Aus der Amazon.de-Redaktion
"Wenn man einen Ton sehr lange spielt, wird er groß. Er wird so groß, dass man viel mehr Harmonien hört, und er wird innerlich größer. Der Ton hüllt einen ein.", so Giacinto Scelsi. Die Beschäftigung mit fernöstlicher Philosophie, mit Zen, hat Giacinto Scelsi mit zahlreichen seiner Kompositionskollegen gemeinsam. Und doch lassen sich seine Werke ebensowenig mit denen anderer Komponisten vergleichen wie seine Art des Komponierens -- oder sollte man sagen des Nicht-Komponierens? Scelsi verstand sich nicht als Komponist im traditionellen Sinne und seine Werke lassen sich auch kaum mit herkömmlichen Mitteln der musikalischen Analyse fassen. Seine Werke seit den 50er-Jahren bestehen aus Transkriptionen seiner Improvisationen, seiner Skizzen. Rhythmik, Melodien, Harmonien und bekannte Strukturen treten in den Hintergrund. Im Zentrum stehen einzelne Töne bzw. Klänge, deren Änderungen und Variationsmöglichkeiten in vielfältiger Hinsicht ausgelotet werden: mikrointervallische Verschiebungen und artikulatorische Nuancierungen bilden zusammen mit verschiedenen Vibrati, Glissandi und klangfarblicher Gestaltung das Forschungsgebiet "Ton" -- für Scelsi ein tiefes Hineinversenken, eine Art der Meditation. Das klangliche Ergebnis ist keineswegs eine sich stetig wiederholende Eintönigkeit. Das Klangforum Wien bringt dies ausdrucksvoll zur Geltung, sowohl im Ensemble als auch in solistischer und kammermusikalischer Besetzung. Man hört Schwebungen, irisierende Klangreibungen, dynamische Wandlungsfähigkeit: kurz, eine intensive Ausdruckskraft der Musiker, die verschiedenste Klangwanderungen beschreiten und es dem Zuhörer nie eintönig werden lassen.
--Nina Polaschegg
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