Sehr selbständige, spontane und supergescheite Studenten werden meine Fünfsternebewertung nicht verstehen, was aber deshalb von geringer Bedeutung ist, weil dieses Buch auch nicht für sie verfasst wurde. Allerdings machte ich zumindest beim Thema professionelles Bewerben die Erfahrung, dass sich viele Akademiker überschätzen. Wer je damit konfrontiert war, eine gut bezahlte öffentliche Stelle zu besetzen, wird mir wohl zustimmen. Kommt hinzu, dass es nicht so einfach ist, im Informationsschuppen Internet die Spreu vom Weizen zu trennen. Viele Blogger verallgemeinern persönliche Erfahrungen und haben allzu viel Freude am Predigerstatus. Verena Wolff hingegen gelingt der Spagat zwischen der Aufarbeitung eigener Erlebnisse und seriöser journalistischer Arbeit. Ohne dies groß zu betonen, geht sie allerdings davon aus, dass es Menschen des Informationszeitalters wagen, bereits Bekanntes zu überlesen und ein Sachbuch selektiv zu lesen. Wer das jedoch nicht kann und will, wird sich über Passagen ärgern, die für ihn Selbstverständlichkeiten enthalten, Gemeinplätze neu ordnen und nach Infobroschüren staatlicher Beratungsstellen duften. Ärgern werden sich auch Leser, die außerhalb Deutschlands wohnen, weil diese mit BaföG und weiteren Kürzeln nichts anfangen können. Mit anderen Worten, Studenten aus der Schweiz und Österreich müssen sich andere Ratgeber zu diesem Thema suchen.
Verena Wolff besuchte selber in Mississauga (Ontario) eine High Schoo und studierte in Washington sowie Hamburg Amerikanistik, Journalistik und Politikwissenschaft. Sie weiß daher nicht nur, wovon sie spricht, sondern kennt auch die Regeln der Informationsaufarbeitung. Da letzter Punkt beileibe nicht bei allen Internetschreibern gegeben ist, unterscheidet sich dieses Buch wohltuend von vielen Foren. Der Leser profitiert von der Ordnung, die Verena Wolff in den Datendschungel bringt und erspart sich so viel Eigenarbeit. Das wird er gleich auf den ersten zwanzig Seiten merken, auf denen unter der Überschrift "Vorbereitung" Wesentliches zu den Tätigkeiten informieren, sondieren, finanzieren, organisieren, arrangieren und studieren gesagt wird. Danach werden die Besonderheiten der vorgestellten Zielländer beschrieben. Das sind: Großbritannien und Nordirland, Republik Irland, Kanada, Vereinigte Staaten von Amerika, Australien, Neuseeland und Hongkong. Zum Schluss folgt noch ein Anhang mit nützlichen Adressen zu Auslands-BaföG und Stiftungen sowie ein Glossar.
Mein Fazit: Angesichts der Gesamtinvestition, die ein Studienaufenthalt im Ausland nach sich zieht, sind die 15 Euro selbst dann vertretbar, wenn man nur einen einzigen nützlichen Tipps mit auf den Weg bekommt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es mehr sein werden, ist ungemein groß. Daher fünf Sterne.