Diese Wiederauflage gibt einen kleinen Überblick über das Wirken Georg Soltis als Interpret Straussscher Tondichtungen am Pult verschiedener Orchester.
Die Einspielungen von "Till Eulenspiegel", "Don Juan" und "Also sprach Zarathustra" entstanden in den 1970er Jahren mit dem Chicago Symphony Orchestra im Medinah Temple in Chicago. Es gibt sie auch in einer anderen Auflage als
Einzel-CD. Auch in Kenntnis der Karajan-Aufnahmen von Ende der 1950er für die
DECCA und aus den 1970ern mit den Berliner Philharmonikern für die
DGG, der
Zinman-Aufnahme mit dem Tonhalle-Orchester und der klanglich schlicht umwerfend umgesetzten Einspielung mit der Staatskapelle Dresden unter Herbert
Blomstedt würde ich weiterhin diesen Aufnahmen hier zumindest in meiner Sammlung den ersten Rang zuordnen wegen ihres enorm zupackenden Zugangs, ihrer überspringenden Spielfreude, ganz einfach ihrer ungeheuren Energie, die trotzdem nie dazu führt, dass Details verloren gingen. Die sehr hohen instrumentalen Anforderungen wurden von den Chicagoern im Ensemble wie in den Soli (vorzüglich u. a. Samuel Magad mit seinen Violin-Soli in Zarathustra und Till) mühelos gemeistert. Der Klang ist ein bisschen weniger auflösend als in der erwähnten Karajan-Einspielung mit den Berliner Philharmonikern, aber für mein Empfinden viel wärmer und weiträumiger, substanzreicher. Wie gesagt, die Blomstedt-Aufnahme klingt noch besser.
Die Aufnahme des Heldenlebens stammt ebenfalls aus den 1970er Jahren und wohl aus Wien, zumindest spielen die Wiener Philharmoniker, das an Umfang und Gehalt dünne Beiheftchen gibt hierzu nicht mehr her. Auch hier ist das hervorragende Violin-Solo, diesmal von Rainer Küchl, hevorzuheben und zu bewundern. Mir fällt es zugegebener Maßen schwer, mich mit diesem Werk insgesamt anzufreunden, trotz seiner Ironie und seines sicher augenzwinkernd gemeinten Bombasts etwa im Abschnitt "Des Helden Walstatt". Ich besitze deswegen auch kaum Vergleichseinspielungen. Die Wiener musizieren durchaus auf dem Punkt, virtuos bis auf winzige Ungenauigkeiten an einer Diskantsstelle in den Violinen. Auch hier ist der Duktus von Soltis Energie und Vorwärtsdrang geprägt. Vielleicht kann man aus diesem Werk noch mehr herausholen, mir fehlt wie gesagt leider der Vergleich. Ich finde bei dieser Aufnahme in jedem Fall den Klang nicht ganz so befriedigend, er kommt mir etwas enger und härter als bei den Aufnahmen aus Chicago vor.
Die Alpensinfonie schließlich bietet schon eine echte Alternative zu den weit bekannteren und auch aus meiner Sicht zu Recht hoch geschätzten Aufnahmen
Herbert von Karajans mit den Berliner Philharmonikern und
Giuseppe Sinopolis mit der Staatskapelle Dresden, die bei allen Unterschieden im Orchesterklang und in der Aufnahmetechnik doch im Ansatz sehr ähnlich sind mit ihrer Betonung der großen Bögen, der strahlenden Blechbläserpassagen, quasi ein grandioses Alpenpanorama zeichnend.
Solti treibt sein Riesenorchester - diesmal das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in einer Aufnahme von 1979, Ort unklar - in 44 Minuten (Karajan und Sinopoli brauchen um die 51 Minuten) geradezu den Berg hoch. So schnell habe ich zumindest noch nie das Thema des "Anstiegs" gehört, übrigens perfekt und virtuos umgesetzt von den Bässen, im Gegensatz etwa zu den Berliner Bässen der Karajan-Aufnahme. Nachvollziehen kann man das vom Sujet aus schon, denn zumindest als ungeübter Bergwanderer neigt man ja auch dazu, die ersten leichteren Abschnitte der Wanderung mit noch voller Kraft schnell zurückzulegen. Im Verlauf gerät Solti sicher manchmal an die Grenze des Gehetztseins, manche lyrische Passage hätte man sich vielleicht mit mehr Ruhe gewünscht, aber insgesamt ist das Ergebnis für mich zumindest als Alternative überzeugend. Schön auch die Transparenz, etwa im Abschnitt "Auf dem Gipfel" mit seinem Holzbläserdialog, der in anderen Aufnahmen schon mal von den Streichern zugedeckt wird. Auch die Leistungen der Blechbläser finde ich hervorragend, wenngleich ich sie etwa im Abschnitt "Anstieg" noch strahlender gewohnt bin.
In jedem Fall legt die Aufnahme beredt Zeugnis von der Klasse des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ab, das auch Ende der 1970er Jahre schon ein Spitzenensemble war und später unter Lorin Maazel viele Strauss-Tondichtungen für die RCA einspielte. Die Aufnahmetechnik ist gut mit schönem Fundament und breitem Panorama, die Auflösung einer solchen "Tohuwabohu"-Stelle wie "Gewitter und Sturm" etwa gelingt auch in anderen Einspielungen nicht besser.
Ich halte diese Doppel-CD so für eine insgesamt sehr gelungene Zusammenstellung von Strauss-Einspielungen, die für meinen Geschmack mit den besten Deutungen dieser Werke konkurrieren können.