Zum Inhalt möchte ich nichts mehr schreiben, das haben andere schon zur Genüge getan, daher beschränke ich mich auf einige Anmerkungen zum Buch insgesamt.
Zuerst einmal ist die Idee einer Verschwörungsgeschichte mit mehreren Königreichen, einem Bösewicht, der seinen Kontrahenten immer einen Schritt voraus zu sein scheint und wie Marionetten tanzen lässt aus Sicht nicht-menschlicher Wesen sehr interessant. Leider überzeugte mich das Buch nicht.
Die Darstellung der Streuner lässt für mich stark zu wünschen übrig, da sie für meine Begriffe zu sehr menschlich geschildert werden - sieht man von Kleinigkeiten wie ihrer Begrüßungsrituale ab. Damit hat es sich aber auch schon, generell sind sie scharf auf alles was weiblich ist oder Alkohol enthält und recht impulsiv bzw. triebgesteuert in ihren Entscheidungen, alles in allem nichts was ein durchschnittlicher menschlicher Charakter nicht auch sein könnte. Hat man andere Bücher gelesen (SF von Vernor Vinge - Eine Tiefe am Himmel zum Beispiel) weiß man wie die Darstellung nicht menschlicher Wesen eben auch sein kann, nämlich durchaus ansprechend und eben anders, leider gelingt das hier nicht.
Die anderen Rassen wie die Scherenschrecken lassen auch mehr Fragen offen, wieso gibt es die in dem Roman? Ein solcher Charakter taucht zweimal auf, ohne dass die Rasse aber irgendetwas zur Story beiträgt... Ich hätte mir (v.a. auch nach dem Klappentext) etwas mehr Ausarbeitung spezifischer Merkmale gewünscht, die dann auch etwas zur Story beitragen.
Insgesamt empfand ich auch die Darstellung der Charaktere als etwas oberflächlich und inkonsequent, da ich so gut wie nie nachvollziehen konnte wieso die Akteure sich so entscheiden oder verhalten wie sie es im Buch tun. Das trifft sowohl auf die Streunerbande zu wie auch auf Lacrima. Der einzige der nachvollziehbare Beweggründe für sein Handeln hat ist der Bösewicht, das allerdings auch erst zu dem Zeitpunkt als er sich offenbart.
Zusätzlich hatte ich den Eindruck, dass keine der Hauptpersonen wirklich aktiv agiert, sondern eher von der Story und den Umständen getrieben wird. Das wäre insgesamt kein Beinbruch, allerdings werden Wolf und seine Gefährten immer wieder dargestellt als hätten sie einen Plan, Vorlieben und Gefühlsregungen. Diese werden aber dann nie konsequent durchgezogen, sondern es kommt innerhalb von zum teil wenigen Zeilen innerhalb eines Dialogs oder in einer Situation zu einem vollständigen Schwenk des Verhaltens, der unerklärt bleibt. Sollte dies streunertypisches Verhalten darstellen - na gut - aber dann hätte ich mir das etwas klarer dargestellt gewünscht - Abercrombie legt da die Messlatte (ok, zugegebenermaßen ziemlich hoch)
Die Story selber ist für meinen Geschmack auch etwas einfallslos, da keine wirklichen Überraschungen und Wendungen auftauchen. Ansatzweise sind die sicherlich da (die Untergrundversammlung des Schnitters, Balderdachs wahre Natur usw.), werden dann aber nicht weiterverfolgt und ausgebaut. Stattdessen kommt es schnurstracks zur nächsten Truppenbewegung, zur nächsten Schlacht, zur nächsten Flucht, zum nächsten Gewaltritt etc....
Fazit: Eine ganz nette Geschichte, die sich recht gut lesen lässt, allerdings auch nicht mehr. Von gut geschriebener Fantasy mit interessanten Charakteren, interessanten Welten und Geschöpfen ist dieses Buch doch recht weit entfernt. Daher nur 2 Punkte.