Gerard Mortier präsentierte als scheidender Festivalchef "seinem" Publikum 2001 mit dieser Fassung der Johann-Strauß-Operette "Die Fledermaus" einen wahrhaft harten, unverdaulichen Brocken.
Hans Neuenfels bringt die alt vertraute Musik in Zusammenhang mit einer grotesken Vision von zutiefst verdorbenen Charakteren. Ob das nun mit den Intentionen der Librettisten und des Komponisten (wie behauptet!) zu tun hat oder nur mit der rasenden Lust des Regisseurs "brave" Musikliebhaber zu schockieren und alles, was irgendwie etabliert ist, zu brüskieren - wer weiß?
Jedenfalls wird hier etwas gemacht, das schon nahe an eine Demontage heranreicht: Die Dialoge sind neu geschrieben, der Charakter des Frosch wird von Anfang an als eine Art Conferencier (gespielt von Neuenfels-Gattin Elisabeth Trissenaar) dargestellt, Herr von Eisenstein ist ein Göring-Double, Dr. Falk eine Art Mephisto im Nadelstreifenanzug, Prinz Orlowski wird von einem eigentlich sangesunfähigen David Moss als kokainsüchtiger Junkie mit Rastalocken und in einem versifften Schlafanzug gespielt ...
Kaum ein Tabu wird ausgelassen - Neuenfels muß sich wie immer an Kirche, Politik, Gesellschaft, Familie und allen möglichen anderen Gruppen auslassen. Ob das alles immer einen Sinn ergibt, läßt sich bezweifeln.
Gesungen wird im Großen und Ganzen gut bis sehr gut, auch Orchester und Chor (Dirigent Marc Minkowski) sind durchaus festspielwürdig.
Auf der Bühne sehen wir ausserdem gut aussehende junge Männer und Frauen in proletarischer, manchmal spärlicher Bekleidung.
Das Publikum dieser Liveaufnahme reagiert verärgert, schockiert, einige wenige applaudieren dennoch oder gerade deshalb.
Man sollte diese Neufassung der "Fledermaus" wohl einmal gesehen haben - ein Vergnügen ist sie freilich nicht. Aber das war auch nicht gewollt - weder vom Regisseur noch von Herrn Mortier, der zum Abschied von Salzburg seinem reichen (teurste Karte: 550,00 Euro!) und verwöhnten Publikum noch einmal den Tafelspitz gründlich versalzt.