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Die vorliegende Aufnahmne aus dem Jahre 1992 besticht neben dem ausgezeichneten Dirigat von Solti, den glänzend disponierten Wiener Philharmonikern und ausnahmslos guten bis sehr guten Solisten auch mit einer hervorragenden Klangqualität. Neben der Referenzaufnahme von Karl Böhm aus dem Jahre 1955 mit Rysanek und Hopf ist deshalb diese Aufnahme als gute Ergänzung zu empfehlen. Erwähnenswert ist auch, dass Solti bei dieser Aufnahme jede einzelne Note berücksichtigt, die Strauss in seiner Partitur niedergeschrieben hat. Das ist bei den vielen "zusammengeschusterten" Interpretationen dieser Oper (beispielsweise von Karajan) ein nicht unwesentlicher Punkt.
Bei den Solisten sticht vor allem Hildegard Behrens mit ihrer ausgezeichneten Interpretation der Färberin hervor. Es gelingt ihr, den wankelmütigen Charakter dieser Person gesanglich perfekt herüberzubringen (absolut überzeugend ihre schnippischen Dialoge mit Barak!). Auch die etwas seltsame Wandlung im dritten Akt wirkt durchaus überzeugend. Auch grossartig ist José van Dam als gutmütiger Barak. Die Szenen zwischen Färberin und Barak gehören allgemein zu den absoluten Highlights der Aufnahme. Beinahe alle Solisten zeichnen sich durch gute Textverständlichkeit aus. Einzig Placido Domingo als (emotionaler, aber auch etwas eindimensionaler) Kaiser tanzt in dieser Beziehung etwas aus der Reihe. Spezielle Erwähnung verdient auch Reinhild Runkel als diabolische Amme, die diese anspruchsvolle Rolle äusserst ansprechend zu meistern vermag.
Alles in allem eine hervorragende Interpretation dieses anspruchsvollen Werks, für die ich eine bedingungslose Kaufempfehlung aussprechen kann.
Dazu zählt leider auch die "Frau ohne Schatten", von Strauss und Hoffmansthal auch liebevoll "Frosch" genannt. Die Gründe, warum die "Frau ohne Schatten" kaum aufgeführt wird, reichen von der schweren szenischen Umsetzung (zahlreiche szenischen Verwandlungen, schon der zweite Akt endet ähnlich gewaltig wie Wagner's "Götterdämmerung": ein Fluss bricht durch die Mauern, der Boden bricht auf usw.) bis hin zum hohen Anspruch an den Dirigenten, das Orchester und die Sänger, die den weiten Bogen von filigraner Kammermusik bis hin zu gewaltigen musikalischen Eruptionen spannen müssen. In der "Frau ohne Schatten" zieht Richard Strauss alle musikalischen (und emotionalen) Register. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach einer Aufnahme, die diesem Werk gerecht wird.
Die Suche hat mit dieser Aufnahme endlich ein Ende gefunden. Diese Aufnahme besticht sowohl durch ihre sehr gute aufnahmetechnische als auch durch ihre musikalisch hervorragende Qualität, was nicht zuletzt auch an der ausgezeichneten Besetzung der Rollen liegt. Besonders erwähnenswert seien hier der kristallklar sonnegleiche Sopran von Julia Varady als Kaiserin und Hildegard Behrens als Färbersfrau. Nicht einverstanden bin ich allerdings mit der Besetzung des Kaisers mit Placido Domingo. Nichts gegen seinen Tenor, aber für deutsche Opern ist seine Sangart meines Erachtens zu südländisch und zu schmachtend. Alles in allem aber eine ausgezeichnete und sehr empfehlenswerte Aufnahme nicht nur für Kenner, sondern auch für diejenigen, die neben Salome und Elektra etwas mehr von Strauss kennenlernen wollen und sich nicht sicher sind, ob sich die Investition von über 50 ¤ lohnt. Die Antwort ist in diesem Falle ein eindeutiges JA!
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