Hallo,
nach langer Entwicklungszeit liegt mit "Die schwarze Insel" nun endlich ein wirklich reifes Werk von Herge vor. - Die Handlung ist durchgängig, die Rollen zugewiesen und auch die Zeichnungen sind "geschliffen", hochentwickelt: hier begegnet uns der Tim, wie er auch in "Tim und die Picaros" (letzter vollständiger Band) zu sehen ist. (Vergleiche besonders die beiden Vorgänger: "Der Arumbaya-Fetisch" und "Der blaue Lotos": hier war sich Herge offensichtlich der Proportionen und Schwerpunkte noch nicht so sicher.)
Die Geschichte bringt die vier bisher schon bekannten - wiederkehrenden - "Darsteller": Tim und Struppi und die Schultzes. - Professor Bienlein und Kapitan Haddock sind noch nicht da.
Das Abenteuer beginnt ganz schlicht mit einem geruhsamen Spaziergang, währenddessen ein kleines Flugzeug in der Nähe notlanden muß. - Als Tim zu Hilfe eilt, wird auf ihn geschossen.
Natürlich kann das der kleine Reporter nicht auf sich beruhen lassen, weswegen er die Spur der Übeltäter aufnimmt. Die Schultzes unterstützen und behindern ihn dabei - wie meistens.
Die Reise geht dieses Mal nach England, weiter nach Schottland, hinter einer Falschmünzerbande her, die auf einer kleinen Insel ihre Produktionsstätte hat, welche von einem "Monster" bewacht wird.
Wir erleben T&S in einer guten, geradlinigen Krimigeschichte, natürlich reichlich gewürzt mit Irrungen und Wirrungen, Eigenheiten, Schwächen und abenteuerlichen Unterfangen. -
Auffällig ist dabei immer wieder, daß viele Personen ihre besonderen Persönlichkeitsmerkmale haben: die Schultzes als liebenswürdige, aber auch nervige, Tolpatsche; Struppi als "Knochennarr" (wie könnte es auch anders sein) und kleiner Saufaus; der Feuerwehrhauptmann mit seiner Vergesslichkeit; nur einer leistet sich keine solche "Schnörkel": Tim. - Tim ist - auch hier - immer geradlinig, ein guter Rätsellöser und Fährtenfolger, stellt aber auf dem "Tim & Struppi-Gemälde" eher eine "weiche" Farbe dar. - Die anderen, d.h. das Umfeld, machen die Geschichte(n) farbig: in späteren Bänden kommt viel und intensive Farbe hinzu, nämlich durch Professor Bienlein und Kapitän Haddock: darauf können wir uns freuen.
Fazit:
"Die schwarze Insel" ist der erste Höhepunkt nach "Der blaue Lotos". - Aber es ist noch mehr: es ist die erste wirklich reife Geschichte einer darauf folgenden Kette weiterer: eine ausgewogene Mischung aus Abenteuer, Krimi, Humor, Ernsthaftigkeit, Einfalt (des Helden Tim), Glück, Ideen und den agierenden Personen.
Manche "Albernheiten" früherer Geschichten sind in "Menschliches, allzu Menschliches" (und ebenso "Tierisches) umgeschlagen, weswegen dieser Band auch eine wirklich unterhaltende Erwachsenenlektüre darstellt.