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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
48 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Wenn einer eine Reise macht...,
Rezension bezieht sich auf: Streifzüge durch das Abendland: Europa für Anfänger und Fortgeschrittene (Taschenbuch)
Als erstes eine Vorwarnung: Bill Brysons Berichte aus den seltsamen europäischen Landen sind keine (ich wiederhole: keine) landeskundlichen Erörterungen. Eher erinnern mich die einzelnen Kapitel an eine regelmäßige Zeitungsrubrik der intelligenten Art, die nun als Buch veröffentlicht wird: Ein Amerikaner, der x-mal gescheiter ist als er sich stellt, schert sich nicht um politische Korrektheit und pointiert die jeweiligen Charakteristika eines Landes bzw. einer Stadt. Ganz bestimmt hält Bryson nicht alle Deutschen für lederbehoste Nazis, nicht alle Österreicher für ausgemachte Antisemiten, und Neapel hält er wohl auch nicht für eine dichtbevölkerte Müllgrube in bezaubernder Lage. Aber, soweit ich das nachvollziehen kann (Ich kenne längst nicht alle bereisten Städte und Länder), trifft er ganz gut den Kern, und als guter Beobachter und Satiriker weiß er offensichtlich, dass ein guter Witz niemals auf knochentrockener Reportage beruht.Das Schöne an Brysons "Berichten" ist nämlich, dass man sich unterm Lesen wunderbar vorstellen kann, wie's dort (wo auch immer das Dort gerade sein mag) zugeht. Und wenn Bryson sich z.B. über den ausgesprochen realitätsnahen Wortschatz in Reiseführer-Anhängen mit angeblich nützlicher Wendungen ergeht, dann hat man Grund zum Keckern: Unter den betreffenden Autoren hat sich nämlich erfahrungsgemäß noch nicht herumgesprochen, dass in den allermeisten Reiseführer-würdigen Ländern Supermärkte und Selbstbedienung bekannt sind und dass man üblicherweise in jedes Landes Badewanne sein Wasser selber einlässt. In den besten Kapiteln sprüht Bryson vor tendenziell gutmütiger Bosheit und Selbstironie, und so manche übelwollende Rezension dieses Buches könnte darauf beruhen, dass ihr Verfasser die Selbstpräsentation des Autors als bierseligen, monoglotten Proll für bare Münze nimmt. Hinreißend sind vor allem die Passagen, in denen Bryson die Pose des naiven, aber neugierigen und aufgeschlossenen Ami einnimmt und mit großen Augen feststellt, dass die Europäer gleichzeitig so verschieden und zugleich dermaßen gleich sein können. Mit dieser kindlichen Naivität nimmt er sich auch oft selber auf die Schippe; seine Schlussfolgerungen aus überwältigend positiven Eindrücken sind zwar manchmal ein wenig an den Haaren herbeigezogen, weil sie allzu oft nach dem selben Muster gestrickt sind, aber es ist eben doch amüsant zu lesen, dass Bryson die hässlichen Kopenhagener allesamt irgendwo nach Arizona verbannt vermutet. (Auch diese Beobachtung spricht übrigens dafür, dass die "Streifzüge durch das Abendland" ursprünglich als regelmäßige Zeitungsrubrik erschienen sind -- in einer wöchentlichen Sparte leiern solche journalistischen Tricks nicht so schnell aus.) Jedenfalls lernt man hier unter anderem, wie man Schweizer Verkäuferinnen in den Wahnsinn treibt, wie man in einem Liechtensteiner Hotel zur persona non grata wird, oder worauf man gefasst sein muss, wenn man in einer Florentiner Polizeistelle einen Diebstahl anzeigen will. Auch wenn hier und anderswo mancher Leser ob solch ostentativen Chauvinismus aufschreien will -- gerade hier präsentiert sich Bryson meist in guter Form, mit liebenswürdigen Gemeinheiten. Freilich hat Bryson beim Schreiben nicht immer seine besten Tage gehabt -- für einen guten Witz reicht es nicht, einen längst bekannten Kalauer zum x-ten Mal aus der Versenkung zu zerren. Ein wenig mehr Hinterfotzigkeit wäre gelegentlich schonmal angebracht. Und manche Scherze gehen auch vollrohr in die Hose, wie z.B. das neckisch sein sollende Anekdötchen über einen mehr als zwei Jahre lang entführten italienischen Jugendlichen. Schwarzen Humor hat Bryson nunmal nicht im Repertoire, und entsprechend peinlich und ärgerlich sind diese und einige andere Passagen auch zu lesen. Aber die wirklichen Ärgernisse in diesem "Europa für Anfänger und Fortgeschrittene" hat nicht Bryson zu verantworten, sondern die Übersetzerin (Ich weise dennoch darauf hin, dass die "Bezahlung" der meisten Übersetzer hierzulande ein Skandal ist und nichts Besseres erwarten lassen kann) und der offensichtlich somnambule Lektor. Kleinere Schnitzer meine ich hier nicht; Bryson ist schließlich kein stilistischer Zampano. Ich meine aber Fehler, die auf mangelnde Allgemeinbildung von Übersetzer und Lektor hinweisen: Michelangelos "Pietà" im Vatikan ist definitiv kein "Gemälde"; mit "milchiger Kaffee" ist vermutlich Milchkaffee gemeint; und "scheinbar" und "anscheinend" unbeirrt zu verwechseln, wird nicht dadurch besser, dass man's dauernd tut: Wenn z.B. Menschen scheinbar glücklich sind, sind sie's nämlich nicht, aber wenn sie's anscheinend sind, sind sie's wahrscheinlich. Aus dem Kontext geht stets hervor, dass Frau Holzförster da gut ein Dutzend Mal sorglos danebenlangt. Jedenfalls stolpere ich über Klopper der härteren Gangart zu oft, als dass ich's als Flüchtigkeitsfehler übergehen könnte. Aber auch wenn mein Gemecker den gegenteiligen Eindruck wecken sollte: Die "Streifzüge durch das Abendland" sind witzig zu lesen, und man kichert oft genug einfach los, weil's schlicht und ergreifend komisch und geistreich zugleich ist. Meistens jedenfalls. 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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Lachen bleibt im Halse stecken,
Rezension bezieht sich auf: Streifzüge durch das Abendland: Europa für Anfänger und Fortgeschrittene (Taschenbuch)
Eigentlich bin ich ein Bill Bryson-Fan. Und eigentlich liebe ich seinen trockenen englischen Humor. Aber bei der Lektüre von "Streifzüge durch das Abendland" blieb mir das Lachen nicht nur einmal im Halse stecken. Viel zu oft schlagen seine Witze um und sind nicht nur makaber sondern regelrecht geschmacklos. Um ein Beispiel zu nennen: "Ich glaube nicht, dass ich den Deutschen jemals ihre Vergangenheit verzeihen kann, jedenfalls nicht, solange ich mich fragen muss, ob der freundliche, alte Kellner, der mir meinen Kaffee bringt, seine Jugend damit verbracht hat, Babys auf Bajonette zu spießen oder Juden in die Gaskammern zu schicken."Seine Reise durch Europa führt Bryson von der nördlichsten Stadt kreuz und quer bis nach Istanbul. Leider nörgelt er sich von einem Land zum nächsten. Liechtenstein findet er einfach nur lächerlich, Bulgarien liege im Sterben, Brüssel sei erschreckend hässlich... Vielleicht hat er ja sogar Recht, aber dass in Aachen in nahezu allen Restaurants "Jungs in Lederhosen auftauchen und eine Polka zum besten geben", kann ich nicht bestätigen. Und so hat man hin und wieder den Eindruck, dass Bryson sich mehr den landestypischen Vorurteilen bedient, als wirklich eigene Erlebnisse und Eindrücke seiner Reise zu schildern. Solch ein Reisebericht macht einfach keinen Spaß zu lesen. Nicht selten urteilt der Autor über Großstädte, in denen er sich nur einen Tag aufgehalten hat und so liest man hauptsächlich unzählige Beschwerden über unfreundliche Kellner, viel zu hohe Hotelpreise, schlechtes Essen und nervige Europäer die kein Englisch können. Begegnungen mit interessanten Menschen oder unbekannten Orten in bekannten Städten bleiben dabei leider auf der Strecke. Für mich sind die wenigen lesenswerten Stellen in dem Buch damit verschenkt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Leider nicht so gut,
Rezension bezieht sich auf: Streifzüge durch das Abendland: Europa für Anfänger und Fortgeschrittene (Taschenbuch)
Nachdem ich "Streiflichter aus Amerika" mit Begeisterung verschlungen habe, hat mich dieses Buch sehr enttäuscht.Zur Schonung des Autoren muss man wohl vorweg sagen, dass er da jünger war und das Buch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Es fehlt der weise Humor des Alters. Statt dessen ist der Witz Brysons hier latent pronographisch und von jugendlicher Hybris. So ziemlich gar nichts kommt gut weg und das eben nicht gut, nicht mit jenem für Bryson später so typischen Augenzwinkern, dass das Schrullige mit zärtlichem Humor nimmt. Schade. Vielleicht wird das letzte Drittel etwas besser, wo Bryson Italien beschreibt, aber eben nur etwas. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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