Zu Beginn der Karriere noch als das große neue Talent - als der komplette MC - gefeiert, dann von Kumpel Eminem und Sony fallen gelassen, um im Independent Bereich sein Dasein zu fristen, was der musikalischen Qualität sicher gut, dem Lebenslauf aber eher schlecht getan hat. So könnte man den bisherigen Werdegang von Royce Da 5'9'' kurz zusammenfassen. Im Sommer 2009 gab es nach mehreren Mixtapes endlich mal wieder einen Release, allerdings nicht Solo, sondern mit der Formation Slaughterhouse, deren erstes gemeinsames Album doch sehr gut ankam. Nun, also im Winter, veröffentlicht der mittlerweile 32-jährige Rapper aus Detroit, Michigan sein erstes Album seit über 4 Jahren namens "Street Hop", welches diversen Verschiebungen zum Opfer fiel, nun aber endlich in den Läden steht. Executive Producer der Platte ist Royce's langjähriger Förderer DJ Premier, der auch einige Beats bastelte, außerdem durften noch Streetrunner, Nottz, 6th July oder Mr. Porter, einen Black Milk wird man leider nicht antreffen. Dafür aber prominente Features wie die Slaughterhouse Crew, Busta Rhymes, Bun B oder Phonte von Little Brother.
Hat man die CD eingelegt, so poltert mit "Gun Harmonizing" sofort ein echtes Feuerwerk auf einen zu. Ähnlich wie auf dem Slaughterhouse Album zeigt sich Royce hier richtig hungrig und rappt großartig über die sehr harmonische Produktion, die während der Strophen noch ruhiger, im Refrain durch ein tolles Klavierstück mitreißend gestaltet ist, zusätzlich ist auch noch Crooked I mit dabei, der ebenfalls einen sehr guten Job mit engagiertem und aggressivem Flow macht. "Soldier" hingegen überrascht mit einem sehr Club mäßigen Sound. Ein orientalischer Touch gepaart mit erotischen Frauengesängen im Hook, dazu E-Gitarrenriffs, die dafür sorgen, dass der Track richtig kracht. Auch auf solchem Terrain macht Royce eine gute Figur, da sieht ein Kid Vishis als Feature eher alt aus. Mit "Something 2 Ride 2" zusammen mit Phonte folgt dann die erste Midwest typische ruhige und sehr chillige Nummer, wie man es von den Detroiter Kollegen Black Milk oder Slum Village kennt, etwas überraschend dabei: produziert wurde das Ding von DJ Premier. Die Namen aller drei Beteiligten sollte über die Qualität des Songs mehr als aussagekräftig sein.
Busta Rhymes ist bei "Dinner Time" mit am Start und verfeinert diese Uptempo Nummer mit seiner durchgeknallten Art zu rappen, Royce ergänzt ihn mit Highspeed Rhymes, was für ein Brett! Etwas emotionaler hingegen ist der Lovesong "Far Away", der mit seinen gefühlvollen Melodien punkten kann und auch Royce ist mal wieder ein Genuss, doch es gibt ein großes Aber: für den Refrain ließ er sich dazu hinreißen Autotune zu verwenden, was sich ungefähr so "gut" wie bei Lil Wayne anhört. Viele dürften auf "The Warriors" gepsannt sein, der Track der gesamten Slaughterhouse Mannschaft. Um es kurz zu machen: der Song ist ganz ok, mehr leider nicht. Und genau dieses Problem hat dieses lange Album noch öfter, nämlich Lieder, die man sich zwar gut anhören kann, aber die einfach nicht reinhauen und keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein lässiger Groove macht "Shake This" zum echten Ohrenschmaus, auch wenn der Track gar nicht mal so spektakulär ist. "Gangsta" macht seinem Namen alle Ehre und wummert hart und dunkel aus dem Speaker, erinnert etwas an Royce's Album "Death Is Certain". Als Gast ist hier Trick Trick mit am Start, auf dessen 2008er Werk "The Villain" haben die beiden ja schon prächtig zusammengearbeitet, so auch hier.
Auch ein bisschen R'n'B findet sich auf "Street Hop" wieder und zwar mit "Thing For Your Girlfriend". Insgesamt eine recht entspannte Nummer, allerdings auch ganz schön soft, noch dazu übernimmt Sänger K-Young fast die komplette Arbeit, was bei der mittelmäßigen Vorstellung von Royce auch besser so ist. Für Abwechslung ist dieser Track sicher ganz dienlich, ansonsten wohl eher zu vernachlässigen. Deutlich besser klingt da doch "Murder". Dramatische Melodien, Schussgeräusche, bedrückende Background Vocals und eine durchgehend unbehagliche Stimmung machen die Atmosphäre hier aus, da ist es für einen Top-MC wie Royce Da 5'9'' ein Leichtes, einen guten Song daraus zu machen. "Bad Boy" wäre ebenfalls alles andere als seicht, allerdings mit Reggae-Flavor, was man so von Royce noch nie gehört hat, aber schnell zu gefallen weiß, verstärkt wird das durch den Jamaikaner Jungle Rock Jr. und seiner Vorstellung, die diesem düsteren Smash die Krone aufsetzt. Zum Abschluss gibt sich Südstaaten Veteran Bun B neben Royce und Joell Ortiz auf "Hood Love" die Ehre. Von der ersten Sekunde an spürt man die Vibes und den Soul in dem wunderschönen DJ Premier Beat, die drei Jungs am Mic lassen es dazu souverän angehen und zeigen uns wie reifer Hip Hop zu klingen hat.
Endlich ist Royce Da 5'9'' wieder da und hat ein richtig gelungenes Album mit im Gepäck. Zwar ist es nicht das Meisterwerk, das ich mir von ihm erhofft hatte, aber man muss auch verstehen, dass er nach so langer Abstinenz wohl lieber auf Nummer sicher ging und sich für Beats entschlossen hat, mit denen man nichts falsch machen kann, aber die eben weit vom Hit entfernt sind, ein paar Songs hätte man sicher auch problemlos streichen können. Stilistisch erinnert mich "Street Hop" auch leider etwas zu sehr an das Slaughterhouse Album, da hätte ich mehr Eigenständigkeit gewünscht und mehr den Style von Detroit. Die Kritik klingt vielleicht etwas hart, das liegt aber eher an den Erwartungen, die ich hatte. Alles in Allem ein Album, mit dem man ganz sicher zufrieden gestellt wird, egal ob als Fan von Royce Da 5'9'' oder Liebhaber von gutem Rap.