"Eine der großen Kategorien Beethovens", heißt es im ersten Band von Adornos Nachgelassenen Schriften, "ist die des Ernstfalls, des Nicht-länger-Spiel-Seins. Diesen Ton - der stets fast der Transzendenz der Form sich verdankt - hat es vor ihm nicht gegeben. Er ist dort am mächtigsten, wo die tradierte Form noch gilt und der Ernst durchbricht": Was Adorno hier in der Theorie auf den Punkt bringt, belegt das Artemis-Quartett mit dieser Einspielung Ton für Ton. Wenn man bedenkt, dass sich das 1989 an der Lübecker Musikhochschule von Studenten gegründete, 1999 mit dem Debüt in der Berliner Philharmonie ihre internationale Karriere beginnende Quartett 2007 mit zwei neuen Mitgliedern, Gregor Sigl und Friedemann Weigle, quasi noch einmal "neu erfinden" musste, dann erstaunt die ohnehin verblüffende Homogenität des Zusammenspiels noch viel mehr. Als ich das Quartett, zu dem neben Weigle (Viola) und Sigl (Violine) die Gründungsmitglieder Eckart Runge (Violoncello) und Natalia Prishepenko (Violine) gehören, erstmals in einem Konzert während der Schubertiade in Schwarzenberg erlebte, war ich überwältigt und dachte zugleich, dass ein solches Erlebnis wohl kaum auf CD einzufangen wäre. Diese grandiose, wunderschöne CD aber belegt nun auf das Schönste, dass die unglaubliche Dynamik, die mitreißende Präzision und das traumwandlerisch sichere Zusammenspiel dieser vier Ausnahmemusiker durchaus auch "auf Konserve" seinen fast magischen Reiz entwickeln kann. Ein Ereignis!