Wer sich hierher verirrt, der weiß vermutlich sowieso mit wem er es bei Straylight Run zu tun hat. Deshalb sag ich jetzt mal nicht, dass die Band aus John Nolan und Shaun Cooper besteht, die einst bei Taking Back Sunday musizierten, und um Michelle Nolan (Johns Schwester) und Will Noon ergänzt wird. Vermutlich wird der Leser dieser Zeilen ebenso wissen, dass Nolan&Co es bei ihrem Debut etwas ruhiger und poppiger angehen lassen als die Emo-Kollegen um Adam Lazzara. Mit Emo-core hat diese Scheibe dann auch nicht mehr allzu viel zu tun, was sie aber keinesfalls weniger interessant macht. Vielleicht könnte man die Musik als hymnenhaften Pop mit Emo-Einschlag bezeichnen. Dann käme man um die schrecklichen Genre-Bezeichnungen Powerpop oder gar Powerpoprock herum.
In jedem Fall gelingt Straylight Run mit dem Debut ein absolut fesselndes Album, das die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen umfasst.
Der absolute Hit befindet sich mit "Existentialism On Prom Night" gleich im ersten Drittel der Platte, die mit "The Perfect Ending" einen vergleichsweise ruhigen aber umso dramatischeren Anfang findet. "The Tension and the Terror" erinnert vielleicht am ehesten an alte Taking Back Sunday Tage und überzeugt vor allem durch die eingängigen Melodien, besonders im Refrain.
Lied Nummer drei dann also schon der unangefochtene Lieblingssong der meisten Hörer. Allerdings muss ich gestehen, dass mir die Demoversion des Songs um einiges besser gefällt als die glattgebügelte und klanglich aufpolierte Album-Version.
Da geht meiner Meinung nach ein Teil des Charme des Stückes verloren. Das gilt genauso für "Mistakes We Knew We Were Making".
Nichtsdestotrotz sind die beiden Titel auch in der neuen Interpretation einfach nur gut und wer die Demoversionen nicht kennt, braucht sich sowieso nicht an der neuen Produktion stören. Vermutlich hätte es dem Hörer auch komisch angemutet, die alten Demoversionen auf dem Album neben den neuen Songs präsentiert zu bekommen. So fügt sich dann doch alles zu einem Guß.
Von den Liedern, die nicht als Demoversionen auf der Website der Band zum Download bereit standen, gefallen vor allem "Another Word For Desperate", dessen Lyrics und Musik perfekt harmonieren, "Your Name Here" und "Dignity and Money". Letzteres gerät besonders schön durch den Part am Ende des Stückes, der sehr emolike daherkommt.
Die Stücke, die von Michelle Nolan interpretiert werden sind nicht weniger gut als der Rest der Platte, obwohl ich von verschiedenen Seiten schon andere Meinungen gehört habe. Besonders "Tool Sheds and Hot Tubs" bricht zwar aus der Stimmung des Albums etwas aus, da es um einiges schneller als die anderen Stücke daherkommt und Dancefloor-Anleihen in den Sound integriert, beweist aber so das Straylight Run noch vielseitiger sein kann, als die Demos vermuten ließen. Außerdem ist das Gitarrenmotiv einfach ein schönes.
Abschließend bleibt nur das Fazit, dass diese Platte und der Ausflug mit Straylight Run in poppigere Gefilde für jeden, der nicht allzu fest im etwas härteren Genre des Alternative verwachsen ist, zu einer lohnenden Reise werden kann.
In diesem Sinne ist man am Ende der Platte einfach "glad for what we've got" und "done with what we've lost" und das ist wahrscheinlich die größte und tröstenste Botschaft der Gruppe.