10th & Wolf" markiert das Regiedebüt des Oscar-Preisträgers Robert Moresco, welcher zuletzt an den Hits Crash" (Drehbuch) sowie Million Dollar Baby" (Produktion) beteiligt war, und stammt zugleich aus seiner Feder, was die Erwartungshaltung im Vorfeld doch leicht anhebt. Gleich zu Beginn wird erfrischend offen zugegeben, dass die Handlung (lose) auf den wahren Erlebnissen Joseph Pistone´s beruht, einem verdeckten FBI-Ermittler, der seine mitreißende Geschichte 1990 unter dem Titel Donnie Brasco: My undercover Life in the Mafia" als Buch veröffentlichte - vielen dürfte vor allem die 1997er Verfilmung mit Johnny Depp und Al Pacino bekannt sein. Für seine Version des Stoffes veränderte Moresco diverse Elemente, z.B. das zeitlichen Setting oder den beruflichen Hintergrund der Hauptfigur, und behielt nur wenige Grundmerkmale bei, die er selbständig ausschmückte bzw weiter sponn.
Robert Moresco hat mit der gerade mal acht Millionen Dollar teuren Produktion ein handwerklich super Regiedebüt vorgelegt. Die Inszenierung ist hochwertig, dem Inhalt angepasst bodenständig und schön altmodisch, was ebenso für den (vornehmlich kalte Farbtöne nutzenden) visuellen Stil gilt.
Das Problem ist nur, dass obwohl derartige Old-School"-Gangsterfilme immer seltener das Licht der Welt erblicken, ihre Inhalte allgemein bekannt sind, weshalb der Frischefaktor" nicht sonderlich hoch ist:
Lokale Konflikte zwischen Italo-Amerikanern und echten" Sizilianern, Spitzel, die für entschlossene Regierungsstellen ihr Leben riskieren, um eine Veränderung herbeizuführen, das zusammenhaltende Ehrgefühl innerhalb dieser Kreise - und so weiter, bis hin zu einem klaren Grad an Sympathie für die betroffenen Beteiligten als Katalysator der beabsichtigten tragischen Dimension. Männer sind aktiv, Frauen zumeist passiv. An einem bestimmten Punkt treten letztere jedoch gewöhnlich aus dem Schatten ihres Daseins hervor und stehen entschieden für etwas ein - das ist hier nicht anders. Die nötigen Bestandteile sind allesamt existent: Unter anderem klassische Locations (Bars, Schlachthöfe, geheime Treffen am Flussufer, die noble Villa des Bosses etc), Ansichten und Verhaltensweisen (á la Prügeleien, bei denen man Flaschen an den Köpfen der Gegner zerschlägt) oder spontane, harte Gewaltausbrüche (mein Favorit: ein einbeiniger Killer prügelt das Opfer mit seiner Beinprothese zu Tode) -
dass dabei die Grenze zu einem Klischee mal überschritten wird, wie bei dem ehrwürdigen Paten, der bei einer Opernarie seinen Tränen freien Lauf lässt, mag kaum zu verhindern sein. Die Zutaten stimmen, nur hat man das Gericht zuvor schon ziemlich oft serviert bekommen - und der Versuch, es mit dem Golfkriegs-Kontext neu zu würzen, war auch eine geniale Idee.
Sehr sehenswert und toll besetzter Mafia Flick der oberen Kategorie11