Gewohnt komisch ist Hiaasens Roman, der bereits in den Neunzigern verlegt wurde (Lambada Tanzen und weiße Leinenanzüge alla Don Johnson geben sich die Hand) über das tägliche Leben der Stripteasetänzerin Erin Grant. Nur unterscheidet sich ihr Alltag von dem anderer Stripteasetänzerinnen durch:
1. einen Widerling von Exehemann, der sich das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter erschlichen hat (Korruption in Beamtenkreisen nicht ausgeschlossen) und durch Aggression, Drogenkonsum und Skrupellosigkeit glänzt; der im Beisein seiner fünfjährigen Tochter behinderten und alten Menschen ihre Rollstühle klaut;
2. eine Karriere beim FBI, deren Gage leider nicht reicht, um die Anwaltskosten für die getürkte Sorgerechtsklage aufzubringen;
3. die Liebe und Zuwendung von Kundschaft, die gewöhnlich "anders" vorstellig wird - darunter ein dümmlicher, geiler und perverser Kongressabgeordneter, der sich regelmäßig mit Vaseline einkleistert und nebenher erneut für die Demokraten in den Ring steigt - es ist Wahljahr.
Diesmal stehen erneut skrupellose Politiker im Zentrum, wobei die Vertreter an der Spitze durch Leichtgläubigkeit bestechen und die wahren Übeltäter im Hintergrund so richtig mies agieren. Begünstigt ist eine Zuckerrohrdynastie, die sich nicht scheut, tief in den Topf für Landwirtschaftssubventionen zu greifen, und haitianische Saisonarbeiter für die Ernte ausbeutet - nebenbei tragen sie nicht unwesentlich zur Verschmutzung der Everglades durch nicht ganz geklärtes Abwassermanagement bei.
Nicht gespart, wird auch hier an Leichen, die ganz nebenher und irgendwo auftauchen, oft an den unmöglichsten Plätzen (vor allem die Bösen). Herrlich auch die Vielzahl an Statisten, die in jeder Situation als Boten des Unglücks auftauchen, um eine Leiche (oder zwei) zu entdecken und danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Weiters begegnen wir einer weitsichtigen Boa Constrictor, einem sehr loyalen, haarlosen Rausschmeißer, der an den Cromangomenschen erinnert und wie immer (neben der weiblichen Heldin Erin) einem Beschützer und Retter in der Not - Detective Garcia, der sich in einem Ford Capri vorwärts bewegt... und viele weitere.
Wie üblich wechseln die unterschiedlichsten Handlungsstränge sehr rasch, um sich am Ende zu einem Ganzen zu fügen. Verglichen mit anderen Hiaasen'schen Romanen ist Striptease beinahe etwas sparsam mit so richtig "verkrachten Existenzen" und etwas ruhiger, wobei der Roman dennoch bis zum Ende ungebrochen spannend bleibt. Mit der Übersetzung ins Deutsche bin ich abermals nicht einverstanden - sowohl Stil als auch Grammatik lassen in so manchem Absatz noch Raum für Verbesserung.
Resümee: herrlich komischer Krimi, der nicht an Kritik am System spart, flott unterhält und in jedem Fall um Vieles besser abschneidet als die Verfilmung.