Oslos Buch über den ersten Kreuzzug hat mich enttäuscht.
Seine These, daß der Kreuzzug und die anderen Kriege unter Papst-Einfluß jener Zeit nur den Zweck hatten das oströmisch-byzantinischen Reich unter seine Gewalt zu bekommen (um ein quasi Super-Papst zu werden), mag originell sein, belegbar ist sie nicht.
Wie so vieles in seinem Buch, das Familiengeschlechter akribisch auflistet, ungezählte Datenmengen anhäuft, Vermutungen als Tatsachen postuliert und an Historikerschelte (wie Übersetztertadel) keinen Mangel hat. Aus welchen Quellen er schöpft ist größtenteils unbekannt, der Anhang mit Literaturverweisen ist unbefriedigend und hat keinen Bezug zu den getroffenen Aussagen. Eine solidere Abhandlung würde Fußnoten zu den Aussagen zeigen und diese dann mit dem Quellen/Literatur-Index verknüpfen.
Unendlich lange berichtet er über Fehden, Scharmützel und Kriege der fünf Jahrhunderte vorm ersten Kreuzzug, ehe sein Fokus sich langsam Richtung Nahost nähert....ohne dabei wesentlich Neues zu erfahren.
Mitunter lag der Gedanke nahe, das Buch sei ggf. nur eine andere Form einer kirchengeschichtlichen Abrechnung mit der Kirche oder dem Pasttum. Aber das haben andere, wie Deschner, schon besser hinbekommen.
Vielleicht ist es auch ein neues Stück vermeintlicher Enthüllungsliteratur, bedenkt man was der Autor in anderen Werken zu den Tempelrittern, oder zu den Freimaurern zu verlautbaren hat. Dankbare Storys für die sich immer wieder Verlage oder Fernsehsender finden, um den Leuten vorzugaukeln, es gebe neue, sensationelle Erklärungen dazu.
Das ein Valag wie Patmos sich des Buches angenommen hat, kann ich nicht verstehen.
Mein Tipp für Kreuzzugs-Literatur: Von Alan Ereira und Terry Jones (ja, der von Monty Python) "Die Kreuzzüge".
1995 von Knesebeck ! Auch nicht unbedingt akademisch-historisch, aber solide, unterhaltsam und illustriert.