Der 1975 in Berlin geborene ehemalige Kreativdirektor einer Werbeagentur ist nicht nur der berühmteste Blogger Deutschlands, er ist Buchautor, Journallist und eine anerkannte Persönlichkeit der neuen Medien. Dieser Sascha Lobo ist ein ausgezeichneter Beobachter, der schon aus den kleinsten Veränderungen, aus häufig nur eingebildeten Anzeichen zu erkennen glaubt, wie die Lage ist oder wie sich entwickeln wird. Diese Fähigkeit kommt auch seinem ersten, ohne Koautor geschriebenen Roman zu gute, wenn dieser auch in weiten Erzählsträngen ein Selbstporträt des Autors spiegelt. Wir erinnern uns, Sascha Lobo rief Mitte 2000 eine auf New Economy spezialisierte Werbeagentur ins Leben, die schon Ende 2001 Insolvenz anmelden musste. Da seine Frisur vielen noch bekannter ist als er selbst, ziert einer gekonnten Marketingstrategie geschuldet sein knallroter Irokesenschnitt das Cover seines ersten Romans.
Zum Plot: Geschildert wird die Karriere des Protagonisten Stefan in der New Economy des dritten Jahrtausend. Dieser Stefan hat ein ausgeprägtes Anspruchsdenken, nichts ist für ihn unerschwinglich, nichts ist gut und teuer genug. Sein Lebensstil ist ausgesprochen aufwendig und so kommen ihm die Verheißungen der New Economy gerade recht. Mit Freunden gründet er eine Werbeagentur. Großsprecherisch mischt er den Markt auf. Der Erfolg stellt sich schnell ein, doch dann wird die sogenannte Fallhöhe erreicht und eines Tages platzt die Blase. Plötzlich steht buchstäblich alles auf dem Spiel. Fazit: Jeder Erfolg hat seine Grenzen, die Bäume wachsen nicht in den Himmel das muss auch dieser Stefan ernüchtert feststellen.
Strohfeuer" ist eine Metapher, für eine Handlungsweise, die von zunächst starker Aktivität einer dichten erfolgreichen Ereigniskette gekennzeichnet ist, vom Auslöser aber auf Grund nachlassender Aktivität nicht mehr lange in Gang gehalten werden kann. Der Roman ist eine intelligente, maliziöse, amüsant unterhaltsame Satire, Demonstration einer verkehrten Welt, ein Puzzelstein bei der sich möglicherweise ein "Schaumschläger" phraseonym in einem Selbstporträt spiegelt. Ijoma Mangold bezeichnete "Strohfeuer" als "herrlichen Brevier für Hochstapler", womit er durchaus Recht hat, aber große Literatur ist es keinesfalls.