Die Verheißung des Buches klingt verlockend, doch man hätte es vorher ahnen müssen: Es ist eine Illusion, dass ein einziger Studienführer alle Fachrichtungen in einem handlichen Format angemessen abdecken und den Leser in seiner Wahl wirklich beraten kann. Zumindest die Hoffnung auf einen guten, mit etwas unbekanntem Insiderwissen garnierten Überblick war allerdings realistisch, doch auch sie wird nur teilweise gehalten.
Problem 1: "Studieren, aber was?" kann sich zwar damit schmücken, alle relevanten Studiengebiete in den Ratgeber mit einbezogen zu haben, doch für jede Fachrichtung bleibt lediglich ein diffuser, sehr allgemeiner Überblick übrig, der vielleicht eine grobe Vorstellung davon vermittelt, was den Studenten in Spe später erwartet, aber kaum eine ernsthafte Entscheidungshilfe bietet. Das liegt an der verständlicherweise fehlenden Individualität dieser Print-Beratung - allgemeine Binsenweisheiten a lá "Wer in Mathe, Latein und Deutsch gut war, der ist bei Jura gut aufgehoben" sind für den Einzelnen schlicht und ergreifend unbrauchbar.
Problem 2: Wieder ein Kritikpunkt, der in der Natur der Sache begründet ist: Bücher sind generell mit dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung bereits veraltet - doch diesen Nachteil bekommt man bei einem Studienratgeber doppelt zu spüren. Die Autoren wollen zwar Berufsperspektiven aufzeigen, doch die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben die im Buch geäußerten Prognosen bereits wieder über den Haufen geworfen. Und für Studenten wirklich wichtige Kriterien, wie die Berücksichtigung des Numerus Clausus, können aufgrund der jährlichen Schwankungen überhaupt nicht mit einbezogen werden -hier ist das Internet als schnelleres Medium klar im Vorteil.
Problem 3: Auch Studienberater, so könnte man meinen, sind nicht an jedem Fach gleichermaßen interessiert und können nicht über alle Studiengänge mit echtem Insiderwissen informieren - das merkt man diversen Passagen des Buches auch an. Oft werden Infos aus zweiter Hand weitergegeben, oder einfach ein paar recherchierte Zahlen aufgeführt, die zwar im Einzelfall hilfreich sein können, aber lediglich theoretischer Natur sind und subjektive Berichte aus dem praktischen Alltag nicht ersetzen können. Dieses Manko fällt besonders dann auf, wenn man sich selber über die ein oder andere Studienrichtung informiert hat. Dann kann einem der Ratgeber nichts neues erzählen oder - noch schlimmer - es fällt auf, dass ein eigentlich falsches Bild von dem jeweiligen Studium/Beruf gezeichnet wird. Das ist dann nicht mehr nur unnütz, sondern sogar gefährlich. Und da fast jeder, der über ein Studium nachdenkt, wenigstens einen groben Studienbereich vor Augen hat bzw. "nur" noch die Wahl zwischen einigen Studiengängen treffen muss, greift der Ansatz des Buches, sich nur auf Basis-Vorwissen zu beschränken, zu kurz.
Einige der genannten Kritikpunkte beziehen sich weniger auf das vorliegende Werk "Studieren, aber was?", sondern eher auf die Gattung des Studienratgebers als solche, da diese gewisse Anforderungen an Aktualität, Umfang und Detailtiefe einfach nicht erfüllen kann. Insofern ist eine nach unten korrigierte Erwartungshaltung allgemein an Studienratgeber in Buchform vielleicht hilfreich. Trotzdem bleibt der Eindruck zurück, dass "Studieren, aber wo?" die selbst gemachten Versprechen nicht halten kann und im besten Fall eher selbstverständliches Wissen übersichtlich zusammenstellt. Eine finale Entscheidungshilfe ist das Buch also nicht, eher ein kompakter Einstieg in den Findungsprozess - und da eignen sich andere Methoden wie der Besuch einer Vorlesung oder Erfahrungsberichte von Studenten und Berufstätigen aus dem jeweiligen Fachgebiet besser.