Zunächst einmal: es ist natürlich absolut legitim, diese Platte nicht zu mögen. Und eine begründete Ablehnung (wie die meines Vorschreibers nathan) ist allemal interessanter und informativer als anpasserische Lobhudelei, wie sie bei einer Band, die wie Animal Collective derzeit auf einer Welle des Erfolges durch die Feullietons schwimmt, gerne vorkommt. Wenn also geschrieben wird, dass "Strawberry Jam" von Pere Ubu, Mars Volta oder GY!BE genährte Erwartungen enttäuschen würde, dann stimmt das wohl auch, denn gerade hinsichtlich der beiden letzteren sind die musikalischen Berührungspunkte allenfalls rudimentärer Art. Das ist schlicht eine andere Baustelle, mit teilweise ganz anderen, und in mancherlei Hinsicht deutlich weiter gestreuten musikalischen Quellen, als denjenigen der hier genannten (und von mir ebenfalls geschätzten!) Vertreter des New-ProgRock. Die (von mir verehrten) Flaming Lips und besonders Brian Eno sind da schon näher dran, aber bei weitem nicht ausreichend, will man Animal Collectives musikalischen Hintergrund erfassen. Dazu wären nämlich mindestens mal noch die Beach Boys, sowie David Byrne und die Talking Heads zu nennen. Doch insgesamt hilft das übliche "namedropping" hier angesichts der Fülle der Einflüsse (electronic, folk, shoegaze, noise, new-prog, ambient und eine Vielzahl anderer, i.Gr. sinnfreier, Kategorisierungen mehr) sowieso nur bedingt weiter (wer möchte, kann dazu ja mal die Referenzlisten für "Strawberry Jam" und seinen Vorgänger "Feels" bei plattentests.de vergleichen).
Mit Animal Collective ist es letztendlich wie mit den meisten (um das hochtrabende "avantgardistisch" zu vermeiden:) "experimentierfreudigen" Bands: entweder man hat direkt einen Zugang dazu, oder man wird erst einmal abgestoßen. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, dass einem im zweiten Fall die Musik ziemlich auf den Geist gehen kann (Stichwort: "Kinderlieder", "Jahrmarktsmusik" und "monotones Getrommel"). Daher die (angesichts der anvisierten Zielgruppe doch eigentlich überflüssige) Empfehlung, sich vor dem Kauf besser mal die Zeit zu nehmen und etwas ausführlicher reinzuhören, als sich blind auf die vielen positiven Besprechungen in diversen Magazinen etc. zu verlassen.
Ich persönlich halte "Strawberry Jam" jedenfalls für eine der herausragenden Platten des vergangenen Jahres, mit reichlich Inspirations-, Charme- und Esprit-Potential... wenngleich nicht notwendigerweise für jeden Hörer.