zu gehen? Dabei ist auch keine Entwicklung festzustellen, denn beiden Charakterzüge ziehen sich von Anfang bis Ende konsequent durch.
Die Autorin, selbst Journalistin, kennt sich im Metier aus, glaubt man. Also frage ich mich: Ist es bei schwedischen Zeitungen üblich, dass eine Anfängerin, die nicht mal fest angestellt ist, allein eine Sache bearbeitet und Artikel schreibt, die von keinem Redakteur gegengelesen werden? Ist es üblich, dass mehrere Leute derselben Geschichte nachgehen ohne dass in einer Konferenz die Zuständigkeiten abgegrenzt und verteilt werden?
Die beiden politisch brisanten Themen wir Korruption und Gewalt gegen Frauen sind so lauwarm angehandelt, dass sie nicht empören können. Dafür ist auf der andern Seite das Töten eines Tieres aufs Widerwärtigste beschrieben.