Fast fünfzig Jahre vor Smetanas erstem Streichquartett hat Onslow mit seinem op. 38 ein autobiographisches Werk komponiert, dessen Fokus ein (partieller) Hörverlust bildet - nach einem schweren Jagdunfall. Der zweite Satz, "Dolore" überschrieben, ist wie ein langer Aufschrei; Fieber und Delirium prägen das Klangbild. Dennoch versetzt das Quintett nicht in depressive Stimmung; die folgenden Sätze sind Rekonvaleszenz und Heilung gewidmet. - Ebenso wie op. 67 ist es ein Meisterwerk für eine ungewöhnliche Besetzung, auf die Onslow durch Zufall gekommen ist: Anstelle eines 2. Cellos setzt er den - damals noch neuartigen viersaitigen - Kontrabass ein und freut sich, wie der heutige Hörer, über die so erreichbare perfekte Klangbalance.
Beeinflusst ist Onslow v.a. von Beethoven, den er bei Antonin Reicha in Paris studierte. Die Architektur der Quintette ist klassisch. Dennoch entwickelte Onslow eine ganz eigenständige Tonsprache, die Schubert nähersteht. Die thematischen Gegensätze sind weniger schroff, die musikalischen Gedanken weniger abgründig - zugunsten einer wunderbaren Heiterkeit und Gelassenheit, die manchmal an Haydn erinnert. Von den Instrumentalisten wird ein hohes Maß an Virtuosität gefordert, das vom Quintett Momento Musicale aufs Schönste erfüllt wird. Ein wichtiger Beitrag zur längst überfälligen Onslow-Renaissance.