Als Psychotherapeut habe ich schon in einiges an Entspannungs-CDs reingehört und bin angeödet oder entsetzt von dem, was einem da bisweilen zugemutet wird. Auch wenn der Stimme von Ulrike Kesper-Grossmann ab und zu anzuhören ist, daß sie sehr (zu) viel Routine bei diesem Text hat, beeindruckt mich die angenehme Stimme und das völlige Fehlen von esoterischem Hintergrundgeklingel oder den sonst unausweichbaren Naturgeräuschen sehr positiv. Wenn man die Zeit für den BodyScan - immerhin eine knappe dreiviertel Stunde netto - täglich erübrigen kann, tut man sehr viel für seelische und körperliche Entspannung, das psychische Gleichgewicht und für das persönliche Wachstum.
Mit dem Hauptautor Prof. Jon Kabat-Zinn ist die Wissenschaftlichtkeit der Methode gewährleistet. Einige Rezensenten haben offenbar Probleme damit, daß die Methode ihre Wurzeln im Buddhismus habe. Da ich praktizierender Zen-Schüler bin, glaube ich, daß ich das beurteilen kann: MBSR hat mit Buddhismus so viel zu tun wie Autogenes Training, nämlich äußerst wenig. Die zentrale Idee der Methode, nämlich die Entwicklung der Achtsamkeit, gibt es nicht nur in Indien, sondern weltweit in verschiedenen religiösen, weltanschaulichen oder spirituellen Systemen und hat hauptsächlich etwas mit einer meditativen Einstellung der Welt und sich selbst gegenüber zu tun. Die m.E. etwas weit hergeholte Herleitung aus dem Buddhismus, die Kabat-Zinn vornimmt, sollte nicht so verstanden werden, als daß es sich dabei um eine originär und exklusiv buddhistische Methode handelte. In den USA könnte "Buddhismus" derzeit aber ein gutes Verkaufsargument sein - vielleicht weht der Wind aus dieser Richtung.
Sei dem, wie dem sei, diese Diskussion sollte niemand davon abhalten, sich mit dem Booklet etwas sehr, sehr Gutes zu tun!