Eugen Drewermann schafft in seiner Promotion, die zugleich auch als Habilitation angenommen wurde, einen wirklich großen Spagat: Von der Bibel über die Psychoanalyse und der Existenzphilosophie mitten hinein ins Leben des Menschen zu allen Zeiten, besonders aber in das Leben des Menschen der (Post-)Moderne. Sein Werk ist zwar sehr umfangreich, aber es lohnt sich Seite für Seite den Gedanken des großen Theologen aus Paderborn zu folgen. Nicht nur, dass man wie nebenbei mit unzähligen Informationen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten versorgt wird, ist das Spannende. Entscheidend ist: es geht um den Leser selbst! Ich kann mich hinter allen Ausführungen selbst entdecken. Der Ansatz bei der Angst, die nach einem großen Wort des Philosophen Karl Jaspers zum "unheimlichen Begleiter des modernen Menschen" geworden ist, stellt einen vorzüglichen Ausgangspunkt dar, das Wesen des Menschen wie er ist, zu beschreiben. Dass Drewermann hierbei auf die ersten 11 Kapitel der Bibel im Buch Genesis zurückgreift, ist von der Sache her naheliegend. Heißt doch "Adam" auf hebräisch nicht mehr, aber auch nicht weniger als: "Der Mensch". Es geht um den Menschen, gefangen in seiner Angst und so verstrickt in "Strukturen des Bösen". Um zu klären, was Angst im Letzten meint, liest Drewermann sehr genau beim dänischen Religionsphilosophen Sören Kierkegaard nach. Durch diese "existenzphilosophische Brille" erschließt er die wichtigsten Etappen der Psychoanalyse, v. a. bei Freud und Jung. Tenor des ganzen Buches ist die Verzweiflung, in die der Mensch verfällt, wenn er Gott aus den Augen verliert und sich selbst als eigener "Gott" gebären will. Dies tut er aber nicht aus Bosheit, das ist der neue Ansatz bei Drewermann, sondern getrieben von seiner Angst. Eine Lösung daraus, oder gar eine Erlösung davon kann der Mensch sich nicht selbst geben. Sie ist einzig und allein bei Gott zu finden. Erst im Klima einer unbedingten Akzeptanz, wie sie vor allem bei Siegmund Freud als Grundlage seiner Psychoanalyse praktiziert wird, kann der Mensch zu erahnen beginnen, dass sein Leben einen Wert hat und liebens-wert ist, vor aller Leistung und trotz aller Schule. Erfahrbar muss dies dem Menschen durch andere Menschen in der voraussetzungsfreien Liebe zueinander werden. Verbürgt wird diese Zusage an den Menschen aber letztlich nur von Gott selber. Ich finde, dass das Werk von Drewermann eines der genialsten theologischen Bücher der letzten Zeit ist. Seine Analyse trifft m. E. genau den Nagel auf den Kopf. Sein Plädoyer für mehr Menschlichkeit im Umgang untereinander ist der richtige Fingerzeig für eine neue und bessere Welt. Vor allem aber die letztendliche Rückbindung von allem an Gott (religio heißt lateinisch rückbinden, ist für mich der Schlüssel, um mich selbst, den Menschen und auch Gott tiefer zu verstehen.