Dieses Buch bietet eine sorgfältig erarbeitete "Theologie der abrahamischen Ökumene". Zunächst wird deutlich herausgestellt, wie unterschiedlich die drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam die Gestalt Abrahams sehen, in dem ja eigentlich, über jede Einzelreligion hinaus, alle Völker und Nationen gesegnet sein sollen. Dann werden ebenso sorgsam die Offenbarungsurkunden und Traditionen dieser drei Religionen daraufhin untersucht, in welcher Weise sie die, wie gesagt, ja eigentlich universal gemeinte "Abrahamskindschaft" definieren und einschränken, wo sie andererseits aber auch Möglichkeiten der gegenseitigen Respektierung und Anerkennung erkennen lassen, die dazu führen können, eine Haltung der Heilsarroganz und der Wahrheitsrechthaberei abzubauen. Nichts scheint heute wichtiger. Und so möchte ich wünschen, dass die hier umsichtig und plausibel entwickelten Einsichten über die Möglichkeit einer verlebendigenden Rückbindung und Rückerinnerung an Abraham und seinen vertrauenden Glauben an den rufenden Gott die drei großen monotheistischen Religionen dazu führen, ein allzu starres Festhalten an verfestigten Traditionen und ererbten Besitztümern aufzugeben und, wie Abraham, neu bereit zu werden zu wechselseitiger Respektierung und zu gemeinsamer Verantwortung angesichts der Herausforderungen einer immer stärker sich globalisierenden Welt.
Zu fragen bleibt allerdings, ob die sorgfältig interpretierende Auswertung koranischer Kernstellen schon repräsentativ ist für die Auffassung der Mehrheit der Muslime und ihrer Mullahs; und ob die unausgesprochene Gesamttendenz des Buches nicht auf die (unrealistische) Erwartung einer Angleichung, ja Verschmelzung dieser drei Religionen hinausläuft...
Klaus Lutterbüse, Hamburg