Ich bin zufällig auf dieses kleine Juwel gestossen, als ich mich ein wenig über den Schauspieler James McAvoy (erst kürzlich im Narnia-Kinofilm als Mr. Tumnus zu sehen) schlau gemacht habe, der hier die Stimme der Hauptfigur spricht. Ich habe den Film dann ohne grosses Vorwissen gekauft, und ich war doch sehr erstaunt, wie ernsthaft und gut inszeniert der Film doch ist.
Die Geschichte könnte eine alte Sage oder eine reine Fantasygeschichte sein, und stellenweise erinnert sie sogar an ein Königsdrama, das direkt von Shakespeare stammen könnte. Zu Beginn nimmt sich der Herrscher der Stadt Hebalon das Leben; da er sich selber die Schuld daran gibt, dass der Krieg zwischen seinem Volk und dem der Zeriths so lange und grausam wütet, möchte er seinem Sohn Hal den Thron überlassen. Nezo, der hinterhältige Berater des Königs, lässt jedoch den erklärenden Abschiedsbrief verschwinden und behauptet, die Zeriths hätten den Herrscher ermordet. Prinz Hal schwört daraufhin, den Tod seines Vaters zu rächen und verlässt zum ersten Mal in seinem Leben die Stadt, und mit ihm ein einst treuer Gefährte seiner Familie, der den Auftrag hat, ihn zu töten. Hal kann diesem Schicksal jedoch entfliehen, gerät in die Hände seiner angeblichen Feinde, verliebt sich, und muss nach und nach erkennen, dass vieles, was man ihm und seinem Volk erzählt hat, nicht stimmt, und dass in Wahrheit nicht die Zeriths eine Bedrohung darstellen...
Obwohl der Film vollends mit Holzpuppen bevölkert ist, darf man den Film keineswegs als Kinderfilm abtun. Tatsächlich ist der Film eher brutal und stark stilisiert, so dass er eher als Kunstfilm eingestuft werden könnte. Zwar ist es teilweise nicht ganz einfach, immer mitzubekommen, wer jezt gerade spricht, da die Mimik der Puppen natürlich sehr eingeschränkt ist, jedoch ist es gerade die Puppentechnik, die das wirklich Einmalige des Filmes ausmacht. Anstatt nämlich einfach eine Geschichte mithilfe von Marionetten anstatt mit menschlichen Schauspielern zu erzählen, spielen gerade die spezifischen Eigenschaften der Puppen - allen voran deren Fäden, die dem Film ja auch seinen Namen geben - eine zentrale Rolle. Denn die Fäden der einzelnen Figuren werden immer in die Geschichte miteinbezogen: wer sich zu schnell bewegt, verheddert sich in seinen Fäden, wer einen Faden durchtrennt, verliert ein Gliedmass - im Falle des Kopffadens sogar sein Leben. Die Fäden führen alle scheinbar undendlich in die Höhe, und wie sich letztlich herausstellt, sind alle Wesen der Welt durch eben diese Fäden miteinander verbunden, was dem Film eine sehr philosophische Note verleiht.
Auf der DVD findet man neben dem Film - leider nur mit der englischen Tonspur - Kommentare vom Regisseur, Bilder-Gallerien, und ein sehr interessantes Special, das einem die Techniken von Puppenbauern und -spielern genauer zeigt. Alles in allem: ein tolle Film mit einem sehenswerten Making-Of. Wer es also gern etwas abstrakt und philosophisch hat: unbedingt ansehen!