Diese Doppelbiografie über Hans und Hans-Joachim Stuck zählt zweifellos zu den lesenswertesten Motorsportbüchern der letzten Zeit. Eckhard Schimpf, früher selbst sowohl als Rennfahrer als auch im Bereich des Sponsorings und des Managements im Automobilsport aktiv gewesen, schöpft hier aus dem Vollen: Als junger Mensch hatte er die Bekanntschaft Hans Stucks gemacht und mit diesem Idol der 1930er Jahre zahlreiche Gespräche geführt. Mit dem Sohn, Hans-Jochaim Stuck - genannt "Strietzel" -, verbindet ihn ebenfalls ein guter Kontakt, und dessen Karriere verfolgte der Autor von den Anfängen bis heute aus der Nähe mit. Die Auswertung unzähliger eigener Aufzeichnungen und Gesprächsnotizen sowie mehrerer Motorsportarchive führte zu diesem Buch.
Nach einem Vorwort von Ferdinand Piech und dem einführenden Kapitel über das heutige Leben Hans-Joachim Stucks widmet sich der erste Teil des Buchs der Karriere des Vaters, der im Motorsport zwischen 1926 und 1939 eine tragende Rolle in Deutschland spielte. Schimpf beschränkt sich nicht auf die Beschreibung der Rennfahrerlaufbahn, sondern geht auch bis in hochinteressante Details auf das persönliche, gesellschaftliche und politische Umfeld Stucks ein. Die enge Verbindung zu Ferdinand Porsche - die viel später quasi ihre Fortsetzung in dem Kontakt Hans-Joachim Stucks zu Ferdinand Piech fand -, die Stellung in der Rennmannschaft der Auto-Union und die Haltung Stucks zu den nationalsozialistischen Machthabern werden - belegt durch Zitate und Archivquellen - dokumentiert. Stucks raffinierte Einflussnahme auf die politischen Kräfte zu eigenen Zwecken beschreibt der Autor engagiert, aber immer mit wohltuend kritischer Distanz. Ebenso zollt er dem geradlinigen tapferen Eintreten Hans Stucks für seine zweite Ehefrau in den schweren Zeiten des Nationalsozialismus' hohen Respekt, wie er auch den manchmal schwierigen - für einen Rennfahrer bezeichnend - auf sich selbst bezogenen Charakter würdigt. In der Beschreibung der Rennfahrerlaufbahn verdienen das besonders erfolgreiche Jahr 1934, die unzähligen Siege bei Bergrennen - nicht ohne Grund trug Stuck den Namen "der Bergkönig" - und die bemerkenswert siegreichen Einsätze für BMW in der Nachkriegszeit hervorgehoben zu werden. Insgesamt errang Hans Stuck bei rund 290 Rennen 145 Siege und elf Meisterschaften.
Liest sich diese erste Hälfte des Buchs auch aus zeitgeschichtlichem Interesse überaus flüssig und spannend, so nimmt die aus eigenem Erfahrungsschatz des Autors gezogene inhaltliche Dichte in der Darstellung des Lebenswegs von Hans-Joachim Stuck nochmals zu. Schimpf schildert den Werdegang des "Strietzel" - so wurde Stuck genannt, weil er nach Auffassung seiner Taufpatin als Baby aussah wie ein schlesischer Hefezopf - von den ersten Tourenwagenrennen im BMW bis zu seinen heutigen Aufgaben als Motorsportrepräsentant des VW-Konzerns. Dazwischen liegen rund 680 (!) Rennen, 145 Siege, sechs Meisterschaften - in den Tourenwagen von BMW, Ford, Audi und Opel, in den Formel 2-Wagen von March, mit denen er sich wegen seiner zahlreichen Siege auf der badischen Rennstrecke den Titel "König von Hockenheim" erwarb, in den überaus erfolgreichen Sportwagen von Porsche, mit denen er 1985 Sportwagen-Weltmeister wurde. Nur in der Formel 1 blieben mit meistens nicht konkurrenzfähigen Wagen die erhofften Erfolge aus. Neben dieser erfüllten Karriere wird auch das Privatleben Hans-Joachim Stucks beleuchtet, seine drei Ehen, seine launigen Späße, die insbesondere im Zusammenwirken mit Leopold von Bayern und Dieter Quester manchmal grenzwertig waren, ihn aber auch über seinen Rennfahrerruhm hinaus zum Publikumsliebling machten. Im Rahmen der pointierten Darstellung des familiären Umfelds geht der Autor auch auf die dritte Rennfahrergeneration der Stucks ein, die Söhne Johannes und Ferdinand, die inzwischen beide ebenfalls ambitioniert Motorsport betreiben.
Den Abschluss des Bandes bildet ein Anhang mit der Auflistung der von Hans und Hans-Joachim Stuck bestrittenen Rennen, wobei diese Aufzählung beim bis heute aktiven "Strietzel" Stuck - zum Glück - noch kein Ende gefunden hat. Das auf hochwertigem, matt glänzenden Papier hergestellte Buch ist mit rund 210 Fotos gut und reichhaltig illustriert. Der erste Abschnitt über den "alten" Stuck enthält beeindruckende Schwarzweißfotos aus mehreren Archiven, der zweite Teil zu Hans-Joachim Stuck begeistert mit den überwiegend farbigen Bildern von Ferdi und Bodo Kräling, die nicht ohne Grund zu den besten europäischen Motorsportfotografen zählen. Zu beiden "Generationen Stuck" haben nicht nur bestechende Rennaufnahmen, sondern auch Ablichtungen aus dem privaten Bereich dieser in jeder Hinsicht großen Rennfahrer Eingang gefunden. Das ist ein Buch, das jedem Motorsportenthusiasten ohne Einschränkung empfohlen werden kann.