Die vierte Staffel von STROMBERG ist durchaus unterhaltsam - dargeboten von einem großartigen Ensemble geht es auch in dieser Staffel extrem heftig zur Sache, wenn die Protagonisten ihre Machtkämpfe in und um die Capitol Versicherung AG ausfechten. Für genug Lacher und Spaß ist gesorgt, weswegen ich diese Staffel beileibe nicht für einen Fehlkauf halte und jedem STROMBERG Fan empfehlen kann.
Dennoch wird beim Zuschauen deutlich, dass die Serie ganz klar ihr Zenit überschritten hat. Genug Abnutzungserscheinungen sind mittlerweile unübersehbar, vieles wirkt ins Groteske übersteigert und völlig überdreht.
Dies tut leider einem Format wie STROMBERG alles andere als gut. Der besondere Gag dieser Serie war ja besonders in Staffel 1 und 2, dass jedem, der in einem Büro arbeitet, oftmals das Lachen im Halse stecken blieb, weil ähnliche Situationen und Archetypen in fast jedem Büroalltag denkbar wären - es war mitunter beängstigend glaubhaft und nur aufs Nötigste überzeichnet. Die Serie war auch deswegen so genial, weil man sich problemlos vorstellen konnte, Typen wie Ernie, Erika, Tanja, Ulf und Stromberg tagtäglich zu begegnen und die Situationen einem vielfach auch bekannt vorkamen.
Damit ist jetzt leider endgültig Schluss: die Figuren agieren allesamt extrem überzogen. Ernie ist mittlerweile ein völliger Psychopath, seine Rolle ist diesmal einfach zu schräg, zu unglaubwürdig, zu drastisch. In Staffel 1 war er ja deswegen so komisch, weil es so einen Typen irgendwie in fast jedem Büro gibt, was diesmal wohl (hoffentlich) keiner mehr behaupten würde. Auch Strombergs Eskapaden sind zu dramatisch, zu over-the-top, um noch irgendwie überzeugend zu sein.
Gleiches gilt für die gesamten Folgen. Gut gespielt und mit vielen Gags versehen haben sie eine Handlung, die teilweise absurd und fast immer total überdreht ist - leider bleibt genau dadurch das, was STROMBERG so einzigartig machte auf der Strecke.
Hinzu kommt leider, dass der Fokus der Serie mehr und mehr auf ein Beziehungsdrama umschwenkt (Tanja / Ulf bzw. Stromberg / Jennifer) und weniger den Versicherungs- und Büroalltag parodiert. Auch werden manche Pointen und Storyideen etwas überstrapaziert - z.B. die Tatsache, dass Ernie von unerwarteter Seite Riesenzuspruch bekommt passiert in nicht weniger als drei Folgen.
Positiv muss man aber festhalten, dass die Serie nach wie vor schlichtweg Spaß macht und das man zumindest gegenüber der Staffel 3 eine Menge Veränderungen und neue Ideen eingebaut hat. STROMBERG wiederholt sich also weniger, das in Staffel 3 ziemlich offensichtlich erkennbare Schema einer typischen Stromberg-Folge wird aufgelöst und neue Elemente treten hinzu: Finsdorf ist z.B. sehr komisch, und auch der Metaplot mit Tanjas Beförderung ist klasse.
Ohne wenn und aber hat man in Staffel 4 STROMBERG also in neue Richtungen weiterentwickelt, und viele neue Ideen sind toll in Szene gesetzt - ich denke, diese Entwicklung war notwendig, um der Serie ein bisschen neue Fahrt zu geben... und wie gesagt, trotz aller unumgänglichen Kritik macht STROMBERG immernoch einfach Spaß.
Alles in allem von mir knappe 4 Sterne, also eine Bewertung mit "noch gut" - eine unterhaltsame vierte Staffel, die Fans des Formats sicherlich zufrieden stellen dürfte. Dennoch sind klare Abnutzungserscheinungen unübersehbar, die Klasse der ersten beiden Staffeln wird deutlich nicht erreicht.