Die wahren Schätze im Repertoire des großen Wiener Klassikers Wolfgang Amadeus Mozart sind zweifelsohne die sechs Streichquintette. In diesen Werken schaffte er die größte melodiöse Fülle, die umfangreichste thematische Verflechtung. Er pflegte, bei der Veröffentlichung einer Gruppe von Streichquartetten ein Streichquintett anzuhängen, wobei er die letzten Quintette separat komponierte.
Sein erstes, frühes Quintett KV 174 steht in B Dur. Es ist konventionell, wird von den beiden hohen Streichern dominiert. Der zweiten Viola kommt noch keine weitere Rolle zu, auch das Cello wird fast ausschließlich auf die Rolle des Bassinstrumentes reduziert. Dennoch ist es insbesondere das dichte Adagio, das den späten Meister erahnen lässt.
Das zweite Streichquintett in c moll KV 406 ist ein ausgezeichnetes Stück voller Leidenschaft und Feuer. Vor allem dem Kopfsatz wohnt ungemein viel verborgener Schmerz inne. Der kurze, langsame Satz und das fugierte Menuett stellen Mozarts Vielfalt unter Beweis. Im berauschenden Finale gelingt es dem deutschen Tonsetzer, die anfängliche Bitterkeit in ein strahlendes, erlösendes Ende zu wandeln.
Voller Einfall und Pointen steckt auch das C Dur Quintett KV 515. Viele halten dieses Werk und sein Schwesterstück für Mozarts gelungenste Quintette. Dem Menuett verleiht der Komponist besonderes Gewicht, da es annähernd die Ausmaße des Kopfsatzes erreicht. Immer mehr entwickelt er den althergebrachten Tanzsatz zu einem individuellen Charakterstück.
So auch in KV 516 in g moll, in dem das herrliche Menuett der einzig durchgehend freundliche Satz ist; denn Kopfsatz und Adagio offenbaren Tiefen, die den Hörer fast schaudern lassen. Überraschend und genial ist dann die Einleitung zum Finale: Tiefsinnig, rührend und empfunden gebart sich hier ein Adagio, das plötzlich, unversehens ins kecke, spritzige Allegro mündet. Mit einer Spielzeit von über einer halben Stunde ist es zugleich Mozarts längstes Quintett.
Das vielleicht pointenreichste und gelungenste Quintett ist KV 593 in D Dur. Die langsame Einleitung zum Kopfsatz offenbart sich beizeiten als Motto desselben, das den Satz durchzieht. Das herrliche Adagio ist voller Anmut und Lyrik und fügt sich nahtlos an die pastorale Stimmung des Menuetts an. Das kurze Finale ist ein feuriger Kehraus, der dem Quintett die Krone aufsetzt.
Sein sechstes Streichquintett KV 614 setzte Mozart nach Es Dur. Das Stück ist ungestüm, findet kaum Ruhe und Einhalt. Auch der mäßig langsame Satz steckt voller dynamischer Einwürfe. Besonders erlesen ist das wilde Finale, dessen Variationsfülle bestechend wirkt.
Das legendäre Amadeus Quartett mit Verstärkung "ihres" Cecil Aronowitz' ist weiß Gott die bestmögliche Besetzung für diese Kleinodien. Die fünf harmonieren in beeindruckendem Maße, spielen elegant, werktreu und technisch perfekt. Bemerkenswert ist auch die feine Nuancierung, die perlende, prickelnde Darbietung und die zarte Lyrik, die stets mitschwingt. Auch die Klangqualität ist - gemessen am Alter - sehr gut.
Fazit: Hören und Staunen ist hier die Devise! Mozart pur und so schön wie selten!