Tom Ludlow ist die Ein-Mann-Armee im eingeschworenen Ermittlerteam unter Führung des charismatischen Captain Wander. Mit welchen oft zweifelhaften und gewalttätigen Mitteln die Aufklärungsquote des Departments hoch gehalten werden kann, ist dem ehrgeizig auf das Amt des Polizeichefs zielenden Wander egal, auch wenn er sich fortwährend den Anfeindungen des internen Ermittlers Biggs ausgesetzt sieht. Zu dessen Zielscheibe wird Ludlow an dem Tag, an dem sein aufrechter Ex-Partner Washington, der just davor stand, Tom ans Messer zu liefern, während eines vermeintlichen Supermarktüberfalls erschossen wird. Beim verzweifelten Bemühen, sich vom Verdacht des Polizistenmordes reinzuwaschen, gerät Ludlow immer tiefer in den Strudel eines ausgeklügelten, von höchsten Polizeikreisen ausgehenden Komplotts.
Das Film-Subgenre "Korrupte Cops in L.A." wird fast ausschließlich von James Ellroy bedient. Der mit Krimiautor nur unzureichend charakterisierte Autor hat mit seinen Buchvorlagen in den vergangenen Jahren zu solch cineastischen Highlights wie L.A. CONFIDENTIAL, THE BLACK DAHLIA und nicht zuletzt DARK BLUE beigetragen. In letzterem, sträflich unter Wert verkauften Streifen hatte Kurt Russell die Rolle inne, die nun Keanu Reeves ausfüllt. Im direkten Vergleich schneidet sowohl schauspielerisch - was den Hauptprotagonisten angeht - wie auch storyseitig DARK BLUE einen Hauch besser ab. Dennoch liefert Reeves gerade mit seinem - in der MATRIX-Trilogie häufig kritisierten - stoischen Spiel eine seiner packendsten Leistungen ab. Die Wandlung vom leicht reizbaren, in Gewaltausbrüchen explodierenden Einzelgänger zum desillusionierten Kämpfer für die eigene Definition von Gerechtigkeit gelingt ihm durchweg glaubwürdig.
Flankiert wird Reeves von Schwergewicht und Oscar-Preisträger Forest Whitaker (DER LETZTE KÖNIG VON SCHOTTLAND), über dessen erneut mühelos unter Beweis gestellte Wandlungsfähigkeit keine großen Worte verloren werden müssen. Seinen Widerpart Captain Biggs gibt Hugh Laurie als rasierte, unverkrüppelte Variante des zynischen Dr. House. Beide liefern sich in einem ausnehmend heftigen Aufeinandertreffen eine mit pointiertem Dialog gespickte, urkomische Szene. Trotz kleiner, nichtsdestotrotz sehr wichtiger Rolle verdient Chris Evans (DIE FANTASTISCHEN VIER, FINAL CALL) als aufstrebender Detective Paul "Disco" Diskant besondere Erwähnung. Als Partner wider Willen des verdächtigen Ludlow fungiert er dank intensiver und sympathischer Performance als sehnsüchtig willkommene Identifikationsfigur des Zuschauers, der es angesichts des anscheinend durch und durch korrupten Polizeiapparates schwer hat, seine Gunst einem der zwielichtigen Protagonisten zu schenken.
Nach dem leider eher als Geheimtipp kursierenden HARSH TIMES bedient die zweite Regiearbeit des als Drehbuchautor erfolgreichen David Ayer (TRAINING DAY, DARK BLUE, S.W.A.T.) gleich zwei Zielgruppen: 1. Das mehr actionorientierte Publikum, das sich an einer Handvoll exzessiver und graphischer Shoot-outs erfreuen darf. 2. Die Freunde sorgfältig entwickelter, mit nachvollziehbaren Handlungstwists versehener Storylines. Eingefangen ist die permanent gewalttätig aufgeladene Atmosphäre des nächtlichen Los Angeles von der dynamischen Kamera Gabriel Beristains (S.W.A.T., THE SENTINEL - WEM KANNST DU TRAUEN?), und untermalt wird das Geschehen vom treibenden Score Graeme Revells (TOMB RAIDER, SIN CITY). Fertig ist das ohne Abstriche perfekt gelungene Werk - kein Tipp für Feingeister und Sittenwächter, ein Must-see für Anhänger schonungslos realistischer Actionthriller.