Eines voweg: Ich halte Pigotts Weinführer für einen übersichtlich gestalteten, informativen und manchmal auch amüsanten Reisebegleiter zu den verschiedensten Weinen, die auf unserem Globus wachsen. Wobei hinzugefügt werden muss, dass dieses Büchlein mit seinen 192 Seiten im Westentaschenformat weit davon entfernt ist, einen repräsentativen Überblick über alle Erzeugnisse des "Planeten Wein" zu bieten. Das aber lag erkennbar nicht in der Absicht des Verfassers. Seine Auswahl ist ebenso subjektiv wie ehrlich, und wer Sehnsucht nach dickleibigen Weinführern verspürt, die penibel alle Weine einer Region auflisten, sollte lieber zu diesen greifen. Pigott hingegen setzt guten Gewissens eine Reihe von Schwerpunkten: Bei den edelsüßen Weißweinen gilt seine Vorliebe den Rieslingen von Rhein und Mosel, während zum Beispiel die großen Chenin-blanc-Gewächse der Loire ziemlich stiefmütterlich behandelt werden. Das gleiche gilt auch für die geheime Sauternes-Konkurrenz aus Monbazillac - sie wird mit keiner Silbe erwähnt.
Da Pigott daran gelegen ist, Weine zu empfehlen statt in Grund und Boden zu stampfen, werden gut 98 Prozent der knapp und treffend besprochenen Tropfen durchweg positiv bewertet, darunter auch einige "Schnäppchen" im Preissegment zwischen drei und fünf Euro. Natürlich handelt es sich dabei um keine Weltklasseweine, aber immerhin um Abfüllungen, deren Genuß ungetrübte Freude verspricht. Das Preisspektrum der vorgestellten Weine reicht von saubillig bis schweineteuer, und man kann ohne Übertreibung behaupten, dass für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas dabei ist. Und das Schönste: Selbst ausgewiesene Weinliebhaber werden für den einen oder anderen Tipp dankbar sein und Rebensäfte entdecken, die ihnen bisher entgangen sind.
Kritische Anmerkungen finden sich nahezu auschließlich bei den Weinen über fünfzig Euro. Es ist ein offenes Geheimnis, dass manche klassifizierten Chauteaux des Bordelais in ihrer Qualität großen Schwankungen unterliegen. Hier bietet Pigott eine wesentliche Hilfe, da er neben den überragenden und sehr guten Jahrgängen eines Chateau auch die eher mäßigen aufführt. Eine generelle Verdammung kann ich hier beim besten Willen nicht entdecken, sondern eher eine praktische Unterstützung beim Weinkauf. Stichwort Weinkauf: Eine Adressenliste mit 42 bundesdeutschen Weinfachhandlungen (die vielfach auch im Internet vertreten sind) rundet das Buch vorteilhaft ab.
Fazit: Ein empfehlenswertes Werk für alle Weinfreundinnen und -freunde, die sich eine neugierige Ader bewahrt haben und die bereit sind, sich auf Gesckmackserfahrungen der "dritten Art" einzulasssen. Eines ist jedenfalls sicher: Es gibt nichts Vergleichbares auf dem deutschen Büchermarkt!