Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kulturgut tut nicht immer gut, 11. August 2009
Zugegeben, Heinrich Hoffmann versteht mehr vom Reimen als ich. Aber dafür verstehe ich mehr vom Umgang mit Kindern, die der prominente Arzt "Zappelphilipp" nannte und heute mit dem Kürzel ADHS bezeichnet werden. Dass auch "Suppenkaspar" und "Hans-Guck-in-die-Luft" in die Umgangssprache eingingen, ist einer der Gründe, weshalb ich den Struwwelpeter mit fünf Sternen bewerte. Denn er gehört nun Mal zu unserem Kulturgut.
Bei der Beurteilung des Inhalts scheiden sich die Geister. Das zeigte auch eine Umfrage unter ZEIT-Autoren, deren Ergebnisse im Juni 2009 in einen spannenden Artikel einflossen. Die sechs Beiträge zeigen, wie sehr die Wertung eines so facettenreichen Buches von den eigenen Lebensgeschichten bestimmt wird. Jens Jessen beschwört das Sehnsuchtsbild der revolutionären Gerechtigkeit und bricht eine Lanze für Hoffmanns interne Hausordnung, weil der große Nikolaus Buben bestraft, die den Mohr auslachten, Häschen einem Jäger die Flinte entwenden können und Hunde ihre Peiniger ins Bein beißen dürfen. Elisabeth von Thadden sieht im Auftritt von Paulinchen die beiläufige Adelung des weiblichen Geschlechts und den Aufruf, die Welt zu entdecken, selbst wenn am Schluss nur noch die Pantöffelchen übrig bleiben sollten. Susanne Mayer glaubt, dass Heinrich Hoffmann seine Grenzerfahrungen als Arzt ausmalte und zeigen wollte, dass ein einziger Fehlgriff ins Verderben führen kann. Ijoma Mangold ist dem Autor und Zeichner dankbar, dass er nicht politisch korrekt war und mit seinen Gruselmärchen den Kindern die Realität aufzeigte. Ulrich Greiner gewichtet den schwarzen Humor stärker als die schwarze Pädagogik, weil anständige Witze langweilen und nichts auslösen. Und Iris Radisch konnte die Begeisterung für ein Buch, in dem kleine Kinder verbrannt werden und sich zu Tode hungern, noch nie verstehen.
Wenn ein Buch die Jahrhunderte überdauert, kann es nicht nur daran liegen, das Eltern und Grosseltern beim Schenken die Phantasie ausgeht. Ganz offensichtlich ist es Heinrich Hoffmann gelungen, mit seinen Reimen und Zeichnungen auf Archetypisches hinzuweisen, das sich pädagogisch-politischer Korrektheiten entzieht. Da die Hoffmann'schen Geschichten allerdings nur bedingt drollig und eher selten lustig sind, sollte Kindern von 3 bis 6 Jahren das Buch nicht einfach in die Hand gedrückt werden. Aber Erziehung lässt sich ja auch nicht ans Fernsehen auslagern.
Mein Fazit: Was der Arzt Heinrich Hoffmann seinem Sohn zu Weihnachten 1844 zeichnete, hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingegraben. Wie man diese Geschichten interpretiert und welche Kindheitserinnerungen sie abrufen, bestimmt letztlich die Bewertung. Ich kann also bestens verstehen, wenn jemand die Vergabe von fünf Sternen bescheuert findet.
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Da läuft es einem Heiß und Kalt den Rücken runter..., 9. Februar 2009
Ich hab dieses Buch als Kind schon gehabt und finde, dass es sehr wohl etwas für Kinder sein kann, es kommt aufs Kind drauf an.
Ich habe dieses Buch geliebt und es immer wieder gelesen.
Zugegeben, die Geschichten und Bilder sind hart und schauderhaft, aber ich fands okay, ich hatte keine Angst davor oder fands eklig-ich habs gemocht.
Das Buch soll Kindern wohl Werte vermitteln, wie: "Lutsch nicht am Daumen" "Wipp nicht am Tisch" "Iss deine Suppe auf" "Schau nach geradeaus beim Laufen" "Hör auf deine Eltern" "Lach keine Ausländer aus", etc. Die Art und Weise, wie das getan ist, ist sicher diskutabel, weil es sich da eher um"Gruselgeschihcten" handelt, zum Beispiel der Junge, der seine Suppe nicht isst und verhungert oder der Daumenlutscher, dem die Daumen abgeschnitten werden-manch ein Kind hasst solche Geschichten und wird pläken, ich habe es geliebt und fands "lustig".
War damals sogar mein Lieblingsbuch und die Daumenlutscher Geschichte mochte ich am meisten.
Vielleicht bin ich unnormal, aber ich mochte es.
Und wenn ich mir manch andere Rezension anschaue: Ich bin wohl nicht die eiznige, mit morbider Ader.
Aber ich verstehe auch,wenn es jemand nicht mag....
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Auf das Kind kommt es an, 4. September 2008
Bei der Bewertung dieses Buches bin ich hin- und hergerissen, und die bereits erfolgten Rezensionen zeigen ja, wie gespalten die Leserschaft bezüglich des Struwwelpeters ist.
Zunächst kann ich mal von mir selbst ausgehen. Die Geschichten haben auf mich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Obwohl ich das Buch bestimmt 30 Jahre nicht in der Hand hatte, konnte ich kürzlich alle Geschichten lückenlos aufzählen. Ich habe ein gutes Gedächtnis, aber bei welchen Büchern gelingt einem das nach so langer Zeit?
Haben mich nun diese Stories in meiner Kindheit entsetzt? Nein - bis auf eine große Ausnahme, dazu aber später! Zappelphilipp, der fliegende Robert, Hans-guck-in-die-Luft, der Suppenkasper (als Kind dachte ich immer, wie blöd ist der Kerl? Heute sehe ich in jeder Modelshow die weiblichen Pendants.), fast jedes Bild habe ich so genau angeschaut, dass ich heute noch die davonschwimmende Mappe des gestürzten Hans sehe. Auch wenn die Darstellungen natürlich altertümlich sind, mit wieviel mehr Liebe sind sie doch im Detail gestaltet als so manches Kinderbuch heute.
Ich habe als Kind die Folgen für manche Handlung gelernt, zum Beispiel, dass Feuer gefährlich ist, und ich habe nie gezündelt - wobei das natürlich nicht nur eine Folge des Struwwelpeters ist. Die meisten Geschichten empfand ich eher als lustig und originell, allein die Vorstellung, einen ganzen Eßtisch versehentlich abzuräumen, ließ mich kaum einschlafen vor Kichern.
Den Nikolaus fand ich klasse, wie er die drei Lümmel ins Tintenfass stülpte, um noch schwärzere Schwarze zu erzeugen als der malträtierte Junge selbst farbig war. Wie modern!
Eine Ausnahme gab es aber, und das war der Daumenlutscher. Der daumenlose Konrad ließ mich viele Nächte nicht zur Ruhe kommen, und ich erinnere mich, dass ich lange noch nur bei Licht einschlafen konnte, da ich fürchtete, der Schneider käme um die Ecke - und ich lutschte schon lange nicht mehr selbst am Daumen.
Habe ich meinem 6jährigen Jungen den Struwwelpeter vorgelesen? Bisher nein. Ich gebe zu, meine eigene monatelange Furcht vor dem Daumenschnippler hindert mich daran. Aber wenn er noch ein wenig größer ist, werde ich ihm das Buch zeigen, als hübsches altes Buch mit skurrilen Geschichten, die alle ein bißchen Wahrheit in sich tragen.
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