Durch die Schwächung tradioneller Werte und ihrer Repräsentanten (Familie, Kirchen, Parteien, Vereine...) stellt eine zunehmend wenig strukturierte Gesellschaft ihren Kindern oft unzureichende Sozialisationsbedingungen zur Verfügung im Sinne von Widerspiegeln, Halten, Steuern, Anleiten, Grenzensetzen, Richtungweisen und Verantwortungsbewusstsein. Im 21. Jahrhundert erleben wir Therapeuten bei unseren jüngeren Patienten häufig die Kehrseite des erfreulichen Fortschritts der 70er und 80er Jahre in ihrem Streben nach mehr Selbstbestimmung und Freiheit. Mit diesem Buch ist den Autoren ein gründliches, theoretisch gut fundierter und praktisch umsetzbarer Leitfaden für die Therapie Ich-strukturell schwer gestörter (nicht nur von Borderline-)Patienten gelungen, die mit der sogenannten psychoanalytischen Standardtechnik wenig erfolgreich behandelbar sind. Die Arbeit mit Übertragung/Gegenübertragung, Regressionsförderung, Widerstand und Deutungen sind nicht selten eher kontraproduktiv . Es handelt sich bei der strukturbezogenenen Psychotherapie um einen eigenständigen therapeutischen Ansatz auf psychodynamischer Grundlage, wenn strukturelle Störungen das klinische Bild bestimmen, aus dem aber auch Elemente im Rahmen einer tiefenpsychologisch fundierten oder analytischen Behandlung übernommen werden können, wenn zunächst strukturelle Defizite behoben werden müssen, um anschließend konfliktaufdeckend arbeiten zu können. Ganz wichtig: In der strukturbezogenen Psychotherapie nimmt der Therapeut folgende Haltungen ein: Sich hinter den Pat. stellen (Identifizierung, Containing, Hilfs-Ich), Sich neben den Pat. stellen (zusammen mit dem Pat. dessen Situation als Drittes untersuchen), Sich dem Pat. gegenüberstellen (Spiegelung, emotionale Resonanz des Therapeuten, Alterität, Konfrontation). Dieses Buch ist ein großer Wurf, das in den Handapparat psychodynamisch arbeitender Psychotherapeuten gehört.