Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Am eigenen Anspruch gescheitert., 8. Oktober 2009
Ein Buch auch für "unvorbereitete Neulinge" wollte Andrè Meinunger schreiben, mit "bisweilen ähnlichem Unterhaltungswert" wie Sicks Zwiebelfisch. An beidem schlittert der Autor um mehr als nur Zeitungsdicke vorbei.
Meines Erachtens setzt die Lektüre des Buches eine gewisse Vertrautheit mit der Materie voraus. Nicht mit Germanistik oder artverwandten Disziplinen Geschlagene werden kaum einen Ahnungsschimmer davon haben, was interrogativ bedeutet, was eine Illokution ist oder ein Agens oder Regens. Es lässt sich aus dem Text auch nicht immer herleiten, das macht unzufrieden. Nein, nicht nur verpatzte Rechtschreibreformen und zweifelhafte Unwort-Misswahlen sind Ursachen des Imageproblems der Sprachwissenschaft (S. 9f.). Es ist vor allem ihre Unfähigkeit, noch Kontakt zu halten zu den Trägern ihres Gegenstandes, zu den Sprechern. Meinunger demonstriert dies anschaulich.
Mag man von Bastian Sick halten, was man will: Sein vielfach (und berechtigt) gescholtener Sprachdünkel wird von Meinungers Wissensdünkel bei weitem überboten. Ja, man hat es im Laufe des Buches irgendwann kapiert, dass jede(r) Student(in) der Germanistik wesentlich mehr drauf habe als Sick. Wobei - ich hatte schon Germanistikstudenten im Hauptseminar sitzen, welche den 3. Fall nicht kannten.
Spätestens ab Seite 100 sehnte ich mich nach dem Ende. Ohne Höhepunkte, ohne Überraschungen, ohne sprachlichen Witz plätschert und doziert der Text vor sich hin. Einzig dann, wenn es eine Spitze gegen Sick anzubringen gilt, reißen die Wolken ein wenig auf. Was hervorkommt, ist jedoch nicht immer eitel Sonnenschein: Schlecht, sehr schlecht der Hinweis auf den geringen Kaufpreis der Sick-Literarien und die daraus abgeleitete mangelnde Qualität (S. 123). Ein gebundenes Fachbuch mit einer geklebten Bettlektüre vergleichen zu wollen, könnte die vielstrapazierten Äpfel und Birnen problemlos ablösen. Die Deutsche Satzsemantik von v. Polenz ist bereits für knapp 17 Euro zu haben - ein Standardwerk der Germanistik und nicht besser als zwei schmale Bändchen von Sick?
Zu guter Letzt ein Patzer Meinungers bzw. seines Lektorats: "Silvana Koch-Merin" (S. 152) mag es sicherlich auf dieser Welt irgendwo geben; die Europaabgeordnete der FDP aber, auf welche offensichtlich referiert wird, schreibt sich anders.
Zwei Punkte für den Mut, sich den Sick'schen Fehlleistungen in den Weg zu stellen, und natürlich die fachliche Richtigkeit der Ausführungen.
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36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Genitiv, Kasusendungen, Verbformen . . ., 7. Mai 2008
Meinunger spricht die altbekannten Themen an: Genitiv, Kasusendungen, Verbformen, Adjektive, Aussprachevarianten und und und. Doch das Neue an diesem Buch ist, dass alle Kapitel als Antworten auf Artikel von Bastian Sick verfasst sind. Denn beileibe nicht alles, was Sick so von sich gibt, hält einer näheren wissenschaftlichen Analyse stand. Zu oft verallgemeinert er, zieht analoge Schlüsse zwischen Wörtern, die kaum etwas miteinander zu tun haben - und jeder glaubt's.
Somit bietet Meinunger den linguistischen Standpunkt, und auch einen besonderen, nämlich den der deskriptiven, also beschreibenden, Sprachwissenschaft. So normativ, wie Sick sich gibt, gibt es heute kaum noch Linguisten.
Allerdings wandelt Meinunger damit oft auch auf dem schmalen Grat zwischen der ernsthaften, wissenschaftlich begründbaren Widerlegung und der herablassenden Haltung des Experten gegenüber dem (bemühten, aber nichtsdestotrotz auch falsch liegenden) Laien. Denn Grammatik ist für Linguisten nicht das, was im Duden steht, und die eine Antwort auf jede Frage bezüglich Ist das noch richtig? Darf man das noch sagen?" gibt es nicht, außer man erlaubt: Das ist eine Sache des Sprachgefühls."
Dem Autor gelingt es bemerkenswert gut, nicht in die Herablassung zu verfallen; er würdigt die Verdienste Sicks um die deutsche Sprache (wann zuletzt wurde so viel und so sehr über Sprache öffentlich diskutiert?).
Herausgekommen bei alldem ist ein gelungenes Buch, das vor allem für diejenigen interessant ist, die nicht alles glauben, was Sick sagt. Es wird besonders Linguisten ansprechen, obwohl es auch in einem für Laien verständlichen Ton geschrieben ist.
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35 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Sprachwissenschaft schlägt zurück, 10. Mai 2008
So manchem Sprachwissenschaftler liegt der "Zwiebelfisch" schon seit langem schwer im Magen. Nicht, wie oft unterstellt, aus Neid und Missgunst. Im Gegenteil: das offensichtlich vorhandene und durch Bastian Sicks Erfolg bezeugte Interesse für sprachliche Fragen wird von der Sprachwissenschaft ausdrücklich begrüßt. Was dagegen wirklich schmerzt, sind die verdrehten Fakten, Sicks offen ausgelebter Sprachdünkel und das damit einhergehende verheerende Sprachbild sowie der Umstand, dass Sick mit dieser Mischung für viele tatsächlich eine Autorität darzustellen scheint. Das muss Menschen, die qua Ausbildung mehr von der Sache verstehen, Unbehagen bereiten. (Und mehr als nur das, wenn man hört, dass Sicks Bücher sogar im Deutschunterricht eingesetzt werden.)
Der Linguist André Meinunger (übrigens kein Pseudonym, wie per Netzrecherche schnell festzustellen ist) hat sich nun der Aufgabe angenommen, die linguistisch fundierte Sick-Kritik aus den Fachjournalen hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen - und auf diese Weise auch gleich eine Visitenkarte der deskriptiven Sprachwissenschaft mitzuliefern.
So löblich die Absicht auch ist, die eine oder andere Kleinigkeit gibt es an "Sick of Sick" leider zu bemängeln. Das beginnt beim unnötig 'gschnappig' wirkenden Buchtitel (der gerade Sick-Jünger, welche die Lektüre ja am allernötigsten hätten, von selbiger abhalten wird) sowie der ganzen Aufmachung - man sieht dem Band an, dass er kein großes Verlagshaus im Rücken hat. Und leider, leider ist Meinunger kein begnadeter Stilist (nicht dass Sick einer wäre), so dass vor allem das erste Drittel des Buchs bisweilen ein wenig ungelenk wirkt. Die dargebrachten Fakten vermögen natürlich zu überzeugen, ein wenig mehr argumentativer 'Drive' wäre aber doch schön gewesen. Ein weiteres Manko ist der nicht ganz durchschaubare und meist ziemlich ungerichtet wirkende inhaltliche Aufbau. Hier scheitert Meinunger an seinem All-in-One-Anspruch, zur selben Zeit eine Antwort auf den "Zwiebelfisch", eine populäre Einführung in die Linguistik, unterhaltsam und außerdem wissenschaftlich seriös sein zu wollen. Gerade die konkrete Bezugnahme auf einzelne Sick-Irrtümer wirkt oft ein bisschen beliebig. Auch hätte die für Sick typische Gleichmacherei von Stilkritik, Grammatiktipps und larmoyantem Sprachgenörgel noch ein wenig deutlicher zur Sprache gebracht und aufgedröselt werden können.
Das alles ändert freilich nichts daran, dass man bei der Lektüre aus dem zustimmenden Nicken kaum noch herauskommt. Meinunger seziert die Ungenauigkeiten, blanken Fehler und von falschen Annahmen ausgehenden Urteile von Sick und überführt ihn der Regulierungswut, die sich bevorzugt dort austobt, wo es nichts zu regulieren gibt. Er zeigt, dass nicht standardsprachliche (und allein deshalb von Präskriptivisten verurteilte) Strukturen wie etwa "der Mutter ihr Auto seine Farbe" ihren wohlbegründeten Platz im Sprachsystem haben, teilweise sogar leistungsfähiger sind als das, was die normative Grammatik allein als "richtig" gelten lassen will. Weiters demonstriert Meinunger anschaulich, dass vieles, was Sick mit seinem oberflächlichen Blick als Indizien für die Unterwanderung des Deutschen durch das Englische verurteilt (welch grauenhafte Vorstellung von Sprache!), seinen tieferen Sinn in spezifisch deutschen Sprachstrukturen und letztlich im Selbsterhaltungstrieb der deutschen Sprache hat.
Zur Hochform läuft Meinunger im letzten Kapitel auf ("Was ist denn nun akzeptabel?"). Dieses wäre allein schon fünf Sterne wert, und man wünscht sich, dass es allen zukünftigen Auflagen von Sicks Büchern als Extraheft beilgelegt werden möge. Grob verkürzt könnte die Kernaussage in etwa lauten: Der Durchschnitts-Muttersprachler weiß in aller Regel sehr genau, was im Deutschen 'geht' und was nicht.
Alles in allem also ist Meinungers Büchlein eine für Linguisten wie Laien ausgesprochen gewinnbringende Lektüre, und ihm sind zahlreiche Leser zu wünschen.
PS: Wer mehr Sprachbetrachtung dieser Art lesen möchte, dem sei der "Bremer Sprachblog" empfohlen (leicht per Suchmaschine zu finden), in dem übrigens unlängst eine lesenswerte Stellungnahme zum linguistischen Neidvorwurf gepostet wurde.
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