Das Tollste vorweg: JAMES LEVINE und die WIENER PHILHARMONIKER!
Einfach grandios, was der amerikanische Dirigent diesem Spitzenorchester an Klangpracht, Präzision und delikaten Nuancen entlockt. Tempi, Dynamik und nicht zuletzt eine phänomenale Klangtechnik, die wirklich auch jedes noch so kleinste Nebenmotiv glasklar zu Gehör bringt, das ist einfach eine Wonne! In dieser Hinsicht habe ich bis heute noch keine bessere Ariadne-Aufnahme gehört (die Masur-Einspielung von Philips kenne ich noch nicht).
Auch die Sängerbesetzung, die sich 1986 im Wiener Musikverein zu dieser Aufnahme eingefunden hat, kann sich hören lassen und ist - mit kleinen Abstrichen - großartig.
War ich bislang kein besonderer Fan von ANNA TOMOWA-SINTOW (deren Rosenkavalier-Marschallin mir zu steril und deren Figaro-Gräfin mir zu altbacken erschienen), so muß ich bei dieser Ariadne meine Meinung total ändern: der jugendlich-dramatische Sopran leuchtet warm und kräftig, sehr feminin und im Duett des zweiten Aktes wird diese Ariadne wunderbar heroisch und die Stimme lodert geradezu über die Orchesterwogen. Eine tolle Interpretation.
Auch GARY LAKES in der gefürchteten und undankbaren Bacchus-Rolle überraschte mich positiv. Lakes meistert die Partie ohne unangenehmes Stemmen und Anschleifen, die Stimme klingt sehr hell, ohne penetrant zu sein, und man merkt ihm eigentlich gar nicht an, wie verteufelt schwer die Rolle zu singen ist. Ein größeres Kompliment kann man in diesem Fall, glaube ich, gar nicht machen. Ob die Tontechnik beim Volumen viel nachgeholfen hat, kann ich nicht beurteilen.
AGNES BALTSA als Komponist singt leider sehr wortundeutlich, was bei dem wundervollen Text doppelt schade ist. Dafür ist sie endlich einmal eine Sängerin, die mit der Rolle bei den hohen Tönen nicht überfordert ist und sie klanglich wirklich betörend schön gestaltet.
Mit KATHLEEN BATTLES Zerbinetta geht es mir ähnlich. Sie singt die haarsträubend schwere Koloraturpartie makellos, mit perlenden Höhen, silbrigem Timbre und apartem Ausdruck. Aber ihr starker Akzent stört mich hier ausgesprochen. Auch versteht sie es nicht, wie Edita Gruberova es so fulminant vermag, die Ironie, den Humor und den jeux d'esprit der Figur zu vermitteln und mit den Koloraturen ein triumphales Feuerwerk zu veranstalten. Trotzdem - sehr hohe Qualität.
HERMANN PREY als väterlich-gütiger Musiklehrer ist hier in einer seiner letzten Plattenaufnahmen zu hören, und man hätte keinen besseren, eleganteren, sympathischeren nehmen können.
OTTO SCHENK agiert in der Sprechrolle des Haushofmeisters herrlich wienerisch-blasiert.
Die Nebenrollen sind u. a. mit HEINZ ZEDNIK, KURT RYDL und ALFRED SRAMEK luxuriös besetzt.
Ein absolutes Highlight sind auch die drei Nymphen, dargeboten durch die engelsgleichen Stimmen von BARBARA BONNEY, HELGA MÜLLER MOLINARI und DAWN UPSHAW. Was diese drei Damen hier abliefern, ist schlichtweg himmlisch! Das toppt sogar die Damen in der Karajan-Aufnahme. Schon allein deswegen ist die CD unentbehrlich.
Da diese Aufnahme mittlerweile auch noch supergünstig angeboten wird, kann ich nur eins sagen: kaufen und genießen!